Gemeinsam essen

Kochen mit Leuten, die man sonst nicht treffen würde

Julia Caspers

Gemeinsames Essen bringt Menschen zusammen – das ist die Idee hinter der Veranstaltung "Gemeinsam kochen im Strandcafé". Jeden dritten Montag im Monat ist der Kochabend für alle offen. Fudder-Autorin Julia Caspers hat mitgemacht.

Montagabend, 18 Uhr. Langsam füllt sich das Strandcafé im Grethergelände mit Menschen. Im Raum sind Tische aneinandergereiht, auf denen Schneidebretter und Messer liegen, dazwischen große Gemüsekörbe. Ein munteres Stimmengewirr erfüllt den Raum, man hört Arabisch, Deutsch, Französisch.


Hinter der Theke des Strandcafés schlägt der 27- jährige Mohammad Alsaka – von allen nur Alaska genannt - mit einem Kochlöffel gegen ein Kuchenblech. Er hat Mühe, gegen den Geräuschpegel anzukommen. Alaska ist zusammen mit anderen Ehrenamtlichen für die Organisation des Abends zuständig. Nachdem es ruhiger geworden ist, wird den Anwesenden der Ablauf von "Gemeinsam kochen im Strandcafé" erklärt.

Gekocht wird, was die Körbe hergeben

Hinter dem Namen verbirgt sich eine Kooperation zwischen Foodsharing, Über den Tellerrand kochen und Start with a Friend. Die Initiative dazu ergriff Maren Rietzler. Sie ist bei Foodsharing aktiv und rettet Lebensmittel vor der Mülltonne. Die Initiative setzt auf Kooperationen mit Supermärkten, bei denen die Foodsaver täglich vorbeifahren und überschüssige Lebensmittel abholen. Im letzten Jahr erkundigte Maren sich beim Strandcafé, ob man die Lokalität für das Zubereiten der geretteten Lebensmittel nutzen könne. Die Verantwortlichen des Cafés brachten sie mit den anderen zwei Vereinen in Kontakt, sodass im Dezember die erste gemeinsame Veranstaltung organisiert wurde. Seitdem findet "Gemeinsam kochen im Strandcafé" an jedem dritten Montag im Monat statt.

Gekocht wird, was die Körbe von Foodsharing am jeweiligen Kochabend hergeben. Diesmal stehen verschiedene grüne Salate sowie ein Chicoréesalat auf dem Menü und zusätzlich Ofengemüse, Eintopf und Bruschetta mit Tomaten und Knoblauch. Maren hofft, dass es für alle reicht. "Wir können das ja nie planen, wie viel wir an dem Tag einsammeln."

Ein ungezwungener Rahmen, um Berührungsängste zu überwinden

Das gemeinsame Essen und Kochen verbindet. Das ist die einfache Idee an diesem Abend. Man sitzt nebeneinander und tauscht sich beim Kartoffelschälen und Knoblauchpressen über die Lebensmittel und das Leben aus. Jeder trägt einen kleinen Aufkleber mit seinem Namen auf der Brust. Es ist ein ungezwungener Rahmen, der auch unsichere Teilnehmer dazu einlädt, ihre Berührungsängste zu überwinden.

An einem kleinen Tisch wird Guacamole zubereitet. Bassel ist Syrer und schaut interessiert auf das grüne Püree: "Guacamole? Nein, das habe ich noch nie gegessen." Er ist zusammen mit seinem Freund Laiht gekommen, der aus dem Irak stammt und schüchtern neben ihm steht. Laiht absolviert wie viele andere hier einen Deutschkurs, tut sich aber noch etwas schwer mit der deutschen Sprache. "Er hat bisher nur arabische Freunde und sucht aber auch deutsche, deswegen habe ich ihn mitgenommen. So einen Abend wie diesen braucht er", fügt sein Freund Bassel hinzu.

