Klinik schließt während des Abendgebets (10)

Müslüm Erikci

Müslüm berichtet, wie er krank wird: In der Klinik fühlt er sich wie eine Trophäe herumgereicht, die geschwollenen Mandeln sollen mit der täglichen Einnahme von 18 Tabletten geheilt werden.



Liebe Fudder-Leser,

das Heimatdorf meines Gastvaters, in dem ich eine Woche lang lebte, hatte nichts für Jugendliche zu bieten, nicht einmal ein Café. Immerhin gab es einen kleinen Kiosk, in dem man Cola, Fanta und Süßigkeiten kaufen konnte.


Die Fahrt von Kuala Lumpur bis zu diesem Dorf dauerte etwa sieben Stunden. Die Distanz ist gar nicht so groß, doch die Hälfte des Weges mussten wir auf der Landstraße zurücklegen. Nach fünfstündiger Fahrt kamen wir bei der jüngeren Schwester meiner Mutter an. Eine Nacht und zwei Tage vebrachten wir dort, um uns auszuruhen und den nahe gelegenen Strand zu besichtigen.



Da Terengganu an der Ostküste Malaysias liegt, war das Meer viel zu unruhig zum Schwimmen. Jedoch war das Wetter perfekt, um Drachen steigen zu lassen.

Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg und als wir ankamen, fühlte ich mich nicht sehr wohl und legte mich schlafen.



Fast den ganzen Tag hatte ich geschlafen. Dann wachte ich auf und erfuhr, dass nur meine Gastmutter da war. Allein, an ihrem Geburtstag. Und ich war krank. Ich versuchte, ihr klar zu machen, dass ich zu einem Doktor müsste.

Sie meinte, ich solle mich gedulden, bis mein Bruder wider zurückkehren würde.

Als er kam, fragte er mich, ob ich nicht zum Strand mitkommen wolle und ich willigte ein, mit dem Hintergedanken, danach zur Klinik zu fahren. Gegen 19 Uhr erreichten wir die Innenstadt. Doch es war schon zu spät. Die Kliniken machten Pause während des Abendgebets.



Schließlich fuhr mich mein Onkel am Abend in die Klinik. Dort wurde ich wie eine Trophäe herumgereicht. Eine Ärztin meinte, dass meine Mandeln angeschwollen wären und verschrieb mir eine Unmenge von Tabletten.

Ich schluckte pro Tag etwa 18 Tabletten. Die restliche Zeit verbrachte ich mit meiner Familie, klassischer Urlaub. Wir besuchten einen Naturpark, machten eine Bootsfahrt auf einem traditionellen, malaiischen Fischerboot und gingen abends Bowling spielen.

Die Ferien hatten zwar nicht traumhaft begonnen, doch letztlich waren sie genial. Vor allem der Übergang von verpesteter Großstadtluft ins frische, sonnige Land.

Mfg Müslüm