Klaustrophobie am Sonntagabend

Carolin Buchheim

Gestern Abend im El.Pi: Klaustrophobische Stimmung. Nicht, weil es so rappelvoll gewesen wäre, dass man Platzangst hätte bekommen können, nein, es war die Musik von Green Concorde die für Enge von Innen sorgte. Schön war's.



Seit gestern Abend ist Freiburg endgültig cooler als Berlin. Oder zumindest: Besser darin, gute Musik zu würdigen.

Die Besuchern des Berliner Clubs Magnet hatten bei der ersten Mini-Deutschland-Tour von Green Concorde im Dezember, beim lächerlichen Eintrittspreis von €2, die Band aus Kopenhagen nicht zu würdigen gewusst.

Das war gestern Abend im El.Pi anders. Und das an einem Sonntagabend, an dem ein Münster-Tatort lief. Mehr als 50 Gäste hatten sich im El.Pi eingefunden, um der Post-Irgendwas-Band aus Kopenhagen zuzuhören. Und zu tanzen.
Ja, wirklich. In Freiburg. Im El.Pi. An einem Sonntagabend. Zur Musik einer Band, die niemand vorher kannte.

Ich konnte es auch kaum glauben.

Schon nach dem zweiten Song, 'We set sail by the way we feel' gab es enthusiastischen Applaus und Gejohle und die vier Herren aus Kopenhagen schienen geradezu überrascht ob der enthusiastischen Begrüßung und der immer größer werdenden Begeisterung. Schön, sowas.

Der Sound war wuchtig, und laut und und selbst die angeschlagene Stimme von Sänger Morten schadete den nervösenPost-Irgendwas-Songs der Band nicht, sondern passte beinahe: Seine Stimme überschlug sich einfach ein wenig früher und ein wenig öfter als ohnehin.



Überhaupt passte alles ganz wunderbar: Der Regen draussen, die keifenden Riffs von Gitarrist Carsten, der bei jedem Schritt auf der Bühne bedenklich schwankende Verstärker, das auf den Punkt genaue Drumming vom hinter den Lautsprechern versteckten Drummer Simon und die Tatsache, dass Bassist Peter seinen Bass ohne E-Saite spielt. Und zwar schon immer.

"Ich bin ein Bassist mit Behinderung", erklärte er. "Wir haben irgendwann geprobt, und da ist die Saite gerissen, und ich hatte keine als Ersatz dabei, und da fiel mir auf, dass ich sie gar nicht brauche in unseren Songs. Seitdem habe ich sie weg gelassen. Ich glaub', ich will nie wieder mit einer E-Saite spielen. Manche Leute meinen, wir hätten deshalb zu viele Höhen. Aber das finden wir nicht."

Green Concorde spielten sich ohne Schwächen einmal quer durch die dunklen, melodischen Songs ihres schönen Album 'Ten Cities' und kamen, durch beständiges Jubeln und Klatschen angetrieben, noch zu einer Zugabe auf die Mini-Bühne zurück. Sie hätten wohl auch gerne noch die vom Publikum mit Vehemenz geforderte zweite Zugabe gespielt: Wenn sie denn nur mehr Songs gehabt hätten.



Es war ein wirklich schöner Konzertabend im El.Pi mit einem erfreulich zahlreichen, begeisterungsfähigen Publikum.

Das rituelle Jammern über das gelangweilte, doofe, unenthusiastische Freiburger Konzertpublikum sollte meiner Meinung nach zumindest für den Rest der Woche, vielleicht sogar bis zum Ende des Monats ausgesetzt werden. Denn gestern Abend hat gezeigt: Es geht doch.
Freiburger können tatsächlich zu Konzerten von Bands gehen, die sie nicht kennen. Und dort Spaß haben. Und Tanzen. Selbst, wenn zeitgleich ein Münster-Tatort läuft.

Schön.

Mehr dazu:


Green Concorde:
Website& MySpace& YouTube: 2:26 & YouTube:The Anthem to which we fallAlbum Stream

Green Concorde: Angel Food, live in Freiburg

(Vielen Dank an Matze fürs Kamera-Leihen!)