Kleines Publikum - Große Gefühle

Gina Kutkat

Virginia Jetzt!, die selbsternannte "Musikkapelle", spielten gestern Abend im halb gefüllten Spiegelzelt auf dem ZMF ein entspanntes, schönes Konzert. Während aus dem Zirkuszelt Ziggy Marleys Reggae-Sounds herübertönten ging es im Spiegelzelt indie-poppig zu. Gina war dabei.



"Sänger Nino, Schlagzeuger Angelo, Gitarrist und Pianist Thomas und Bassist Mathias sind die sympatischen Sunnyboys, in die sich Redakteurinnen von Online-Magazinen verknallen." So hieß es noch im Jahr 2004, als sich die Jungs aus dem brandenburgischen Elsterwerda mit ihrem ersten Album "Wer hat angst vor Virginia Jetzt!" zu kleinen Indie-Popstars mauserten.


Verknallt habe ich mich gestern Abend bei ihrem Konzert nicht. Aber schön war's trotzdem. Zugegeben: ich hatte keine besonders großen Erwartungen, weil ich Virginia Jetzt! immer mit netten Liebesliedern der Sorte "Ein Ganzer Sommer" oder "Wahre Liebe" in Zusammenhang gebracht hatte. Nicht gut, nicht schlecht, eben einfach nur nett.

In der Beschreibung zu ihrem im Januar erschienenen Album "Land unter" wird  bemerkbar, dass sich die Band und ihre Musik verändert haben. Sie seien dunkler, ernster geworden, der Titel gibt es schon preis. Die Texte handeln nicht mehr von Sommer und Liebe sondern von Grenzsituationen und Schmerz. War es ein Konzert voller Wehmut und Trauer? War es nicht!

"Wie begrüßen Sie, sehr geehrtes Publikum, recht herzlich zu unserem heutigen Konzert". Mit weichgespülten Worten beginnt Sänger Nino den Abend. "Es passt einfach besser zu der schönen Atmosphäre hier" -  bis ihn seine Bandkollegen darauf hinweisen, dass er doch sonst auch eher in Fäkalsprache redet. Von da an spricht Nino mit dem Publikum, als wären alle Freunde.

Nach den ersten Takten Musik bin ich etwas überrascht, als ich tatsächlich anfange zu tanzen. Ich hatte mich doch auf melancholisches hin-und herschaukeln eingestellt. Aber nein: da ist ein Beat, der nach vorne treibt und ganz indie-like die Füße zum Stampfen und die Hüften zum Schwingen bringt! Und es geht weiter beim nächsten Song. Und dem danach. Und eigentlich den ganzen Abend.



Thomas' Klavierspiel untermalt die Songs mit Harmonien, die nicht mehr ganz so pompös aber immer noch groß sind. Bass und Schlagzeug treiben den Groove nach vorne, die Texte handeln aus dem täglichen Leben, sind aber abstrakter geworden.

Natürlich: Kitschig und und mit jeder Menge Herzschmerz beladen sind Virginia Jetzt! schon immer gewesen, aber sie haben einen eigenen Stil! Ihre neuen Songs "Mehr als das" , "Ich kann nicht wie die anderen" und "Singen Singen" sind dynamisch und kommen beim Publikum gut an.

Der Song "Bitte bleib nicht, wenn du gehst", bekam von mir im Vorfeld schon 100 Punkte für den tollen Titel.

Schade, dass ich wohl nicht die Einzige war, die ein falsches Bild von Virginia Jetzt! hatte. Ein paar Leute mehr hätten dem Spiegelzelt und dem Abend nicht geschadet.

Und wie war's?

Nils, 23

" War ein super Auftritt, der echt Spaß gemacht hat. Die Musik war echt entspannt und es war einfach ein schöner Abend!"

Daniel, 29

"Schade, dass nicht mehr Freiburger gekommen sind, am Austausch Freiburg-Brandenburg müssen wir noch mehr arbeiten. Leider habe ich Virginia Jetzt! nicht schon früher gesehen, ich fand deren Auftritt richtig gut!"

Amelie, 18 & Isabel,16

" Wir fanden das Konzert hammergeil, es war ein eher familiärer Abend mit schöner Atmosphäre. Die Akustik hätte ein bißchen besser sein können, aber das lag wohl am Zelt. Ansonsten war es super!"

Angelo & Nino von Virginia Jetzt!

"Es war ein richtig schönes Konzert mit super Atmosphäre, ein sehr schöne Stimmung mit den wenigen Leuten. Wir waren auch vorher nicht so aufgeregt wie sonst, weil es einfach von vorne bis hinten nur entspannt war."

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