Kleiner Vogel rot

Lorenz Bockisch

Der kleine rote Vogel auf dem Cover dieses Freiburger Comics ist ein Sinnbild für Freiheit und Liebe. Drinnen geht es in einer gleichgeschalteten und unterdrückten Welt in schwarz-weiß um Mari, die die letzten künstlerischen Ideen verteidigen und verbreiten will. Ein Comic in einer Orwell'schen Welt. Die Geschichte stammt vom Freiburger Christopher Bünte, die Zeichnungen von der Freiburgerin Veronika Mischitz.



"Zwei Extreme aufeinandersetzen" wollte Christopher Bünte in dieser Geschichte. Entstanden ist sie als Wettbewerbsbeitrag des Portals schreibfeder.de zum Thema "Zeichen". Und der kleine rote Vogel ist dieses Zeichen in der Story. In dieser Welt, die in dem Comic von Veronika Mischitz in bedrückenden Schwarz-Weiß-Zeichnungen dargestellt wurde, herrscht Unterdrückung durch ein Regierungs-System, das keine subjektiven Empfindungen zulässt, das Musik verbietet, ebenso wie Malerei und fantastische Literatur. Die Protagonistin Mira aber kennt noch manch "schöne Dinge", sie beginnt zu schreiben. Auch wenn es gefährlich ist, für sie selbst, für ihren Freund Juri, für ihre Bekannten. Juris Vater wurde schon abgeführt, weil er Musik gehört hatte.


Christopher Bünte ist schon geraume Zeit in der Comic-Szene und in diversen Foren aktiv und wollte schon seit einer Weile ein eigenes Comic herausbringen. Der Kontakt zu der Zeichnerin kam über eines dieser Foren zustande, als er herausfand, dass auch Veronika Mischitz in Freiburg wirkt und ebenfalls gern ihr eigenes Comic zeichnen wollte und den Ehrgeiz hatte, das professionell zu machen. "Im Gegensatz zu mir kann sie zeichnen, und sie hat öfters diesen 'och wie süß!'-Effekt", schwärmt er von ihrem Können.



Dass diese Art der Comic-Herstellung hierzulande ungewöhnlich ist, stört dabei nicht. "Die Zusammenarbeit ist eher das amerikanische Modell, in Europa gibt's eher die reinen Autorencomics", sagt er. Und obwohl dieses Duo keine Fanbase hatte und auch die Geschichte nicht wirklich einen Megaverkaufshit versprach, fanden die beiden im Zwerchfell-Verlag einen Abnehmer, der das Comic herausbrachte (Leseprobe hier). "Leben kann man davon nicht", bestätigt Christopher den Liebhaber-Status dieses Comics, aber bei vielen Comicbuchhändlern oder auf einschlägigen Messen ist "Kleiner Vogel rot" zu haben. Buchhändler halten sich hingegen zurück.

"Das ist schließlich kein Superhelden-Comic. Aber er spielt in einer universell verständlichen Welt, deshalb kann ihn auch ein Ami, ein Franzose oder ein Chinese lesen." Die englische Version ist schon in Arbeit und wird demnächst auf der größten britischen Comicmesse Thing! vorgestellt.



Und wie ergeht es Mira? Natürlich widersetzt sie sich den repressalischen Regierungs-Vorgaben und beginnt zu schreiben, ihre Fantasie einzusetzen. Und sie veröffentlicht im Untergrund. Das Ende ist eigentlich von Anfang an klar, doch der Weg der Geschichte dahin ist beeindruckend gezeichnet. Ein völlig anderer Comic, der keinen Superhelden hat. Und auch lustig ist die Geschichte nicht. Aber die Eindringlichkeit der Zeichnungen trotzt dem Leser das ein oder andere Lächeln ab.

Und der Titel? Rot als revolutionäre Farbe, als Farbe der Liebe zwischen der Hauptperson Mira und ihrem Juri, die alle Widrigkeiten übersteht. Aber warum heißt das Buch "Kleiner Vogel rot"? Christopher Bünte dazu: "Das ist einfach ein sprachlicher Stolperstein. Hätte es "Kleiner roter Vogel" geheißen, wären mir selber die Füße eingeschlafen."

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