Klimasündenablass für Flugreisende

David Weigend

Der Freiburger Rolf Pfeifer gehört zu den Gründern von atmosfair. Diese Gesellschaft will darauf hinweisen, dass jede Flugreise zur Klimaerwärmung beiträgt. Mit Hilfe eines Emissionsrechners kann man auf der Internetseite von atmosfair seine Flugkilometer in Kohlendioxid-Kilo umrechnen. Im Interview erläutert Pfeifer, wie Vielflieger ihre Emissionsschuld abtragen können.



Herr Pfeifer, Sie gehören zu den Gründern von atmosfair. Was machen Sie beruflich?

Ich bin Geschäftsführer des forums anders reisen, ein Verband von 140 Reiseveranstaltern, die nachhaltigen Tourismus organisieren. Das heißt: Tourismus, der klimafreundlich ist und soziale wie ethische Kriterien erfüllt. Tourismus ist in ärmeren Ländern des Südens ein wichtiger, wirtschaftlicher Entwicklungsfaktor. Mit dem Tourismus tragen wir dazu bei, dass Menschen eine alternative Einkommensquelle haben; und beispielsweise nicht mehr genötigt sind, Regenwälder abzuholzen, was wiederum indirekt zur Klimafreundlichkeit beiträgt.

Warum wurde atmosfair gegründet?

Um dem Kunden klar zu machen, welchen Schaden er anrichtet, wenn er ins Flugzeug steigt; und ihm gleichzeitig die Möglichkeit zu geben, für diesen Schaden aufzukommen.

Konkret?

Wenn Sie bei uns auf die Website mit den Flugangeboten gehen, sehen Sie bei jedem Angebot, wie groß die Umweltbelastung einer bestimmten Flugreise ist. Im Katalog genauso. Wir klären die Kunden ganz offensiv darüber auf, wie viel Kilogramm Kohlendioxid durch den geplanten Flug ausgestoßen werden. Dies zeigt der Emissionsrechner von atmosfair an. Dort hat man dann auch die Möglichkeit, für die verursachten Klimagase zu bezahlen.



Wer bekommt das Geld, das ich an atmosfair bezahle - quasi meinen Klimasünderablass?

Momentan wird das Geld in zwei Projekte investiert. Einmal in Solartechnik für 18 indische Großküchen von Krankenhäusern und Schulen. Dort hat man das Wasser bisher mit Dieselkochern erhitzt. Das zweite Projekt: Aus Abwasser einer thailändischen Palmölfabrik entsteht Biogas. Bisher brachte dieses Abwasser eine hohe Methanbelastung mit sich. Methan ist ja sehr treibhauswirksam.

Warum soll man bei Ihnen freiwillig mehr für eine Flugreise bezahlen, bei all den Angeboten der Billigflug-Airlines?

Das Problem bei den Billigfliegern ist ja, dass die mit einem Preis auf den Markt gehen, der gar nicht realistisch ist.

Keine Fluglinie muss Steuern zahlen. Keine Mehrwertsteuer, keine Kerosinsteuer, keine Ökosteuer. Sie zahlen nur Steuern für die Benutzung der Flughäfen. Die werden von den lokalen Regierungen betrieben, nicht von den Airlines.

Die Fluggesellschaften werden außerdem von Subventionen begünstigt. Die Airlines gehen auf die Lokalregierungen zu: „Wir kommen mit unseren Fliegern zu euch an den Airport, sagen wir mal Frankfurt-Hahn, und schaffen da Arbeitsplätze. Ihr müsst im Gegenzug dafür sorgen, dass wir keine Start- und Landegebühren zahlen." Die Lokalregierung beantragt daraufhin Fördergelder, um so die ganzen Bedingungen zu erfüllen. Die Fluglinien profitieren von öffentlichen Fördergeldern der EU und von Deutschland, um somit ihre Preise zu ermöglichen. Das ist der Hintergrund, warum sie so billig sind.

Okay, das ist der Markt. Aber wo ist der Haken?

Durch diese extrem billigen Angebote wird dem Verbraucher suggeriert, er könne guten Gewissens für 19,99 Euro nach Portugal fliegen. Schnell mal zum Shoppen. Dagegen gehen wir vor. Früher sind die Leute mit dem Bus gefahren, ein bis anderthalb Tage. Das hat genauso viel gekostet. Macht aber mittlerweile keiner mehr. Man setzt sich lieber in den Flieger, ist sich aber nicht bewusst darüber, was das für einen Umweltschaden anrichtet und was der kosten würde. Darüber klären wir auf.

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