Kommando Rhino kampiert vor dem Rathaus

Maren Rommerskirchen & Anna-Lena Zehendner

Vor genau zwei Wochen wurde Kommando Rhino geräumt - und ein neuer Standort für die Wagenburg ist nicht in Sicht. Um auf ihre andauernde Platzlosigkeit hinuzweisen, haben die Besetzer in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch vor dem Rathaus kampiert.



„Die Nacht war angenehm. Ich habe sehr gut geschlafen“, sagt Lara*, eine von zwei Verbliebenen, als wir sie heute Morgen auf dem Rathausplatz treffen. Viel ist von dem Nachtlager am Mittwochmorgen um kurz nach zehn Uhr nicht mehr übrig. Fast übersieht man die kleine Rhino-Besetzung.


Lediglich ein paar Stühle, zwei Sofas und ein Wohnzimmertisch stehen vor dem Eingang des Rathauses. Eine Tüte mit frischen Brötchen liegt auf dem Tisch und die Bierflaschen von letzter Nacht wurden fein säuberlich in eine Kiste geräumt. Die Polizei war schon da. Um kurz vor zehn haben sie das Rhino-Nachtlager räumen lassen. „Ein Teil der Gruppe bringt gerade unsere Sachen weg. Wir müssen noch eine ganze Fuhre hier abtransportieren und wir haben nur einen Fahrradhänger. Ich weiß nicht, wie sich das die Polizei vorstellt, die haben uns nur 15 Minuten Zeit gegeben.“ Mit einer schnellen Räumung hatten die Rhinos gerechnet. Trotzdem wollten sie mit ihrer kleinen und kurzen Besetzung ein Zeichen setzen.

„Die Hauptverantwortlichen für unsere momentane Obdachlosigkeit, sitzen hier im Rathaus oder nebenan im Stadtbauamt“, sagt Lara. „Weil wir keinen Ort mehr haben, wo wir wohnen dürfen, einige unserer Wägen beschlagnahmt wurden und wir auch keine Chance bekommen woanders unterzukommen, sind wir eben hier.“

Denn einen neuen Standort für das Wohnkollektiv ist auch zwei Wochen nach der Räumung noch nicht in Sicht - dabei gäbe es, aus nach Meinung der Rhinos, viele Gelände, die für eine neue Wagenburg in Frage kommen würden. „Es gibt städtische Gelände, die erst in acht Jahren bebaut werden“, sagt Lara. „Hier müsste der Nutzungsplan geändert werden, damit Leute dort wohnen können. Aber die Stadt will keine weiteren Wagenburgen, wegen diesem ominösen Gemeinderatsbeschluss von vor elf Jahren.“

Mit einer ironischen Jubeldemo
durch die Freiburger Innenstadt wollen die Rhinos heute mittag feiern, dass "Freiburg  das Wagenpack endlich los ist".



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[*Name wurde von der Redaktion geändert]