Freiburger Münster

Kleine Falken lernen fliegen – und werden dafür den Münsterturm hochgetragen

Simone Höhl

Die jungen Turmfalken am Freiburger Münster werden flügge. Mitarbeiter der FWTM müssen sie aber immer wieder hochtragen, weil es den Elterntieren auf dem Marktpflaster zu unruhig ist.

Die jungen Turmfalken am Münster lernen fliegen, landen aber noch regelmäßig auf dem Marktpflaster. Freiburgs Marktmeister Walter Drayer hat sie allein an einem Tag dreimal wieder hoch auf den Münsterturm getragen. Ein viertes Mal ging nicht, weil der Turm abends zugesperrt war. Der Jungfalke übernachtete gegenüber bei der städtischen Marktgesellschaft FWTM, bevor er am Freitag wieder zurück ins Nest konnte.


Zum ersten Mal fielen die Jungfalken den Mitarbeitern der "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe" nach dem Aufbau des Weinfests am Mittwochnachmittag auf, erzählt Thomas Barth von der FWTM: "Da saß einer beim Renaissanceportal und später noch einer im Kühlwagen von Karl-Heinz Maier vom Tuniberg – dem Vogel war’s zu warm."

Junge Falken "quietschen wahnsinnig"

Weil sie nicht sicher waren, was zu tun ist, riefen sie die Feuerwehr. "Das Tier war unverletzt", erklärt Wachführer Christian Ott. Der fürs Münster zuständige Falkner bat darum, die Falken auf der Galerie oberhalb des Nests abzusetzen. Das Anfassen machte nichts: "Die jungen Falken quietschen nach dem Absetzen wahnsinnig, dann kommen die Eltern angeflogen und schnappen sie", berichtet Barth. Und flugs sind sie zurück im Nest, oder wie die Feuerwehr im Protokoll vermerkt: "Der junge Falke wurde wieder an die Elterntiere übergeben." Hausarrest gab’s keinen, meint Barth: "Die Flugschule geht jedes Mal von vorne los." Sie hat schon Fans auf dem Münsterplatz.

Falke übernachtete im Historischen Kaufhaus

Nachdem Marktmeister Dreyer am Donnerstag den dritten Vogel in einen Karton bugsiert und nach oben befördert hatte, war das Münster abgeschlossen und der Mesmer nicht zu erreichen. In Absprache mit einer Tierärztin quartierte die FWTM den jungen Bruchpiloten über Nacht im Marktbüro im Historischen Kaufhaus ein – mit Katzenfutter und Wasser. "Am Morgen haben wir den Kleinen wieder hochgetragen", sagt Barth.

Das Nest befindet sich an der Südecke des Turms – auf dem Kopf einer Sandsteinfigur, was von unten aussieht wie ein Heiligenschein. Barth schätzt, dass es vier kleine Falken gibt. Auch andere Vogelkinder werden zur Zeit flügge, wer eines sieht, sollte es weder gleich aufnehmen, noch die Feuerwehr rufen: Im Normalfall kümmern sich die Eltern in den nächsten Stunden um sie. Doch wegen des Weinfests ist den alten Falken auf dem Münsterplatz zu viel los, sagt Barth. Dass das Fest, das in wenigen Tagen rund 100 000 Menschen anlockt, mit der Flugshow zusammenfällt, ist unüblich. Sonst gab’s einen Bienenschwarm, sagt Barth: "Jetzt fallen die Falken vom Himmel, es ist immer was los auf’m Münstermarkt."