Kulturelle Unterschiede machen sich bemerkbar

So unterschiedlich die Menschen sind, die hier zusammenkommen, so vielfältig sind die Themen, über die man sich unterhält. Es geht viel um Politik, um die Situation in den jeweiligen Ländern. Aber auch der Klimawandel wird zum Thema, als man draußen vor dem Strandcafé die ersten grünen Knospen betrachtet. "Hier freuen sich die Menschen, dass es früher warm wird. In unserem Land aber fehlt im Sommer das Wasser, so trocken ist es in den letzten Jahren geworden", sagt Favid aus Afghanistan.

Die Begegnung und der Austausch beim gemeinsamen Kochen ist auch das Prinzip des Vereins "Über den Tellerand kochen". Zusätzlich zum Kochabend im Strandcafé organisiert er monatliche Veranstaltungen, die zum Beispiel eine bestimmte Zutat wie " Linsen" thematisieren. So lernen die Teilnehmer, was man statt "Linsen mit Spätzle" in anderen Ländern aus dieser Zutat zaubern kann. Es gibt auch Themenabende, bei denen die Küche eines speziellen Landes zum Zuge kommt. Für die Veranstaltungen müssen sich Geflüchtete und Beheimatete entweder über Facebook oder per Email anmelden, da es nur eine begrenzte Teilnehmerzahl gibt.

Nicht immer fällt es allen leicht, sich im Voraus für etwas anzumelden und damit Spontanität einzubüßen. Für den 25-jährigen Hassan aus Syrien ist das manchmal befremdlich: "In Deutschland wird immer viel geplant."
"Zwischen Julian und mir – das hat von Anfang an gepasst! Wir studieren sogar beide Philosophie." Ahmad
Eine der älteren Teilnehmerinnen an diesem Abend ist Anna Faller. Fragt man die 59-Jährige, warum sie heute Abend mit dabei ist, fängt sie an zu strahlen: "Es freut mich zu sehen, dass durch die Jungen so viel Neues entsteht. Und das brauchen wir, dieses Länderübergreifende, den Eine-Welt-Gedanken, auf die Ökologie zu schauen. Da helfe ich gerne."
Sie selbst ist im Vorstand des Freiburger Essenstreffs und auch bei Foodsharing aktiv.

Ahmad ist mit Julian gekommen, seinem Tandem. Sie haben sich über "Start with a Friend" kennengelernt, ein gemeinnütziger Verein, der deutschlandweit tätig ist. Aufgabe des Vereins ist es, Geflüchtete und Einheimische in Form sogenannter Tandems zusammenzubringen und den Austausch zu fördern. "Zwischen Julian und mir – das hat von Anfang an gepasst! Wir studieren sogar beide Philosophie", lacht Ahmad.

Kurz vor neun schiebt Hassan plötzlich die Stühle und Hocker im Raum zur Seite. Er hat die arabische Musik lauter gedreht und eine Gruppe Tanzfreudiger um sich versammelt. Getanzt wird Da´ur, ein Tanz, der laut Hassan aus Syrien kommt, und der unter dem Namen "Dabke" auch in anderen Ländern bekannt und beliebt ist. Im Strandcafé entsteht eine unglaubliche Energie und immer mehr Teilnehmer werden animiert, in die "jajajajajaja"-Rufe einzustimmen.

Mitorganisator Pascal Hauser von "Über den Tellerrand kochen " ist begeistert, wie beschwingt die Stimmung im Raum ist. "Wir sind natürlich von den Kapazitäten etwas limitiert. Ab 50 Leuten wird es dann schon eng", fügt er hinzu. Wichtig sei ihm jedoch, dass es ein offener Raum bleibe und man sich weder anmelden, noch für den Abend zahlen müsse. Lediglich Öl, Essig sowie Gewürze werden aus Spenden hinzugekauft. Dazu steht auf der Theke eine kleine Spendentasse bereit.
  • Was: "Gemeinsam kochen im Strandcafé" – Eine Veranstaltung von Foodsharing e.V., Start with a Friend und Über den Tellerrand kochen Freiburg
  • Wann: Mo 19. Februar 2018, 19. März und 16. April 2018, ab 18 Uhr bis 22 Uhr
  • Wo: Strandcafé – Adlerstraße 12, 79098 Freiburg im Breisgau
  • Wichtig: Ohne Anmeldung – solange der Vorrat reicht