Kleiderkreisel: Online-Tausch statt Secondhand-Shop

Friederike Günter

Klamotten, die man nicht mehr tragen möchte hat jeder. Aber zum Wegschmeißen sind manche einfach zu schade. Die Online-Tauschbörse Kleiderkreisel.de bietet Abhilfe: Auf der Seite kann man Klamotten tauschen, kaufen und verkaufen. Zu den fast 32.000 Usern gehören auch die zwei Freiburger Studentinnen Katja Allgeier und Laura Repp.



Bis zu ihrem Abitur schrieb die 20-jährige Laura Repp ihr eigenes Blog. Es ging um alles was Jugendliche in ihrem Alter eben so beschäftigt. Daher gab es auch viele Beiträge zu Mode. „Ich gebe insgesamt viel für meine Kleidung aus und beschäftige mich daher auch intensiv mit Mode,“ erklärt Laura.


In einem der Einträge berichtete sie über die Seite Kleiderkreisel.de. Ihr gefiel das Konzept der Seite so gut, dass sie selbst Mitglied wurde. Seitdem verkauft sie viele ihrer ungetragenen Kleidungsstücke, kauft sich selbst Teile, die nicht mehr im Handel erhältlich sind und tauscht auch manchmal. Gerade erst hat sie einen Rock, der ihr einfach nicht mehr gefiel, gegen ein Bluse getauscht. „Die Bluse wasche ich jetzt erst mal. Ich freue mich schon sie die nächsten Tage anzuziehen.“ Der Kleiderkreisel bietet eine Plattform für Privatpersonen, sie können dort Kleidung und Accessoires untereinander tauschen, verkaufen oder kaufen. Gewerbliche Anbieter sind nicht erlaubt. Jeder kann sich kostenlos anmelden. Mitglieder haben in ihren Profilen ein Schaufenster, dort können sie ihre Kleidungsstücke anbieten. Wenn man sich für ein Teil interessiert, kann man das Mitglied anschreiben.

Die jeweiligen Geschäftsbedingungen handeln die Personen dann untereinander aus. „Die Seite ist sehr übersichtlich gestaltet, man findet sich schnell und gut zurecht.“ erklärt Laura. „Außerdem ist das Team vom Kleiderkreisel sehr freundlich und hilfsbereit. Ich hatte einmal ein Problem, sie haben mir sofort geholfen.“

Im Gegensatz zu Laura tauscht Katja Allgeier (Bild rechts) fast ausschließlich. „Mir ist unwohl dabei einem Fremden meine Bankdaten zu geben.“ Insgesamt hat sie schon 28 Artikel mit einer anderen „Kreislerinnen“ getauscht. Dabei steht sie besonders auf Vintage und ausgefallenere Sachen. Durch diese Vorliebe ist sie auf die Seite gestoßen.

„Ich habe schon immer gern auf Flohmärkten und in Second-Hand-Läden nach ausgefallenen Teilen gestöbert", sagt die 28-jährige Medizinstudentin. Im Web habe sie den Kleiderkreisel entdeckt. "Die Idee eines Online-Basars für alte Klamotten hat mir sofort gefallen.“ Sie sortierte ihre vielen, ungebrauchten Kleidungsstücke und Accessoires aus ihrem Schrank aus und stellte unter dem Namen katyes Fotos auf ihr Profil. „Wie auch in Second-hand-Läden gefällt mir auf der Seite, dass nicht zehn mal die gleichen Artikel angeboten werden, sondern man unter vielen Einzelteilen stöbern kann. Und es sind oft ausgefallene Sachen darunter, die ich in den meisten Geschäften nicht finden würde.“ Laura gefällt besonders die familiäre Atmosphäre. „Es ist anders als in den üblichen Online-Shops. Ich freue mich über die netten und persönlichen Emails, die ich bei einer Kaufanfrage oft bekomme.“ Dabei achtet sie darauf ihre Sachen zu einem fairen Preis anzubieten. „Natürlich habe ich ursprünglich mehr dafür gezahlt, aber gebrauchte Sachen muss ich zu einem Preis anbieten, den ich selbst bereit wäre zu zahlen. Sonst kauft das keiner.“ Sowohl Laura, als auch Katja freuen sich, dass ihre ungebrauchten Sachen wieder eine glückliche Besitzerin bekommen. „Besonders im Urlaub neige ich dazu Dinge zu kaufen, die ich dort noch toll finde, aber daheim nicht mehr anziehe,“ meint Katja. „Es wäre schade, wenn diese Sachen im Müll oder in der Altkleidersammlung landen würden, nur weil ich sie nicht mehr mag oder sie nicht mehr passen. Und so kriege ich nicht nur meine ungebrauchte Kleidung los. Es freut sich auch jemand darüber und ich bekomme durch den Tausch selbst etwas Schönes.“

