Kleinstadtgeschichten aus Australien

Lilian Kaliner

Unser Australien-Aussteigerin Lilian (links) berichtet euch heute vom australischen Kleistadtleben. Sie berichtet euch von einem Kirschfarmer, der sein Haus - gebraucht, versteht sich - für läppische 1000 Dollar gekauft hat. Und sie berichtet euch davon, dass solche Kleinstädte auch von hunderten von Papageien bevölkert werden können...



Die Idee, mal eine australische Kleinstadt vorzustellen, kam mir in dem 47 Kilometer von Adelaide entfernten Örtchen Strathalbyn. Gut, der Name ist ein wenig komisch, doch der Ort ist einfach nur putzig. Sollte ich irgendwann mal nach Australien auswandern, dann wohl nach Strathalbyn. Kurz zu den Fakten: Der Ort wurde etwa im Jahr 1830 von schottischen Auswanderern gegründet und hat wohl daher eine Kirche (unten), die schwer an eine schottische Burg erinnert.




Das Besondere an Strathalbyn waren aber die Papageien. Als wir in der Mitte des Ortes ankamen, fiel uns zuerst der ohrenbetäubende Krach auf. Etwas später entdeckten wir hunderte von Papageien. Jeder Baum des örtlichen Parks schien zu leben. Es krächzte und flatterte und wir kamen gar nicht mehr raus aus dem Staunen. Okay, es war schon wirklich laut. In Australien heißt es ja, Vögel sind entweder schön oder sie klingen schön. Diese Vögel waren ausgesprochen hübsch und klangen leider auch entsprechend.

Die ganze Parkanlage sah aus, als hätte es eben geschneit. Der Boden war an jeder Stelle mit kleinen, flauschigen Federn bedeckt. Am Abend saßen wir vor unserem Van und konnten einfach nicht fassen, wie viele Papageien um uns herum flatterten. Man konnte sich auf den Rücken legen und die verschiedenen Schwärme flogen wenige Meter über uns von Baum zu Baum. Wir zählten einen durchschnittlich besetzten Baum durch und kamen auf siebzig Vögel - insgesamt waren es sicherlich mehr als 1000 Tiere. Für uns war das Spektakel gigantisch, für die Anwohner wohl eher tägliche Ruhestörung. Am nächsten Morgen sahen wir einen Papagei an einer Stromleitung fröhlich Saltos machen und als er uns entdeckte, beobachtete er uns minutenlang auf dem Kopf hängend (Foto oben rechts).



Abgesehen von den Papageien ist Strathalbyn ein richtiger Vorzeigeort. Es gibt unheimlich viele restaurierte Häuser und Geschäfte. Australier und seine Häuser sind so eine Sache für sich. Da es hier kaum Wohnraum zu mieten gibt, hat fast jeder sein eigenes Haus. Da aber nicht jeder das nötige Geld dazu hat, sehen die Häuser hier manchmal schon ziemlich heftig aus. Manchmal können wir einfach nicht glauben, dass in den Bruchbuden tatsächlich Menschen leben - und trotzdem sehen wir ein Kinderfahrrad im Garten liegen. Die meisten Häuser sind Fertighäuser und werden einfach auf ein paar Klötze oder Steine gestellt. Man kann unter den Häusern durchgucken und wundert sich, dass sie tatsächlich noch stehen. Der Farmer von der Kirschfarm, auf der wir arbeiteten, hatte vor elf Jahren sein Haus für 1000 Dollar gebraucht gekauft. Jemand wollte sich auf dem Grundstück ein neues Haus bauen und es loswerden. Unser Farmer hat es in der hälfte durchgesägt, auf einen Truck geladen und auf dem Farmgrundstück wieder zusammengebastelt. Das Haus ist eine wahre Bruchbude - er, seine Frau und die zwei Kinder leben dort seit elf Jahren. Wir waren fassungslos aber - zugegeben - auch beeindruckt.

Neben den zahllosen Bruchbuden gibt es aber auch ganz tolle, restaurierte Häuser. Viele sind winzig klein und richtig süß. Bestimmt macht es euch ja Spaß, mit unseren Fotos einen kleinen Stadtrundgang durch Strathalbyn zu machen!