Kleine Chronik der Freiburger Hausbesetzungen

Stephan Elsemann

Hier sieht man Menschen, die sich im Keller des 1985 abgebrannten AZ vergnügen. Leider Historie. Aber die Geschichte des Häuserkampfs hat in Freiburg Spuren gelassen, die auch heute sichtbar sind: Unter anderem sind Jos-Fritz-Café, Crash und Drifters Club Einrichtungen, die ursprünglich in besetzten Gebäuden gegründet wurden. Zur Einordnung des gestrigen Artikels nun eine kleine Chronik der Ereignisse.



Vor 1977

Erste Hausbesetzungen und Räumungen in der Hummelstraße (1974) und in der Freiau (1975).

1977 bis 1980

Besetzung des Dreisamecks. Dreisameck wurde ein Häuserblock genannt, am Südende der Kaiser-Joseph-Straße, kurz vor der Dreisambrücke. Der Block umfasste das Jugendstilhaus der Zürich-Versicherung samt der angrenzenden Häuser in der Schreiberstraße (Nr. 2 & 4) und zuletzt auch in der Kaiser-Joseph-Straße (Nr. 286).

8. Juni 1980

Räumung des Dreisamecks. Mehrere Tage lang Absperrung der Kaiser-Joseph-Straße, der Schreiberstraße und der Dreisambrücke mit S-Draht und Zäunen. Dahinter standen 1200 Polizisten, die den Abriss der Gebäude und die Entkernung des Jugendstilhauses absicherten.

9.- 13. Juni 1980

Tägliche Demonstrationen gegen die Räumung des Dreisamecks in einer Größenordnung, wie sie Freiburg bis dahin nicht erlebt hatte. Bis zu 10 000 Menschen waren auf den Straßen der Innenstadt unterwegs.



13. Juni 1980

Die Demowoche endete mit der Besetzung des Schwarzwaldhofs. Der Schwarzwaldhof war eine Passage zwischen Talstraße und Schwarzwaldstraße aus Gewerbe- und Wohngebäuden, vergleichbar mit der bekannten Spechtpassage. Im Schwarzwaldhof entstand ein reichhaltiges Leben aus Wohnen und Kultur. Es gab eine Kindertagesstätte, das Café Mocambo und einen Coop-Laden. Aus dem Café Mocambo wurde später das Jos Fritz-Café. Auch ein erstes Crash gab es schon.



4. März 1981

Räumung des tags zuvor besetzten Hauses Moltkestraße 34. Am Abend demonstrieren etwa 700 Personen vor dem Freiburger Rathaus, wobei etliche Scheiben zu Bruch gehen. In der Scherbennacht, wie sie später genannt wurde, kommt es in der Innenstadt zu schweren Auseinandersetzungen.

5. März 1981

Räumung des Schwarzwaldhofs mit 4000 Polizisten. Verhaftung von 71 Personen. In den Folgetagen Großdemos, Durchsuchungen in der Gaststätte Reichsadler ("Geier") und der Medienwerkstatt, Beschlagnahme von Videobändern.

13. März 1981

Demonstration von 21 000 Menschen mit der Forderung nach Rückgabe des Schwarzwaldhofs.



1981 bis 1987

Zahlreiche Besetzungen von Wohnhäusern. Langzeitbesetzt waren die Häuser Wilhelmstraße 36 (1981-1987), Erbprinzenstraße 20 "Erbse" (1981-1986), Schlossbergring 9 & 11 (1984-1987) und Hildastraße 31 (1985-1986).

2. Oktober 1981

Besetzung des AZ.

1981 bis 1985

Vier Jahre bestand das Autonome Zentrum (AZ) im Glacisweg, einer kleinen Seitenstraße der Wilhelmstraße. Dort gab es das Crash, ein Café und einen Mini-Club im Erdgeschoss, Vorläufer des Drifters Club. Im Gewölbekeller fanden Konzerte und andere kulturelle Veranstaltungen statt.



22. Januar 1985

Brand des AZ, unter ungeklärten Umständen. Zuvor hatte der Gemeinderat beschlossen, das AZ umzusiedeln.

1. September 1985

Eröffnung des Crash am heutigen Ort in der Schnewlinstraße.



12. Juni 1987

Räumung der - sechs Jahre lang besetzten - Wilhelmstraße 36 und wenig später auch der Häuser am Schlossbergring Nr. 9 und 11. Mit den Protestdemos gegen die Räumung endet vorläufig die Hauptphase der Hausbesetzungen in Freiburg.

Mehr dazu:

  • Das autonome Zentrum 1981-1985. CD-ROM zur Geschichte des AZ. erhältlich in der Jos Fritz-Buchhandlung, bei Flight 13 und im Archiv für soziale Bewegungen