Kleinstadtgeheimtipps: Staufen im Breisgau

Franziska Brandsch

Einst kannte jeder Staufen als die Fauststadt, mittlerweile heißt sie oft nur noch "die Stadt mit den Rissen". Fudder zeigt, wie viel Staufen wirklich zu bieten hat und was die Kleinstadt bei Freiburg zu einem idealen Wohnort macht.

Lage

Staufen liegt südlich von Freiburg, im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald. Die ideale Lage am Rand des Schwarzwalds, zwischen dem Schlossberg und dem Markgräflerland, bietet sowohl die Nähe zum Bergland wie auch zu größeren Städten.

Geschichte

Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde Staufen um 770. Zum Schutz des Silberbergbaus im Münstertal wurde etwa 1100 eine Burg auf dem Schlossberg Staufens errichtet. Inhaber waren die Herren von Staufen, nicht zu verwechseln mit dem Geschlecht der Staufer. Anfang des 14. Jahrhunderts erhielt Staufen dann das Stadtrecht.

Das Geschlecht der Herren von Staufen nahm 1602 ein jähes Ende und die Stadt fiel an Österreich. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt von schwedischen Truppen besetzt, welche 1632 die Burg niederbrannten. 1802 gehörte Staufen schließlich zu Baden, welches sich später zu Baden-Württemberg zusammenschloss.

1945 wurden Teile der Altstadt durch einen Bombenangriff zerstört. Französische Flieger hatten diese am 8. Februar über der Stadt abgeworfen. Beim Wiederaufbau wurde auf den Erhalt des historischen Baubestands großen Wert gelegt.

Namensherkunft und Wappen

Das Süddeutsche Adelsgeschlecht der Herren von Staufen prägte den Namen der Stadt Staufen. Mit dem Geschlecht der Staufer hat die Stadt jedoch nichts zu tun. Den Namenszusatz "im Breisgau" trägt die Stadt seit dem 4. März 1965. Das Stadtwappen zieren drei goldene Kelche umrahmt von fünf goldenen Sternen auf rotem Grund.

Tourismus

Staufen gilt zusammen mit dem Münstertal als sehr beliebte Ferienregion mit unzähligen Ferienwohnungen sowie Campingplätzen. Sehr schnell ist man auf dem Feldberg – im Sommer schön zum Wandern und im Winter perfekt zum Skifahren und Snowboarden. Doch nicht nur landschaftlich bietet der Breisgau viel, die Stadt Freiburg ist ebenso in 20 Minuten zu erreichen.

Zu den beliebten Sehenswürdigkeiten in Staufen und der Region zählt natürlich die Burg Staufen. Frei zugänglich befindet sich die Ruine auf dem mit Weinreben bepflanzten Schlossberg in Staufen.

Einwohner

Staufen hat mit den zugehörigen Stadtteilen Grunern und Wettelbrunn sowie 17 weiteren Dörfern und Höfen etwas mehr als 8.000 Einwohner.
Pflichttermine

Das Weinfest in Staufen findet immer am ersten Augustwochenende statt und ist eines der beliebtesten Weinfeste der Region. Seit 1954 gibt es das Markgräfler Weinfest und seit 1973 ist es schon in Staufen beheimatet – eigentlich für jeden Staufener Pflicht.

Generell ist der Veranstaltungskalender Staufens aber immer mehr als gut gefüllt und es gibt fast kein Wochenende, an dem hier Langeweile herrscht. Um nur einige Veranstaltungen zu nennen: STAdtGESchichten, Annafest, Spiegelzeltaufführungen, Martinimarkt, Altstaufener Weihnachtsmarkt, Grillen & Chillen, Fabelhaftes Staufen, Staufener Lichternacht, Blühendes Staufen, Wein und Musik, Stadtseefest, Musikwoche, Kulturwoche.
Persönlichkeiten

Die größte Berühmtheit, die je in Staufen gelebt hat, war wohl Johann Georg Faust – auf der ganzen Welt bekannt geworden durch Goethes Tragödie "Faust". Der historische Doktor Faust wurde seiner Zeit als Magier gesehen. Er wurde – so nimmt man an – vom Burgherren Anton von Staufen angestellt, um Gold herzustellen. Bei diesem Versuch kam Faust um 1540 in seinem Zimmers im Gasthaus "Löwen" ums Leben. Vermutlich wurde der Alchemist durch eine Explosion getötet – wenn man der Sage glaubt war es jedoch Mephistopheles, mit welchem Faust einen Pakt geschlossen hatte. Sogar die Fußabdrücke des Teufels sind noch im Treppenturm des Rathauses zu finden. Jedenfalls erzählt man sich das. Wie die Fußabdrücke in die steinerne Treppe gekommen sind, ist allerdings wirklich erstaunlich.
Specials

Es gibt spezielle Mephisto-Touren, bei denen die Besucher der Kleinstadt eine 90-minütige Führung durch Staufen erhalten – und das von Mephisto höchstpersönlich. Diese finden von April bis Oktober regelmäßig statt. Im Winter werden zusätzlich spezielle Touren mit "wärmenden Unterbrechungen" für kleinere Gruppen angeboten. Gebucht werden können Tickets bei der Tourist-Information Staufen.

