Klein und gewitzt durch die Därme

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, wie sich der kleine Leberegel fortpflanzt? Dieser in ausgewachsener Form nicht mehr als 15 mm lange Parasit braucht in seinem Leben insgesamt drei verschiedene Wirte, um zu wachsen und sich fortzupflanzen. Wie dieser kleine Saugwurm dabei von einem Wirt zum anderen gelangt, ist eine evolutorische Höchstleistung.

Der erste Wirt des Kleinen ist eine Landschnecke, in die die Eier des Parasiten über die Nahrung gelangen. Im Darm angekommen wachsen die kleinen Viecher, bohren sich durch die Darmwände und entwickeln sich innerhalb eines Vierteljahres so weit, dass sie für den nächsten Wirt bereit sind. Also dringen sie in das Atemsystem der Schnecke vor, aus dem sie dann in einem süßlichen Schleimklumpen ausgewürgt werden.


Dieser Klumpen, der ungefähr 400 der sogenannten Zerkarien enthält, ist ein sehr attraktives Futter für Ameisen, die den Essensball auch prompt in ihren Bau schleppen und genüsslich verspeisen. Die meisten der Zirkarien bleiben eine Weile in der Leibeshöhle der Ameise. Doch einige machen sich auf, deren Nervensystem zu beeinflussen. Dann dreht die Ameise praktisch durch. Bei Temperaturen unter 15°C krabbelt sie auf die nächstbeste Pflanze und beißt sich krampfhaft in der obersten Spitze fest. Wenn es wieder wärmer wird, benimmt sich die Ameise wieder normal.

Meistens reicht die Zeit der Kälte aber bis zum Morgengrauen, damit der endgültige Wirt in den Genuss des Parasiten kommt: Ein Pflanzenfresser, zum Beispiel eine Kuh, ein Schaf, ein Hase oder auch ein Mensch, verspeist die Pflanze und nimmt mit der Ameise viele der kleinen Leberegel auf. Die setzen sich in der Nähe der Galle des Endwirtes fest und produzieren bis zu 6 Jahre lang neue Eier, die sich dann über den Kot wieder auf den Weg zu neuen Wirten machen.