Kneipenliebe: Eine Ode an den Eimer

Meike Völz & Florian Forsbach

Von einem Poster grüßt Johnny Cash mit erhobenen Mittelfinger, an der Wand hängt ein Münzfernsprecher, im Nebenzimmer gibt's Metal-Karaoke und hinter dem Zapfhahn steht Tobi: Warum der Eimer im Sedanquartier fudder-Autorin Meike Völz glücklich macht:



Vorneweg: Ich spreche hier quasi in eigener Sache. Denn ich schreibe über eine meiner Lieblingskneipen - den Eimer. Nicht nur, dass ich zu Beginn meines Studiums das fehlende WG-Wohnzimmer mit den Holztischen in der Belfortstraßen-Kneipe kompensierte. Ich habe hier auch schon die eine oder andere Schicht gearbeitet. Nach diesem Befangenheits-Geständnis folgt sie, meine Ode an den Eimer.

Betritt man den Laden mit dem rot-schwarzen Schild, dann steuert man geradewegs auf eine Holztheke zu. Dreht man den Kopf nach links, streckt Johnny Cash einem den Mittelfinger entgegen. Richtet man die Augen wieder geradeaus, dann gleicht Tobi diese rüpelhafte Geste mit seinem netten Lächeln wieder aus.

Tobias "Tobi" Schmutz ist der Inhaber und festes Inventar des Ladens. „Ich bin seit 20 Jahren in der Gastro. Die Chance, was eigenes aufzumachen, hab' ich ergriffen, als sie kam“, sagt Tobi, während er am Tresen sitzt - in der rechten Hand ein kleines Pils, mit der linken die Bierdeckel auf der glänzenden Zapfanlage gerade rückend. Heute hat er frei, vorbeigeschaut wird trotzdem. Schließlich sind fast 60 Prozent der Leute, die hier ein und aus gehen, Stammgäste, und viele von ihnen sind mittlerweile zu Freunden geworden.

 

"Gastronomie soll keine Abzockerie sein"

Die Tür zum Raucherraum schwingt auf, und einige Takte Live-Musik hallen über den langen Gang. Es ist Montag. Metal-Karaoke. Die Veranstaltung ist neu, ebenso neu wie die Rumsorte, die Tobi erst neulich für sich und somit auch für den Laden entdeckt hat. „Unser Angebot ist um einiges größer, als das, was in der Karte steht. Hier lohnt es sich noch nachzufragen, was es neues gibt.“

Doch auch für eingeschworene Fürstenberg-Wiederholungs-Trinker bietet die Kneipe Abwechslung. So trinkt sich das geliebte Hopfengetränk an der sonntäglichen Open-Stage anders als beim Tischkicker-Turnier oder montags, wenn die Leinwand aufgebaut wird und alle Zeiger auf Karaoke stehen.

Doch egal, welche Neuheiten Gaumen und Gehörsinn streicheln, eins bleibt im Eimer stets gleich: die günstigen Preise. Tobi: „Gastronomie soll keine Abzockerie sein. Die Sachen haben ihren Preis, aber auch nicht mehr. Wir wollen den Leuten hier die Möglichkeit geben, auch mit dem normalen Studi-Geldbeutel einen schönen Abend zu haben.“

Kein Ort für Asthmatiker

Im gut besuchten Raucherbereich stellt sich Markus (Erich Adam) Schillberg auf die kleine Bühne. Der Freiburger ist ein bekanntes Gesicht in der regionalen Musikszene. Er ist der Sänger von „Restless Feet“ und „Pandora‘s Ball“. Und mittlerweile auch auserwählter Karaoke-Host des Eimers. Auf die Frage, ob Metal und Karaoke denn wirklich so gut zusammen passen, lacht Markus alias Maggu, entäußert lakonisch ein „Unbedingt“ und zieht Rouven vor den Monitor, einen der 60 Prozent. Der schnappt sich das Mikro und kündigt an: „Ich sing‘ jetzt was von den Red Hot Chilli Peppers.“ Die übrigen Gäste brechen in schallendes Gelächter aus. Auch wenn Metal drauf steht, drin ist, was die Gäste hören und vor allem singen wollen.

Der Raucherraum des Eimers ist sicherlich kein Ort für starke Asthmatiker und montags auch nichts für geräuschempfindliche Mimosen. Die Karaoke- und Eimer-Fans hier stören sich aber weder am Qualm noch an der Lautstärke. Sie kämpfen sich durch die Rauchschwaden, schwingen die Luftgitarre und trällern (oder growlen) ihre Lieder.

Im Eimer, meinem Wohnzimmer mit Schanklizenz.



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Foto-Galerie: Florian Forsbach

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