Kleine Stadt für schlechte Gags

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, welche die berühmteste Brandenburgische Stadt ist, die trotzdem keiner kennt? Der niederlausitzer Ort mit nicht einmal 10.000 Einwohnern liegt ganz in der Nähe von ergiebigen Braunkohleflözen. Doch die haben nichts damit zu tun, warum die bereits im 13. Jahrhundert erstmals erwähnte Siedlung im 18. und 19. Jahrhundert zu einem Gattungsbegriff wurde.

Besonders für ihre Schuster und die Qualität von deren Schuhen war die Stadt Calau weithin bekannt. Und diese Schumacher gingen in ihrer Gesellenzeit auch auf Wanderschaft, wie sich das gehörte. Dabei verbreiteten sie absurde und amüsante Geschichten, die in den Meisterwerkstätten ausgedacht worden waren.


Doch erst als ab dem Revolutionsjahr 1848 die Berliner Satirezeitschrift Kladderadatsch heraus kam, wurden insbesondere schlechte Wortwitze mit Calau in Verbindung gebracht. Der Chefredakteur dieser Zeitung, Ernst Dohm, brachte neben seiner meist gereimten satirischen Kritik an König, Kaiser und Kanzler auch Geschichten aus der preußischen Provinz, die mit "Neues aus Kalau" begannen und stets einen niveaulosen Scherz enthielten. Er musste also von den Kalauern und ihren Scherzen schon gehört haben.

Heute können deswegen Leute, die Angst vor schlechten Wortwitzen haben, das Alphabet nur noch bis zum J aufsagen, was an und pfirsich nicht so schlimm ist. Trotzdem verursachen solcherlei Witze, die auf Wortspielen beruhen, leicht ziehende Schmerzen: Der aktuelle deutsche Meister der Kalauerproduktion ist fraglos Willy Astor.