Kleinststadtgeheimtipps: Breisach

Fabian

Breisach ist mehr als nur die Karibikdisco "Prestige": Laugencroissants vom Geppert, Abhängen im "Freizeit", Filmegucken im Engel, Brägelekauen bei Poldi, Chillen am Rimsinger Baggersee und Kreisligakultur in Gündlingen. Fabian mit den besten Tipps rund ums Stephansmünster.



Lage:
Breisach liegt rund 30 Kilometer westlich von Freiburg, direkt am Rhein. Die Stadtteile Hochstetten, Gündlingen, Ober- und Niderrimsingen befinden sich südöstlich davon, in einem Umkreis von 10 Kilometern.

Gibt's seit: Schon in der Antike siedelten die Kelten in Breisach; auch die Römer hinterließen im 5. Jahrhundert auf dem "mons brisiacus" ihre Spuren. Aber erst die Staufer gründeten 1185 die eigentliche Stadt.

Namensherkunft: der Name wurde wohl vom keltischen Nachnamen Brisios in Verbindung mit dem Suffix -acum abgeleitet. Dieses beschreibt für gewöhnlich einen Ort, womit Breisach so viel bedeutet wie "Heimatort von Brisios".

Einwohner: In der Kernstadt wohnen rund 9 500 Menschen, mit den Stadtteilen kommt man auf eine Einwohnerzahl von 14 079.

Städtepartnerschaften: Als Europastadt pflegt Breisach enge Partnerschaften mit den Städten Saint-Louis, Neuf-Brisach (beide Frankreich) und Oswiecim (Polen). Der Stadtteil Niederrimsingen schloss zudem eine eigene Partnerschaft mit der Gemeinde Pürgg-Trautenfels in Österreich.



Häufige Nachnamen: Ott, Zeller

Das hört der Bürgermeister: "Rock, Jazz, Klassik - eigentlich bin ich für jeden Musikstil offen!" (Oliver Rein/CDU)

Pflichttermin: Das Weinfest Kaiserstuhl und Tuniberg ist nicht nur für die Breisacher Jugend das Highlight des Jahres. Neben Flammkuchen und Striebele trinkt man hier die Weine der Winzer vom Kaiserstuhl und vom Tuniberg. Wer dafür noch zu jung ist, trifft sich bei den Fahrgeschäften und Buden am Anfang des Festgeländes. Das Weinfest findet immer Ende August statt, diesen Sommer vom 27. bis zum 31. August 2010.

Theater: Die Breisacher Festspiele findet statt auf einer Freilichtbühne, hoch oben auf dem Münsterberg über der Stadt. Jedes Jahr in den Sommermonaten werden zwei Stücke aufgeführt. Für Kinder und Jugendliche gibt es heuer "Die kleine Meerjungfrau", für Erwachsene "Mord im Pfarrhaus".



Für Bierfreunde: Das Gündlinger Bockbierfest lockt jährlich zahlreiche Biefreunde in den Breisacher Stadtteil. Dieses Jahr wieder vom 30. Juli bis zum 2. August 2010.

Hier trifft sich die Jugend:
Beliebter Treffpunkt ist das Freizeitcenter Breisach im Gewerbgebiet, von den Jugendlichen einfach nur "das Freizeit" genannt. Nachdem mit dem Jack Daniels die letzte gescheite Bar geschlossen wurde, ist das Freizeit einer der wenigen Orte, an denen man noch entspannt was trinken und eine Partie Billiard spielen kann

Das sagt die Jugend: "In Breisach aufzuwachsen, ist einfach wunderschön. Man hat viel Natur um sich und fast alles was man braucht: Spielplatz, Kindergarten und Schule. Aber wenn man älter wird, wird es schwierig, wegzukommen, besonders abends. Zum Shoppen muss man meist mit dem Bus oder Zug nach Freiburg, das ist schon etwas nervig. Außerdem kann man in Breisach nicht so gut weggehen, in die Disco oder so. Dafür muss man nach Freiburg. Solche Nachteile muss man aber hinnehmen, wenn man in so einer schönen Kleinstadt leben möchte." [Jana, 16]

Cafétipp: Die Kaffeerösterei am Marktplatz 2 (Telefon 07667 / 911031), die seit langem erste, florierende Einrichtung in diesem verfluchten Ladenlokal, bietet verschiedene, zum Teil ausgefallene Kaffevariationen an. Zudem gibt's leckere Kuchenteilchen und ganz viel Schokolade. Damit ist sie eine gelunge Alternative zun den Touri-Cafés Ihringer und Bechtle direkt gegenüber.



Leckereien: Bei der Stadtbäckerei Geppert in der Rheinstraße gibts hervorragende Laugencroissants, die Metzgerei Pfunder am Gutgesellentor überzeugt mit Wildwurst und leckerem Grillgut inklusive vegetarischer Alternativen. Das beste Eis der Stadt gibt's bei Veneto, direkt gegenüber vom Kino. Besonders zu empfehlen sind die Sorten Haselnuss und Bacio. Nur in den Schulpausen sollte man die Eisdiele meiden, da sie meistens von den Schülern des nahegelegen Martin-Schongauer-Gymnasiums gestürmt wird.