Außerdem ist das Angebot vielfältig. Obwohl die zwei Studentinnen einen unterschiedlichen Stil haben, finden beide auf Kleiderkreisel Klamotten, die ihnen gefallen. Laura steht selbst eher auf femininen Style. Besitzt aber auch viele Sachen von ihrer Mutter, die sie heute nicht mehr trägt. „Ich habe zum Beispiel eine alte Ray-Ban-Brille, die ich selbst nicht anziehe, aber auf Kleiderkreisel dann anbieten kann,“ erklärt Laura. „Von punkig, über sehr elegant bis zu alternativ, ist alles vertreten,“ stellt Katja fest. Um nerviges Durchklicken zu vermeiden, gibt es eine Suchfunktion. Damit kann das Angebot eingegrenzt werden, man findet so schneller zu seinem Lieblingsteil. Es gibt auch die Möglichkeit sich an einem Forum auf der Seite zu beteiligen. Katja nutzt diese Funktion kaum. „Ich bin hauptsächlich auf der Seite, um nach Klamotten zu suchen. Für zusätzliche Kontakte habe ich keine Zeit.“ Laura dagegen sieht es als eine willkommene Abwechslung zum anstrengenden Studium. „Wenn ich abends heimkomme, finde ich das Surfen im Forum sehr entspannend. Zudem finde ich hier viele Ausgeh- und Einkaufstipps, die ich als Nicht-Freiburgerin nicht kenne.“ Für künftige Kreislerinnen haben beide ähnliche Tipps parat. „Die Kleidung sollte ordentlich präsentiert werden,“ rät Laura. „Ich habe eine Kleiderpuppe, die ich immer als Model für meine Fotos benutze. Außerdem bügle ich meine Sachen auch oft. Dadurch kriegt man bessere Anfragen.“ Auch Katja hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Anfangs habe ich meine Sachen auf dem Bügel hängend fotografiert. Aber jetzt habe ich es mir angewöhnt, die Sachen für die Fotos anzuziehen. Sie kommen so einfach viel besser zur Geltung.“

Außerdem raten beide dazu sich zuerst die Bewertungen anzuschauen bevor man eine Userin anschreibt. "Das Konzept der Seite beruht letztlich viel auf Vertrauen, ich möchte also der Person vertrauen können, bevor ich mit ihr in Kontakt trete," sagt Katja. „Wenn jemand drei Negativbewertungen hat, weil die Ware nie ankam, dann überlege ich das mir nochmal.“ Laura sieht sich auch die positiven Bewertungen an. „Ich schreibe selbst sehr ungern negative Bewertungen, auch wenn mich etwas geärgert hat. Ich finde es zum Beispiel wichtig, wie der Umgang war, aber will nicht jemanden wegen Unhöflichkeit negativ bewerten. Ich erwähne das dann aber in meiner sonst positiven Bewertung. Daher sollte man bei den positiven Bewertungen ruhig mal zwischen den Zeilen lesen.“

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  [Fotos: Ruben Fees, Friederike Günter]