Geheimtipp des Bürgermeisters

"Ein Spaziergang zur Burgruine lohnt sich zu jeder Jahreszeit, außerdem empfiehlt sich ein Besuch unseres einmaligen und auch nur eintägigen Weihnachtsmarktes am 9. Dezember 2017", sagt Michael Benitz.

Das hört der Bürgermeister

Ich höre alles querbeet, von Rock, Pop bis hin zur Klassik, besonders gerne höre ich Dire Straits, Bob Marley oder Bach und Mozart.

Das sagt die Jugend

Wenn man in Staufen wohnt, hat man eigentlich alles. Wir haben ein Gymnasium, ein Schwimmbad, viele verschiedene Sport- und Musikangebote und auch Möglichkeiten, schnell einkaufen zu gehen. Und wenn man doch mal auf eine Party oder ins Kino will, nimmt man einfach den Zug nach Freiburg, der inzwischen jede halbe Stunde fährt. Ansonsten hat man ja auch noch das Weinfest und einige andere Feste, bei denen einiges los ist. Natürlich darf man auch die Natur und unsere Burg nicht vergessen, die Staufen zu einem wunderschönen, einzigartigen Ort machen. (Zara, 16)

Vereine

Staufen hat, mit Grunern und Wettelbrunn, insgesamt fast 100 Vereine. Zum Beispiel die Deutsch-Chinesische Gesellschaft Staufen-Breisgau, den Kammerchor und Schachclub Staufen, ebenso wie den Tennis- und Tisch-Tennis- und Wintersport-Club Staufen.

Kicker

2014 haben sich der FC 08 Staufen und der FC Grunern-Wettelbrunn zum Staufener SC zusammengeschlossen. Passend zu den Vereinsfarben Rot und Weiß wurde auch das neue Wappen gestaltet. Es ist eine Kombination der Wappen von Staufen, Grunern und Wettelbrunn.
Fasnacht

Mehrere Zünfte sind hier beheimatet: Die Schelmenzunft Staufen wurde 1935 gegründet und beinhaltet drei Figuren: den Schelm, den Mittwocher und das Schnurrewieb. Zudem gibt es die Schlossberghexen Staufen 1994, die Wettelbrunner Bächle-Gnome und die Grunerner Eschwald-Hexen 1996.
Gastrotipps

Das beste Brot (nicht nur in Staufen, sondern generell das Beste) gibt‘s bei der Bäckerei Faller. Das Café Decker hat die besten Torten und Pralinen. In der Altstadt gibt es die allseits beliebten Klassiker: Die Krone, der Löwen, das Kornhaus, die Kreuzpost und der Hirschen. Das italienische Lokal Vista al Castello (also mit Blick auf die Burg) macht die besten Tortelloni alla Nonna. Die Rombach Scheuer, oder auch Rom (mit kurzem o) genannt, ist die Kneipe nahe des Marktplatzes, in der man sich auf ein Bierchen treffen kann. Die Hausbrennerei Schladerer verkauft ihren Schnaps sogar auf der ganzen Welt - sogar in Shanghai am Flughafen.

Zwei Extratipps aus der fudder-Redaktion: Die Käsestube Staufen, die seit mehreren Jahren von der jungen Besitzerin Krizia Jost liebevoll geführt wird und Siggis Kerber Strauße, etwas ausserhalb gelegen. Aber mit den besten Weinen und tollsten Grillen & Chillen-Veranstaltungen.

Trachtengruppe

Die Original Staufener Trachtengruppe ist dieses Jahr stolze 40 jahre alt geworden. Gegründet wurde sie in den 70er Jahren, um den Tourismus der Stadt zu fördern. Seit 2009 kooperiert sie mit der Münstertäler Trachtengruppe, um weiterhin mit vielen Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne auftreten zu können.
Ortsrivalität

Zwischen Staufen und der Gemeinde Münstertal besteht seit jeher eine gewisse Rivalität, die jedoch eher scherzhaft weitergeführt wird. Während Münstertäler als "Hinterwäldler" gelten, sind die Staufener als arrogant verschrieen – je nachdem, wen man eben fragt. Dennoch arbeiten die beiden Ortschaften auch Hand in Hand. Sie liegen keine zehn Kilometer von einander entfernt und bilden gemeinsam die Ferienregion Münstertal Staufen.

Schlagzeilen

Bekannt war Staufen bisher immer als die Fauststadt, doch seit rund zehn Jahren ist Staufen eher in den Schlagzeilen, als die Stadt "mit den Rissen", "die sich hebt" oder "die auseinander fällt". 2007 wurden bis zu 140 Meter tiefe Bohrungen um das Rathaus in der Altstadt durchgeführt, um mit umweltfreundlicher Erdwärme heizen zu können. Unglücklicherweise kam es zu einer chemischen Reaktion zwischen der Gips-Keuper-Schicht im Boden mit eindringendem Grundwasser – und eine unterirdische Quellung begann. Daraufhin entstanden an vielen Gebäuden um den Marktplatz der Altstadt Risse. Durch die Initiative "Staufen darf nicht zerbrechen" werden Spendengelder gesammelt, um die betroffenen Häuser so gut es geht vor dem Verfall zu retten. Mehr zum Thema: