Kommando Rhino verstärkt Vaubanbesetzer

David Weigend

Auf dem besetzten M1-Gelände im Vauban wird es langsam spannend: Bis heute hat der Investor Zeit, die nötigen Unterlagen für den Kauf des Platzes bei der Stadt einzureichen. Währenddessen bekommen die "Unräumbaren" PS-kräftige Unterstützung.



Heute läuft die Frist ab: Bis zum 31. Juli muss Investor Michael Schröder, der auf dem Gelände M1 am Eingang des Quartiers Vauban das sogenannte Green Business Center bauen lassen will, einen bankbestätigten Finanzierungsnachweis für das Bauvorhaben bei der Stadt vorlegen. Erst dann wird die Stadt aktiv und gegebenenfalls einen Notartermin vereinbaren, um das Grundstück M1 an Schröder zu verkaufen.


Heute Nachmittag lag im Rathaus noch kein entsprechender Finanzierungsnachweis vor. Für die Menschen, die das M1 seit Anfang Mai besetzen, ist dies eine gute Nachricht.



Wie berichtet, stehen sie dem Bauvorhaben ablehnend gegenüber. Vielmehr wünschen sie sich Raum für ein alternatives Lebenskonzept, in dem es "nicht um Zahlen und Geldmachen" geht, sondern um Austausch, Kultur, Gemüsebeete, Selbstbestimmung und experimentelle Wohnformen.

Seit gestern haben die "Unräumbaren", die im Plenum gut 30 Leute zählen, Verstärkung bekommen vom Wagenkollektiv Kommando Rhino, Mercedes-Wohnbusse der 407er und 507er-Baureihe. Die Wagenlenker erweisen sich als freundliche Gesprächspartner: Eli (22), studiert in Freiburg Soziale Arbeit. Jens (28), arbeitet auf dem Münstermarkt und schreibt nebenher seine Magisterarbeit in Soziologie.



Die beiden nutzen das besetzte M1-Gelände, um darauf aufmerksam zu machen, wie wenige Wagenplätze es in Freiburg gibt. "Natürlich ist M1 selbst als Wagenplatz ungeeignet", sagt Jens. "Schotter als Untergrund, Lärm von allen Seiten. Außerdem werden wir von der VAG videoüberwacht."

Ein Wunschplatz wäre für Eli und Jens der Fahnenmastplatz an der Ecke Merzhauserstraße / Wiesentalstraße. "Aber von dort wurden ja bereits die Schattenparker vertrieben", sagt Eli. Drei Monate lang hätte die Polizei die Wagen der Schattenparker beschlagnahmt. "Da bekommst du schon Angst um dein Zuhause", sagt Eli.



Der Name des Kollektivs bezieht sich übrigens auf das 2007
geräumte Wohnprojekt „Rhino“ in Genf. Einer der für die Räumung Verantwortlichen war der besagte Michael Schröder, der auch jetzt wieder den Bau des "Green Business Center" plant. Die Besetzer freilich sehen in dem Bauvorhaben einen "Betonklotz mit grünem Öko-Image."



Eli, Jens und die anderen werden abwarten. Wer weiß, vielleicht platzt ja der Deal und niemand wird sie demnächst von M1 vertreiben wollen. Doch es könnte auch sein, dass nächste Woche schon eine Räumungsklage am Scheibenwischer hängt, die Polizei kommt und sagt: "Bitte verlassen Sie den Platz in den nächsten zwei Stunden und nehmen Sie alles mit, was hier rumsteht." Man werde sehen, sagt Jens. "Die Bagger zu boykottieren - auch das wäre eine Option."



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