Klee: Nicht immer, aber jetzt

Carolin Buchheim

Suzie Kerstgens ist eine der fünf Frauen weltweit, für die knallroter Lippenstift gemacht worden ist. Suzie wirft bei ihren Konzerten gerne Goldflitter herum, trinkt Bier auf ex, malt mit Taschenlampen im Dunkeln herum, und redet zwischen den Songs so viel wie Thees Uhlmann. All' das ist bei Suzie nicht peinlich, sondern charmant, denn wer alle Varianten des Worts 'Liebe' so schön hauchen kann, hat einen Freifahrtschein für so ziemlich alles. Außer ihr sind zwar noch vier Männer in ihrer Band, aber die sind so ziemlich egal, denn Suzie Kerstgens ist Klee. Und Mittwochabend im Jazzhaus.

Wenn man will, kann man viele böse Dinge über Suzie Kerstgens und ihre Band Klee sagen.

Zu einfach! Zu emotional! Zu SWR3! Zu uncool!


Und ja, man würde noch nicht mal lügen, denn all' diese Vorwürfe treffen auf Klee zu. Ja, Klee machen einfache Musik, verlässliche Musik, irgendwie auch bequeme Musik, Radiofreundlichen Wave-Pop, und zwar schon seit drei Alben.

Aber das Gute: Klee machen genau das wirklich richtig gut, mit tollen Melodien und schönen Keyboard-Linien und Suzies klasse Stimme. Dabei bleiben sie immer schön weit weg von den Furchtbarkeiten dieser einen Band da aus Berlin, deren Sängerin immer im Am-Trapez-Rumhängen besser ist als im Singen.

Ja, Klee-Songs sind emotional. So richtig emotional sogar. Klee-Songs handeln fast ausschließlich von der Liebe und der Nähe und der Hoffnung darauf, dass es besser wird, das Leben, durch die Liebe. Wäre Suzie nicht so mädchenhaft und bezaubernd und mit so viel Energie und entwaffnender Aufrichtigkeit bei der Sache, dann würden diese Songs aufgesetzt wirken, wie Schlager der schlimmsten Sorte. Ohne Suzie wären diese Songs kaum erträglich. Mit ihr zusammen sind sie toll.

Und genau deswegen kann ein Konzert von Klee geradezu erbaulich sein, wenn man sich denn nur auf Suzie einlässt. 'Lass' mich diesen Fehler richtig machen' singt Suzie, sehnsüchtig, oder 'Und wenn ich Dich zwei Fragen fragen würde, wär' das woran glaubst Du? Und wofür lebst Du?'. Die Welt der Klee-Songs ist zwar emotional gesehen keineswegs unkompliziert, aber geradeheraus: So wie man das gern auch hätte, eigentlich. 'Wir werden wie Gold sein!' Ja, Bitte! Und ja, Klee sind bizarrerweise ziemlich SWR3 und uncool, und bei einem Klee-Konzert steht man manchmal dann Menschen, denen man auf dem Gig der neuesten 'The'-Hype-Band vielleicht nicht unbedingt begegnet.

In der ersten Reihe stehen normalerweise immer die Klee-Hardcore-Fans, die durchaus auch schon mal T-Shirts tragen auf denen sie stolz die dreistellige Zahl von Klee-Konzerten, die sie schon besucht haben, mit sich herumtragen. Letzten September war ich bei einem Klee-Konzert, bei dem ein Mädchen aus dem Publikum ihrem Freund auf der Bühne einen Heiratsantrag gemacht hat; Suzie sang 'Tausendfach' für sie, setzte ihnen fluffige weiße Kränze auf die Köpfe und warf Glitter. Ja, wirklich.
Fremdschämen bekommt bei so etwas eine ganz neue Dimension, aber trotzdem war es dann doch irgendwie schön. Weil Suzie es schön gemacht hat, für die Beiden.

Überhaupt sind da diese Pärchen bei Klee: Männer in karierten Flanell-Hemden und seitlich geschnürten Lederhosen mit ihren Freundinnen mit den luftgetrockneten Dauerwelllen. Diese Leute knutschen bei Klee-Konzerten meist die ganze Zeit. Ja, so richtig cool geht es nicht unbedingt zu bei Klee. Aber das Beste daran? Im Idealfall ist man von Suzie und Klee so ergriffen, dass Einem all dieser Quatsch mit der Coolness und dem Rest vom Publikum total egal ist; Im Idealfall ist man viel zu beschäftigt mit Hüpfen und Gute-Laune-Haben und Gerührt-Sein von der Aufrichtigkeit von Suzie Kerstgens und den eingängigen Songs von ihr und ihrer Band.

Und dann ist da auch noch Suzies Männer-Band, die auch irgendwie nett ist, und mit der sie zumindest auf der Bühne tolle Chemie hat, aber bei Klee-Gigs geht es um Suzie, da kann Gitarrist Tom Deiniger sich so viel auf die Knie werfen wie er will. Keyboarder Sten Servaes scheint verstanden zu haben, dass er sich gar nicht erst bemühen muss, neben mit Suzie groß aufzufallen: Beim Tour-Abschluss im Kölner Gloria im vergangenen Oktober,  bei dem auch die aktuelle DVD gedreht wurde, war das Keyboard des Herrns noch nicht verkabelt; Weise Entscheidung, gegenüber Suzie gleich aufzugeben.
Nur die Rhythmusgruppe, Bassist Pele Götzer und Drummer Daniel Klingen ordnen sich Suzie bereitwillig unter und liefern ihr den ganzen Abend nicht nur die Basis für die Songs sondern auch ganz bereitwillig Vorlagen für Geschichten und Witze.

Klee sind einfach, ja, und emotional, und irgendwie auch SWR3 und ein bisschen uncool, aber wie man es mit ihnen bei bei einem Gig vielleicht einfach halten sollte, das singt Suzie selbst ganz nett in einem ihrer Songs: Nicht immer, aber jetzt. Und dann einen richtig schönen Abend haben.



Mehr dazu:

  • Fertig, los!: Website& MySpace (Ein Interview mit Fertig, los! gibt es Mittwoch hier bei fudder)

Was:
Klee (Support: Fertig, los!)
Wann: Mittwoch, 28. Februar, 20 Uhr
Wo: Jazzhaus, Freiburg
Eintritt: €13 (VVK), €16 (AK)

Klee - Zwei Fragen (live)