Leute und Listen

Klaus-Dieter Rückauer, Für Freiburg: "Die FWTM wird massiv überbewertet"

Fabian Vögtle

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Klaus-Dieter Rückauer, Liste "Für Freiburg – Politik aus christlicher Verantwortung".

BZ: Herr Rückauer, Sie sind 70 Jahre alt, haben neun Kinder, 19 Enkel. Was motiviert Sie nochmal und wie profitiert der Gemeinderat von der Lebenserfahrung?
Rückauer: Ich habe mich auch gefragt, ob ich erneut antrete. Aber ich wurde von so vielen Leuten bekniet. Ich habe in den letzten fünf Jahren erlebt, wie wichtig die Arbeit ist und endlich richtig die Stadt kennen gelernt. Da lief früher beim 80-Stunden-Beruf viel an mir vorbei.

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Rückauer: Uns liegen Nachhaltigkeit und ökologische Entwicklung am Herzen. Das Merkmal der Liste ist ganz klar die christliche Haltung, die als ethische Grundlage unserer Politik gilt.

"Bei Dietenbach bin ich sehr traurig, weil das eine groteske Fehleinschätzung ist."
BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Rückauer: Es muss mehr geschehen, um die Natur zu schützen. Und wir müssen genauer hinsehen, wem und wie wir soziale Hilfe anbieten, ohne Menschen mit bestimmten Beeinträchtigungen zu vergessen.

BZ: Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Rückauer: Wir sind strikt gegen die Ausweisung neuer Baugebiete. Aber eine Nachverdichtung, etwa mit Dachaufstockungen, ist begrüßenswert.
Zur Person

Klaus-Dieter Rückauer, 70, ist verheiratet und wohnt in der Wiehre. Der frühere Kinderchirurg an der Uniklinik ist im Vorstand der Bezirksärztekammer Südbaden.

BZ: Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Rückauer: Wir sollten eine Entschuldung anstreben, bei Schulen und sozialem Wohnraum jedoch investieren. Deutliches Einsparpotenzial sehen wir zum Beispiel bei der Wirtschaftsförderung. Die FWTM wird massiv überbewertet.

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Rückauer: Die Freiburger Vereine sollten zeigen, welche Vielfalt sie bieten und die Bürgerschaft soll einbezogen werden.

"Gerne würde ich weiter mit Freiburg Lebenswert eine Fraktion bilden. Die Zusammenarbeit kann ich mir mit allen vorstellen, wenn es passt."
BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den Gemeindevollzugsdienst…
Rückauer: …richtig und notwendig, denn er hilft bei Missständen in der Stadt für Ordnung zu sorgen – zum Beispiel bei Vermüllung oder bei Fehlverhalten am Platz der Alten Synagoge.
BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Rückauer: Das kommt daher, dass sich viele Bürger zuletzt nicht in die Prozesse eingebunden fühlten. Wir müssen ihre Bedenken von Beginn an ernst nehmen.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Rückauer: Gerne würde ich weiter mit Freiburg Lebenswert eine Fraktion bilden. Die Zusammenarbeit kann ich mir mit allen vorstellen, wenn es passt. Der AfD bin ich nicht zugeneigt, aber bei einem sinnvollen Projekt, sehe ich keinen Grund, mich nur aus Prinzip zu verweigern.

BZ: Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war Top, welcher war der größte Flop?
Rückauer: Bei Dietenbach bin ich sehr traurig, weil das eine groteske Fehleinschätzung ist. Die 50-Prozent-Quote war hingegen ein großer Schritt.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.