Körperschmuck oder Körperverletzung? - Streitgespräch mit meiner Mutter über mein erstes Tattoo

Ariane Gleichauf

"Wie sieht das denn aus, wenn du alt bist?!" - "Was wird dein Arbeitgeber sagen?" - "Was, wenn du dich änderst?" Gegen Tattoos gibt es viele Argumente - besonders, wenn Mütter gegen ihre minderjährigen Töchter argumentieren. BOGY-Praktikantin Ariane Gleichauf (16) hat mit ihrer Mutter über ein Tatto gestritten. Wie's ausging:



Ariane: „Mama? Duuu, ich hab da mal ‘ne Frage…“

Mama: „Mach schnell, ich will hier noch fertig putzen. Aber wenn es wieder um die Party geht: Nein!“


Ariane: „Ne ne, darum geht’s nicht.“

Mama: „Aha? Na dann… Was möchtest du, Mäuschen?“

Ariane: „Also, pass auf, ich war ja bei Kim und die lässt sich jetzt in den Sommerferien ein wirklich schönes Tattoo stechen…“

Mama: „…Oh je, ich ahne Schlimmes…“

Ariane: „…und dann haben wir uns auf Internetseiten umgesehen und ich hab mir da dann auch mal Gedanken gemacht und dann fiel mir auf, das ich auch voll die schönen Motive hätte und ich mein, du hast ja auch schöne Tattoos die dir viel bedeuten!“

Mama: „Aha!"

Ariane: „Ja und dann war ich auch mal in einem Tattoostudio…“

Mama: „Bitte wo warst du?!“

Ariane: „…und hab mal mit denen darüber geredet…“

Mama: „Mit wem hast du geredet?!“

Ariane: „…und das Studio sah auch sehr sauber aus und mit deinem Einverständnis würden die das auch machen und ich mein, ich hab ja auch schon meine Piercings und außerdem hat das Tattoo was ich haben möchte ja auch eine Bedeutung für mich und…“

Mama: „Stopp! Also jetzt mal langsam. Im Klartext heißt das, du möchtest ein Tattoo haben.“

Ariane: „Ja.“

Mama:
„Mit 16.“

Ariane:„Ja.“

Mama: „Und meinem Einverständnis.“

Ariane: „Ja.“

Mama: „Nein.“

Ariane: „Wie nein??“

Mama: „Nein, auf gar keinen Fall. Von mir aus warte noch die paar Jahre bis du 18 bist, aber davor kannst du’s vergessen. Ein Tattoo kostet wirklich viel Geld und deine Meinung kann sich noch 100 mal in den nächsten Jahren ändern, genauso wie deine Ansichten. Wenn du es nicht mehr haben möchtest kostet das weglasern auch nochmal einiges und es hinterlässt eine hässliche Narbe. Und was ist in 50 Jahren? Denkst du dann wird deine Haut noch so aussehen wie jetzt? Sie wird schlaffer, dein Tattoo wird runterhängen und es sieht nicht mehr schön aus.“

Ariane: „Ja, das weiß ich ja alles, ich würde das Tattoo ja auch selber bezahlen, aber du weißt ja noch nicht mal was ich haben will! Und die Haut auf dem Rücken oder auf dem Nacken wird nicht so schlaff, die bleibt straff. Weglasern will ich es ja gar nicht! Wenn ich schon ein Tattoo hab', dann doch auch bitte eins für immer. Ich möchte ja keinen Delfin auf dem Arsch, sondern…“

Mama: „Wusstest du eigentlich, dass die Farbe Schadstoffe aufweisen und dass diese Infektionen oder heftige Allergien hervorrufen kann? Wenn alles schief geht hast du einen schlechten Tätowierer, denn ein seriöser macht es wahrscheinlich eh nicht unter 18, und der verpfuscht dir dann dein ganzes Tattoo! Und was wirklich wichtig ist: Deine Persönlichkeitsentwicklung ist noch gar nicht abgeschlossen. Da sind wir wieder bei dem Thema, dass sich deine Meinung noch 100 mal ändern wird, da du dich auch noch 100 Mal ändern wirst.“

Ariane: „Ich könnte ja einen Test machen und schauen auf was ich allergisch reagieren… so von wegen mit den Farben und so… und ich will ja zu gar keinem unseriösen Tätowierer! Ich bin mir sicher, ich finde auch einen, der das gut macht und hygienisch ist… Außerdem will ich mein Tattoo auf dem Rücken - zwischen den Schulterblättern - haben! Das kann ich noch irgendwie verstecken. Daran kann ich mich ja gar nicht satt sehen, es ist ja nicht auf dem Handgelenk oder so. Dann ist es nämlich egal ob ich mich noch 100 mal ändere, denn das wird immer bleiben, ich will nämlich…“

Mama: „Was ist denn wenn du mit 20 auf einmal in eine Bank willst? Und bei deinem Vorstellungsgespräch sehen die dein Tattoo und nehmen dich nicht an!“

Ariane: „Mama. Erstens mal…ich bin mir sicher, als Bankangestellter muss ich in Mathe besser sein als das kleine 1x1 runter rattern zu können. Und zweitens, bin ich mir auch sicher, dass die mir nicht mein T-Shirt vom Leib reißen werden, um meinen Körper auf Tattoos zu untersuchen!“

Mama: „Du wirst dieses Tattoo dein Leben lang haben! Nur weil deine Freundin Kim jetzt eins bekommt brauchst du nicht auch eins! Was willst du dir denn so Schönes auf deinen armen Rücken tätowieren lassen, mhm?“

Ariane: „Ich habe an ein schönes, chinesisches Schriftzeichen gedacht.“

Mama: „Ahja. Und was soll das dann bitte bedeuten?“

Ariane: „Familie.“

„…“

ZUR PERSON

Ariane Gleichauf (16) ist Schülerin am Walter-Eucken-Gymnasium. Ihr Schwerpunkt: Wirtschaft. Sie hat bereits mehrere Piercings, ein Tattoo soll spätestens mit 18 folgen (wenn Mama nicht vorher "Ja" sagt). In ihrer Freitzeit geht sie gerne Tauchen, spielt Gitarre und schreibt Texte, "just for fun", wie sie sagt. Irgendwann könnte aus Fun auch Ernst werden, Ariane will vielleicht Journalistin werden. In dieser Woche absolviert sie bei fudder ihr BOGY-Praktikum.

Mehr dazu:

  • fudder: http://fudder.de titel="">Wie werde ich Tattoomodel?