Sehenswürdigkeiten: Natürlich sticht das Breisacher Stephansmünster als Wahrzeichen der Stadt besonders hervor. Daneben ist der Radbrunnen zu nennen, der sich ebenfalls auf dem Münsterberg befindet. Hier finden regelmäßig Ausstellungen statt. Im Rheintor am Weinfestgelände befindet sich das Museum für Stadtgeschichte.



Für Zwischendurch: Peters Imbiss ist die Anlaufstelle für Fast Food Fans. Zwar ist diese Pommesbude nur an Wochentagen tagsüber geöffnet, aber dafür bekommt man hier die besten Fritten der Stadt (direkt links neben den Engel Lichtspielen). Wer mehr auf Döner steht, kommt bei Ararat (Rheinstraße) genauso auf seine Kosten wie bei Deniz 2 (Fußgängerzone).

Gastrotipps: Das Gasthaus Hirschen im Stadtteil Oberrimsingen überzeugt mit frischen Salaten und Fischgerichten. In den Frühjahrsmonaten gibt es Spargel, der hier nicht immer ganz konventionell zubereitet wird. Dazu eigenen Wein. Mit Gartenwirtschaft.

Die besten Brägele isst man in der Poldi Strauße in Niederrimsingen, perfekt geeignet als Ziel einer Fahrradtour. Mit großem Kinderspielplatz.



Baden: Der Rimsinger Baggersee ist weit über die Grenzen Breisachs hinaus bekannt. An heißen Sommertagen bringt er Abkühlung, man trifft sich zum Grillen. Mehr Jugendliche und weniger FKK-Freaks gibt's auf der Rimsinger Seite des Sees. Parken sollte man jedoch auf der anderen Seite, denn nur da ist es erlaubt.

Radtour: Am Rhein entlang von Breisach nach Hartheim; teils angenehm schattig und am Wegesrand finden sich immer wieder schöne Möglichkeiten für ein Picknick.

Nachtleben: Wenn gerade kein Weinfest ist oder eine Wanderdisko in einer der Sporthallen gastiert, sind die Möglichkeiten zum Weggehen in Breisach recht überschaubar. Die sogenannte Karibik-Disco "Le Prestige" im Gewerbegebiet lockt ein eher fragwürdiges Publikum an und auch die ein oder andere Messerstecherei gab es dort schon. Alternative: Die von einem freundlichen Rentnerehepaar geführten Engel Lichtspiele sind eines der letzten Kinos, das noch Charme hat. Der urige Vorstellungssaal ist zwar selten gefüllt, dafür bekommt man auch zwei Minuten vor Beginn des Films immer noch einen guten Platz.



Mitbringsel: Eine Flasche Wein vom Badischen Winzerkeller oder eine Flasche Sekt von der Privatkellerei Geldermann.

Fluchtmöglichkeiten:
Wer es in der Kleinstadt nicht aushält, kann zweimal in der Stunde die Breisgau-S-Bahn nach Freiburg nehmen. Der Bus fährt vom Bahnhof aus ebenfalls in die große Stadt und bedient dabei auch die Stadtteile abseits der Kernstadt.



Fasnet: Der Höhepunkt der Brisacher Fasnet ist der Gauklertag, welcher jeweils am Sonntag vor und am Dienstag nach Rosenmontag auf dem Marktplatz stattfindet. Schlachtruf der Narren: "Schmecksch dr Brägel?"-"Aijo!"

Lahmstes Projekt:
Seit Jahren ist im Gespräch, die Zugverbindung Breisach-Colmar zu reaktivieren. Doch seitdem die Eisenbahnbrücke über den Rhein im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, wartet man vergeblich auf eine Bahnstrecke ins Elsaß. So bleibt einem nur der Bus.



Ortsrivalität: "Über Oberrimsingen lacht die Sonne, über Niederrimsingen die ganze Welt!" (Gibt's natürlich auch umgekehrt) Obwohl die beiden Orte inzwischen einen gemeinsamen Fußballverein haben, können sich vor allem die älteren Bewohner nicht vorstellen, die Abneigung gegenüber dem Nachbardorf abzulegen. Die Vorstellung, dass in Zukunft eine der Schulen geschlossen werden könnte und die Kinder nur noch im Nachbarort unterricht werden, ruft Entsetzen hervor. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass durch ein Neubaugebiet der geographische Abstand zwischen Ober- und Niederrimsingen nur noch rund 200 Meter beträgt.

Kicker: Im Stadtgebiet von Breisach finden sich gleich drei Fußballvereine. Der FC Rimsingen schloss die vergangene Saison als Dritter der Kreisliga A3 ab, der SV Breisach landetet auf Platz 14 der Kreisliga B1 und der SV Gündlingen belegte Rang 4 der Kreisliga B3.

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Foto-Galerie: Fabian Fechner

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