Kleider, Schminke und Accessoires: Nina aus Endingen stellt Shopping-Videos auf YouTube

Janna Breitfeld

Es ist ein Klischee: Frauengespräche drehen sich gerne um Kleider, Schminke und Accessoires. Um sich zu überzeugen, dass an diesem Klischee scheinbar doch was dran ist, genügt ein Klick auf Youtube. In zahlreichen Videoblogs setzen sich Mädels nach der Shoppingtour vor die Webcam und öffnen Einkaufstüten, Kleiderschränke und Schminkkästchen. Eine von ihnen ist Nina, 20, Studentin aus Endingen.



„Dieser Lipgloss ist minimal klebrig und gibt dabei schön Farbe ab“ – Nina sitzt in ihrem Zimmer und plaudert vor der Webcam aus ihrem Näh- oder vielmehr Schminkkästchen. Im Hintergrund sind weiße Möbel zu erkennen, davor eine Fülle an Klamotten. „Wichtig ist, dass ich sage, wo ich die Sachen her habe und wie viel sie gekostet haben“, sagt Nina, denn einige Mädchen schreiben direkt ihre nächste Shoppingliste dazu.


Was Nina da dreht, nennt sich „Haul-Video“. Überwiegend Frauen präsentieren darin ihre neuen Shoppingerrungenschaften. Sie erzählen, was sie gegen Pickel und fettige Haare tun und legen ihren Zuschauerinnen mit ausführlichen Beschreibungen ihre Lieblingsprodukte ans Herz. „Am Anfang habe ich noch gedacht: Oh Gott, das sieht dann die ganze Welt“, sagt Nina, doch jetzt hat sie fast 3000 Abonnenten auf YouTube und mehr als 250 Videos hochgeladen. „Man kann sich dadurch Fehlkäufe ersparen und von Sachen erfahren, die man sonst vielleicht nicht gekauft hätte.“



Wenige Tage nach dem Upload ihres Videos haben es fast 3000 Menschen angeschaut. Andere Haulerinnen erhalten 30.000 Klicks und mehr. Ein Shopping-Video-Rausch: Mädchen und Frauen der Beauty-Community abonnieren sich und treffen sich zum Blog-TV. An Ninas Blog-TV nehmen jeweils 50 bis 100 Userinnen teil. Via Live-Übertragung antwortet sie hier auf alle Fragen.

Es wirkt wie eine Spielerei für kleine Mädchen, der aber ebenso erwachsene Frauen verfallen – und auch so mancher Kosmetikkonzern, denn die ausführlichen und authentischen Produktbeschreibungen der Bloggerinnen sind  eine höchst  willkommene Werbemaßnahme.



Manche Konzerne schicken den Bloggern mit hohen Klickzahlen daher kostenlos Produkte zu. „Die Beiträge ergänzen die Berichterstattung der klassischen Medien, indem sie häufig sehr detaillierte Informationen für den User zur Verfügung stellen“, sagt eine Sprecherin von L’Oréal. „Durch die Einbindung von Bloggern können wir weitere Zielgruppen ansprechen.“

Nina hält sich aus dem Werbetrubel noch weitgehend heraus: „Einmal habe ich etwas von Artdeco zugeschickt bekommen. Aber das ist für mich eher wie ein Bonus.“ Für sie sind die Beauty-Blogs vor allem ein Hobby: „Ich mag einfach die Kommunikation. Es ist meine Art von Unterhaltung.“

HAULt die etwa schon wieder?

Quelle: YouTube


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