Kleinststadtgeheimtipps: Bahlingen

Minh Duc Nguyen

Willkommen in Bahlingen am Kaiserstuhl! Hier wird nicht nur Wein angebaut, sondern auf Eichstetter geschimpft, Silbermond gehört, dem Nachbarn bei der Jobsuche geholfen, an der Holzmühle abgehangen und im Bierhäusle vorgeglüht. Alles weitere, inklusive Top-Exklusiv-Infos von Bürgermeister Lotis, lest ihr jetzt.



Lage
: Bahlingen liegt am Nordostrand des Kaiserstuhls, zwischen Riegel und Eichstetten. Durch den Ort verläuft die Badische Weinstraße.   

Gibt’s seit: Bahlingen wurde zum ersten Mal im Jahre 762 im Testament des Bischofs Eto von Straßburg urkundlich erwähnt.

Namensherkunft: Bahlingen ist ursprünglich eine alemannische Sippensiedlung, gegründet zwischen dem dritten und fünften Jahrhundert nach Christus. Ursprünglicher Name: Baldinga, was etwa "bei den Leuten des Baldo" bedeutet.

Einwohner: knapp 4000

Häufige Nachnamen: Adler, Sommer und Boos



Das hört der Bürgermeister: Harald Lotis (CDU) mag eine Mischung aus Pop und Klassik. Aber ihm liegt, wie er sagt, das Rockige schon mehr. "Ich finde es auch gut, dass es mittlerweile mehrere deutsche Bands wie Ich + Ich oder Silbermond gibt, die Deutsch singen“, sagt Lotis.

Relaxtipps vom Bürgermeister: „Einfach durch die Weinberge spazieren oder joggen.“

Das sagt die Jugend: "Bahlingen ist eigentlich ganz cool. Man kennt sich und das hat viele Vorteile. Zum Beispiel kommt man schneller an einen Job, wenn man die richtige Person kennt. Oder abends kommt der Nachbar auf ein Glas Wein vorbei, ohne vorher groß nachfragen zu müssen. Diese Geschlossenheit hat aber auch Nachteile. Wenn man nachts besoffen nach Hause läuft, dann weiß am nächsten Tag jeder, wer das war." (Kilian, 17, aus Bahlingen)  



Hier trifft sich die Jugend: bei der Troddi an der großen Tanke auf der Hauptstraße. Hier versammeln sich gern die optisch Cooleren. Oder, wenn es regnet: der evangelische Jugendraum an der Kapellenstraße. Hier gibt's Internet oder auch die Möglichkeit, Weihnachtsplätzchen zu backen.

Sehenswürdigkeit: Neben der Bergkirche, die schon von Weitem her zu sehen ist, gibt es noch zahlreiche Skulpturen des Bildhauers Michael Schwarzer. Unter anderem am Rathausbrunnen und auf dem Fohberg.



Nachtleben
: Im Gasthaus zum Rössle an der Hauptstraße 25 wummert wochenends der Bass. Dort treffen sich in der Regel ältere Bewohner und schwoofen zu Hits wie „Wind of Change" oder "Nothing else matters“. Für das jüngere Publikum ist das Bierhäusle (Hauptstr. 60) beliebte Anlaufstelle für den Partyabend.

Fluchtmöglichkeiten: Für die Strecke Bahlingen-Freiburg braucht man 35 Minuten mit der Bahn. Die letzte Bahn zurück fährt schon um 23.38 Uhr, aber es gibt einen Nachtbusdienst zwischen Freiburg und Gottenheim. Von Gottenheim aus nehmen die Partygänger ein Sammeltaxi. Das kostet pro Nase nicht mehr als zwei Euro, weil es die Kaiserstuhlgemeinden bezuschussen. 

Kicker: Der Bahlinger SC gibt unter den Kaiserstuhl-Teams den Ton an. Derzeit belegt der BSC in der Oberliga den fünften Platz. Wichtigster Torschütze auf der Ponderosa: Stefan Vogler, aktuell mit 9 Treffern.



Lahmstes Projekt: „Wir wollten mal die Sanierung des Rathauskellers durchführen“, sagt Bürgermeister Lotis. Geplant war unter anderem ein Veranstaltungsraum für Jugendliche. „Aber das liegt auch schon sieben Jahre zurück.“

Ortsrivalität: In den 1920er Jahren gab es ständig Krach zwischen den Bahlingern und den Eichstettern. Die jungen Männer beider Gemeinden gingen stets in den Nachbarort auf Bräutefang. Da krachte es auch schon mal. Mittlerweile versteht man sich gut und gemischte Ehepaare aus Bahlingen und Eichstetten kommen häufig vor.

Bei den Jugendlichen gibt es allerdings nach wie vor Rivalität: Da in Eichstetten angeblich viele Karotten gegessen werden, bezeichnen die Bahlinger die Eichstetter zuweilen als "Gällruibli".

Für Kinder: In Bahlingen gibt es sieben Spielplätze und eine Skateanlage.

Kurioser Verein: Die Mittelaltergruppe More Majorum. Insgesamt hat Bahlingen mehr als 50 Vereine.



Ausflugstipp: Der 12,6 Kilometer lange Katharinenpfad nach Oberrotweil.

Brauchtum: Seit 1977 feiern die Bahlinger alle zwei Jahre das Hoselipsfest, das Besucher aus ganz Deutschland anzieht. Der Namensgeber ist ein kauziger Kerl. Er besteht aus Holz, ist etwa 50 Zentimeter groß und wurde 1757 von einem Küfer geschnitzt. Seit Jahrhunderten ist er Symbolfigur der Bahlinger Winzer und steht jetzt im Rathaus auf einem geschnitzten Holzfass.

Mitbringsel: Natürlich eine Flasche Wein. Bei den Winzern vom Silberberg wird man bestimmt fündig.



Mehr dazu:


Foto-Galerie: Minh Duc Nguyen

Tipp: Wartet einen Augenblick, bis die Galerie komplett geladen ist. Ihr könnt euch dann ganz bequem jeweils das nächste Foto anzeigen lassen, indem ihr auf eurer Tastatur die Taste "N" (für "next") drückt.