Kleingeldprinzessin ohne Girlie-Attitüden

Johanna Schoener

Tanzt der Bürgermeister in Freiburg vielleicht auch Samba? Und warum sind diese Rinnen in den Straßen? "Ich habe recherchiert und mich informiert", sang Dota Kehr im ersten Lied. Brilliert hat die Kleingeldprinzessin mit den Stadtpiraten gestern im Jazzhaus. Es war ein Abend, der Spaß gemacht hat. Johanna war für fudder vor Ort.

Fröhliche Samba-Rythmen am Anfang des Konzert - dann aber gab es nachdenkliche Töne zu hören, unterbrochen von den etwas wirren Ansagen der Sängerin. War es Aufregung oder Show? Egal, im Publikum brachten die Ansagen Dota (27) Sympathien und Lacher ein. Wahrscheinlich, weil sie einfach so natürlich und ungeschminkt wirkt, fernab jeglicher Girlie-Attitüden. Hier ging es nur um gute, abwechslungsreiche Musik: melancholische und lebensfrohe Verspieltheiten von jazzerprobten Musikern, die mit verschiedensten Einflüssen jonglierten – ein bisschen Reggae, ein bisschen brasilianische Rythmik, eine Prise Swing, ein wenig Ukulele-Gezupfe, eine Melodica-Melodie.

Das zweite Set begann Dota alleine auf der Bühne. Erst mit Gitarre, danach ein Gedicht und dann noch ein bisschen Beatboxing und Summen gleichzeitig. Für ihre „Mund-Percussion“ bekam die Prinzessin viel Beifall. Nach der Rückkehr der Stadtpiraten hieß es dann Abgehen. Auch, als Dota sich zwischendurch in die tanzende Menge einreihte und den Stadtpiraten das Feld überließ. Zentral ist dennoch ihre schöne Stimme, mit der sie voller Leichtigkeit über die Töne spaziert. Die Texte sind treffend und durchdacht, in Reimformen gebracht und mit Witz gewürzt. Sie legen pointenreich die Absurditäten des Alltags offen (wie in „die Funktionalisierer“ und „Zimmer“) oder sind einfach wortgewandte Liebeserklärungen an das Leben und die Liebe wie in „Alles du, alles dur“. Diese dritte Zugabe wäre der perfekte Abschluss gewesen: „Hier kann ich sein, was ich bin, frei mit dem Herz in der Hand und drei Worten im Sinn.“ Insgesamt zwei Stunden Musik waren dem Jazzhaus-Publikum aber noch nicht genug und man schaffte es mit anhaltendem Gerufe und Geklatsche, die Band noch zwei weitere Male auf die Bühne zu holen, bis sie mit den Worten „ihr glaubt uns zwar eh nicht, aber wir haben nix mehr, was wir spielen können“ um kurz vor elf verschwand. Die Freiburger Fangemeinde verdankt die Kleingeldprinzessin übrigens den Freiburger Sozialpädagogikstudenten Jan und Jonas. 2004 luden sie die Kleingeldprinzessin nach Freiburg ein, nachdem sie im Frankreichurlaub zwei Oldenburger getroffen hatten, die zufällig eine gebrannte Scheibe von Dota dabei hatten. Sie kam und es gefiel ihr so gut, dass sie so oft wiederkam, bis sie im Jazzhaus spielen durfte.


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Homepage: Kleingeldprinzessin /  MySpace

Nächstes Konzert in der Region: 9.12., Emmendingen, Schlosskeller, 21.00 Uhr Vielen Dank an Ben für die Unterstützung bei den Fotos!