Koffein auf Rädern: Espresso aus der Kaffeekiste

Lorenz Bockisch

Seit Anfang August gibt es im Freiburger Stadtteil Wiehre ein besonderes neues Café. Es ist klein, grün und hat drei Räder: Katharina Gerold und Peter Flügler haben sich mit ihrer selbstgebauten "Kaffee-Kiste" eine kleine Existenz gegründet, in der es vorzüglichen italienischen Espresso gibt.



An der Ecke Urach-/Dreikönigstraße – sehr passend in Sichtweite der toskanisch anmutenden Siedlung "Quartiere alla Stazione" – steht das kleine lindgrüne Fahrzeug aus der Vespa-herstellerfirma Piaggio. Die Basis ist eine neue dreirädrige "Ape" (italienisch für Biene), der Aufbau ist aber reine Handarbeit. Fünf Monate Planung und Arbeit hat Peter Flügler, 31 und im richtigen Leben Doktorand der Politikwissenschaft, mit Freunden in den Aufbau gesteckt. Und der ist ein kleines Raumwunder: Trink- und Abwassertanks, Geschirrschubladen, Kühlschrank, Spülmaschine, Theke, Stehtisch und, quasi als Herz, eine Espressomaschine, finden in dem komplett selbst konstruierten Aufbau Platz.



Katharina Gerold, 29, bedient dieses Herzstück. Die Espressomaschine ist nicht nur irgendein Kaffeeaufbrühgerät, sondern eine Faema E 61, Baujahr 1967. An diese renovierte Seltenheit kamen die beiden Existenzgründer über die Vermittlung von Martin Craver, der in seinem Strass-Café in der Schusterstraße ein baugleiches Modell stehen hat. "Eine neue Maschine würde mit all der Elektronik die Erschütterungen beim Fahren nicht lange aushalten", begründet Peter Flügler die Wahl dieses alten Modells. Natürlich sprächen auch noch der Kultfaktor und der im Vergleich zu einer neuen Maschine deutlich geringere Preis für dieses chromglänzende Schmuckstück, erklärt Peter Flügler nicht ohne Stolz.

Auch bei den Bohnen schenken die zwei italienische Qualität aus. Der Espresso schmeckt: stark und doch geschmeidig im Geschmack, überhaupt nicht säuerlich und eine feine Crema obendrauf. So kommt er fraglos unter die besten Espressi der Stadt – auch der Preis von 1,20 € tut dazu sein übriges. Langsam spricht sich die grüne Kaffee-Kiste im Viertel herum, die Kunden sind typische Wiehremer Jungfamilien, aber auch Bauarbeiter und Hausmeister trinken hier einen kleinen Schwarzen.

Dass die Kaffeekarte so günstig ist, liegt auch daran, dass die hier ansässige Immobilienfirma den Standplatz samt Stromanschluss zur Verfügung stellt. Und daran, dass auch Kathi Gerold, die andere Gesellschafterin der GbR, als hauptberufliche Bildungsmanagerin die Kaffee-Kiste noch als Liebhaberei betreiben kann.



Ihr obliegt es auch, das ganze tägliche Ausschank-Geschäft zu übernehmen, samt Besorgung der frischen Blumen für den Stehtisch. Peter Flügler ist in diesem Kleinstunternehmen für das Buchhalterische zuständig. Neben den zwei Tagen pro Woche, an denen die Kiste in der Nähe des Wiehre-Bahnhofs steht, sind die beiden auch für Feste wie etwa Hochzeiten buchbar. "Als nächstes sind wir am 10.–12. September auf dem St. Georgener Weinfest", schaut Flügler ihrem bald größten Auftrag entgegen. Schließlich werden bis zu 3000 Gäste erwartet.

Die Kaffee-Kiste hat auch Muffins und anderes Süßgebäck im Angebot. Die kommen vom Catering-Service Genusswerkstatt, bei dessen Aufträgen die Kaffee-Kiste auch oft zu finden ist. Peter Flügler spricht von einer "Symbiosebeziehung", die der kleinen Kiste sicher helfen wird, bekannter zu werden.

Was: Kaffee-Kiste
Wann: mittwochs und samstags 9–16 Uhr
Wo: Urachstraße Ecke Dreikönigstraße, Freiburg-Wiehre

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