Kommt ein neues Luxus-Studentenwohnheim ans Siegesdenkmal?

Martin Herceg

Die Betreiberfirma des neu eröffneten Studentenwohnheims "The Fizz" plant offenbar in der Habsburgerstraße 134 ein neues Wohnheim. Der Hauseigentümer hat den Mietern gekündigt, darunter Krankenkassen, ein Friseursalon und die Hühnchen-Braterei "Hoons":



"Erst vor ein paar Monaten hab ich hier die ganzen Reklame-Schilder dranmontiert - und jetzt muss ich sie wieder abmontieren", sagt Herbert Kessler. Der Fachmann für Außenwerbung ist derzeit damit beschäftigt, Firmenlogos von der Fassade des mehrstöckigen Hauses an der Habsburgerstraße 134 zu entfernen. Einer seiner Auftraggeber ist Atef Awad. Mehr als fünf Jahre war er in der Habsburgerstraße Mieter; zunächst mit einer Filiale des Lieferdienstes "Joeys Pizza" und seit Juli mit einer Filiale der schwäbischen Fastfood-Kette "Hoons". Doch damit ist jetzt Schluss: Wie alle Mieter im mehrstöckigen Geschäftshauskomplex mit mehr als 2700 Quadratmetern hat Awad vor sechs Monaten eine Kündigung vom neuen Gebäudebesitzer erhalten - der International Campus AG.


"Wir sollen hier raus, weil der Eigentümer aus dem Gebäude ein Studentenwohnheim machen will", sagt Awad. Die Münchner Gesellschaft, die jüngst in der Zähringerstraße 300 mit "The Fizz" ein Rundum-Sorglos-Studentenwohnheim mit Concierge, Tiefgarage und Wii-Verleih eröffnet hat, will das weder dementieren, noch bestätigen. "Wir sind derzeit in Gesprächen, was die Habsburgerstraße 134 betrifft", sagt Thomas Rücker, Pressesprecher von International Campus. Prinzipiell sei Freiburg für die International Campus AG eine Stadt, in der es sich lohnen würde, weiter zu investieren, so Rücker. Kein Wunder: "The Fizz" ist komplett ausgebucht. Matthias Schäpers, "House Coordinator" im The Fizz sagte bei einem Ortstermin in der vergangenen Woche: "Mit Wohnungen in der Preisklasse um 550 Euro hätten wir das Wohnheim zwei mal komplett vermieten können."



Awad kann das Vorgehen der neuen Hausbesitzer nicht nachvollziehen. "Niemals hätten wir hier renoviert und einen neuen Laden aufgemacht, wenn wir gewusst hätten, dass wir so schnell wieder raus müssen", sagt er. Nachdem sein fünfjähriger Pachtvertrag zu Jahresbeginn abgelaufen war, versuchte er vergeblich, einen langfristigen Mietvertrag zu bekommen. "Die Hausverwaltung hat uns immer wieder vertröstet", sagt er. Als vor einem halben Jahr nebenan ein Friseur mit einem Drei-Jahresvertrag ausgestattet wurde, deutete Awad dies als Zeichen, dass auch er langfristig planen könne, und renovierte seinen Laden - ein paar Tage später kam die Kündigung.

"Kurz nach Eingang der Kündigung, kam dann bei uns ein Vertreter von International Campus vorbei, um uns zu erklären, warum wir raus müssen", sagt Awad. Zwei Monatsmieten habe man ihm erlassen, damit er zum 30. September seinen Laden räumt: "Das war besser als gar nichts."



Die meisten Mieter sind schon weg

Wie Atef Award geht es auch den meisten anderen Mietern im Haus. Die Niederlassung der Krankenkasse Deutsche BKK ist derzeit auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. "Uns wurde das Mietverhältnis von der Hauverwaltung zum September 2015 gekündigt", sagt BKK-Pressesprecherin Janina Thoom. Eine Niederlassung der Basler Lebensversicherung, die Fahrschule Baas und ein Dutzend weiterer Mieter sind bereits aus der Habsburgerstraße ausgezogen.

Auch eine Arztpraxis soll aus dem Gebäude verschwinden. Man wolle sich aber nicht so einfach aus den Räumlichkeiten vertreiben lassen und führe jetzt anwaltliche Gespräche.

Ebenfalls kämpferisch gibt sich Khalaf Alghezzi. Der Iraker betreibt seit Anfang des Jahres den Friseursalon "New Look" im Erdgeschoss des Gebäudes. "Ich habe hier einen Drei-Jahresvertrag beim Vorbesitzer unterschrieben", sagt er. "Ich sehe nicht ein, warum ich jetzt wieder raus soll."

Die International Campus AG habe ihm bereits einen neuen Friseursalon in einem anderen Stadtteil angeboten. Auch von fünfstelligen Entschädigungssummen ist die Rede. "Die wollen, dass ich hier so schnell wie möglich rausgehe." Zuletzt habe ihm der die Hausverwaltung mit einer Baustelle vor der Eingangstür gedroht, durch die sein Laden über längere Zeit nicht mehr für Kunden erreichbar sei. "Ich bin gespannt was als nächstes kommt", sagt er.

Auch die Zukunft von Atef Awad ist unsicher. Eine Wiedereröffnung der Hähnchenbraterei "Hoons" an anderer Stelle plant er nicht. "Durch die Renovierung haben wir einen immensen finanziellen Schaden davon getragen - da müssen wir uns jetzt erst einmal von erholen."