Kleinststadtgeheimtipps (9): Staufen

Saskia Schuh

Staufen kennen die meisten als Fauststadt - "das ist doch des mit der Burg, oder?" Ja, das stimmt. Staufen ist aber auch: Kuchen vom Decker, Bettlerpfad, Metalabend im Juze, Fahrrad im Stadtsee, das Art Forum Polen, Risse durch die Hausfassaden und Winfried Sturm. Saskia führt Euch durch ihre Heimat.



Gibt’s seit: 770 (erste urkundliche Erwähnung)

Einwohner: 7.800, zu Staufen gehören auch die Ortschaften Grunern und Wettelbrunn.

Städtepartnerschaften: Kazimierz Dolny (Polen), Bonneville (Frankreich)

Pflichttermine: seit 2003 gibt es Stages - die Staufener Zeitreise. Mehr als 500 Darsteller spielen die Geschichte von Staufen in der Altstadt nach. Historischer Spaß für jedermann. Nächster Termin: 18. bis 20. September 2009.

Zweiter Tipp: Das Festival Wein & Musik. Der Name ist Programm. Ein dreitägiges Open Air, bei dem internationale Bands aus allen Sparten aufspielen. Die Bühnen befinden sich am Marktplatz, am Kronenplatz und am Weinbrunnen.

Das hört der Bürgermeister: Rolling Stones, Dire Straits und Bob Marley (Michael Benitz, parteilos).

Das sagt die Jugend: „Staufen ist ein schöner Ort zum Leben, nur ist abends hier halt nicht viel los. Man muss immer nach Freiburg fahren. Aber zum Glück hat man mit Zug, Bus und Sammeltaxi eine ganz gute Verbindung.“ Staufenerin, 16



Mitbringsel: Einen Obstbrand der Hausbrennerei Schladerer, Pralinen vom Café Decker und die Staufen-Tasse mit handgemalter Burgansicht, erhältlich im Spielzeugladen Babajaga.



Kicker: Der seit 1908 bestehende Fußballverein FC 08 Staufen spielt in der Kreisliga und belegt derzeit Platz 10. Der Ortsrivale spielt in derselben Staffel: der FC Grunern Wettelbrunn steht gerade auf dem 5. Platz.



Fasnet: Am Schmutzige Dunschdig eröffnet die Staufener Schelmenzunft auf dem Marktplatz die Fasnet. Highlight: die Entführung des Bürgermeisters. Am Freitag und Samstag finden Zunftabende sowie Umzüge statt, außerdem die Städtlefasnet. Verschiedene Gaststätten, das Kornhaus etwa, bieten Tanz- und Stimmungsveranstaltungen an. Am Fasnetszischdig wird die Fasnet auf dem Marktplatz traditionell verbrannt.



Ausflugtipp: Der historische Bettlerpfad, bei dem man von Grunern aus einen wunderbaren Blick auf Staufen genießen kann. Eine Theorie zur Herkunft des Namens besagt, dass Mönche des Bettelordens diesen Weg um das Jahr 900 nutzten, um von Freiburg aus bettelnd Richtung Markgräflerland zu ziehen.

Sightseeing: Empfehlenswert ist eine Mephisto Tour. Ein freundlicher Teufel führt durch die Gassen der Stadt und erklärt, was im Mittelalter in Staufen geschah und wie Doktor Faustus im Gasthof Löwen sein schreckliches Ende fand. Sehenswert: eine Vorstellung in Auerbachs Kellertheater. Für Kunstinteressierte lohnt sich ein Besuch im Haus der Modernen Kunst, wo der Architekt Manfred Kluckert ständig wechselnde Ausstellungen internationaler Künstler präsentiert. Hierbei besonders interessant: Das Art-Forum Polen.



Gastrotipps: Feinschmecker essen Gänsetopfleber in der Kreuzpost, Dönerliebhaber gehen zu „Gül Kebap“, Münstertälerstr. 4. Schüler und junge Leute belagern die Bude in der Mittagspause.

Straußis: Kerbers StraußiBelchenblick Straußi



Der besondere Verein: Der Anglerverein Staufen e.V. Wie gut man in Staufen angeln kann, ist eine andere Frage, aus dem Stadtsee fischt man eher mal ein Fahrrad, das irgendwelche Witzbolde ab und zu reinschmeißen.

Hier trifft sich die Jugend: Der Jugendtreff Staufen, auch Juze genannt, bietet regelmäßig Metal- oder Hip-Hop-Abende an, außerdem gibt es für die 11- bis 13- Jährigen einen Teenie-Club. An der Half Pipe trifft man sich zum Skaten oder Rumhängen.



Schlagzeilen: Ein Riss geht durch Staufen: In zirka 120 Häusern im Zentrum, im Rathaus, in der Pfarrkirche St. Martin sowie in Gasthöfen und zwei Schulgebäuden sind der Putz und die Wände aufgebrochen. Ob diese Schäden zusammenhängen mit den sieben Bohrungen, die 2007 zur Erschließung von Erdwärme für das Rathaus durchgeführt wurden, ist noch nicht geklärt. Ausschließen lässt es sich nicht. Einige Experten hatten vor diesen Bohrungen gewarnt. Sie befürchteten, dass der Boden unter Staufen dafür nicht geeignet sei. Trotzdem genehmigte das Landratsamt die Bohrungen. Grund zur akuten Sorge gibt es allerdings noch nicht, bei keinem der Gebäude besteht Einsturzgefahr. Beschweren können sich die Staufener dennoch nicht, die Schlagzeilen haben einen „Riss-Tourismus“ verursacht. Mehr dazu in der Badischen Zeitung.

Bekannte Staufener: Johann Georg Faust, ein sagenumwobener Alchemist und Magier. Er starb vor etwa 500 Jahren und erlangte durch Goethe weltweite Bekanntheit. Das Volk schwor auf Fausts magische Kräfte, man betitelte ihn sogar als Heilkünstler und Hellseher. Man nimmt an, dass der Burgherr Anton von Staufen Faust als Goldmacher anstellte. Faust kam in seinem Zimmer im Gasthaus Löwen auf spektakuläre Weise ums Leben, vermutlich bei einer Explosion.

Etwas aktueller: der „Lehrer des Jahres 2004“ Winfried Sturm, der am Faustgymnasium Staufen unterrichtet und vor 25 Jahren die Tüftlerschmiede Hardware AG gegründet hat. Mit seinem Mikrochip gegen den Sekundenschlaf am Steuer setzte sich Sturms Team bei "Jugend forscht 2004" durch, wurde Regionalsieger und konnte sich auch als Sieger beim Landesfinale in Stuttgart qualifizieren – zum dritten Mal in Folge

Adrian Geiges, in Staufen geboren, galt dort als Rebell und Bürgerschreck und gehörte zu den schillernden Köpfen der Linken in den 1980er Jahren. 2007 veröffentlichte er seine Autobiographie „Wie die Weltrevolution einmal aus Versehen im Schwarzwald begann“.

Foto-Galerie: Saskia Wilks

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