Klauen Die Ärzte bei Rolf Zuckowski?

Lorenz Bockisch

Dass die Musik, die ein gewisser, derzeit mal wieder Superstars suchender, norddeutscher Produzent fabriziert, selten sehr einfallsreich ist, hört man spätestens nach dem dritten Lied aus seiner Feder. Und dass diese "musikalischen" Einfälle oft zu großen Teilen nicht von ihm selbst sind, wurde sogar schon oft vor Gericht verhandelt. Aber Dieter war nicht der erste und bei weitem nicht der einzige, der sich an Kompositionen anderer bedient hat.

Ob ein Musikstück, Song oder Jingle völlig neu ist, kann auch nie der Komponist selbst beantworten. Da die Anzahl der möglichen Töne begrenzt ist, kommt es ab und zu sicher zu zufälligen Ähnlichkeiten. Und auch juristisch ist nicht völlig geklärt, ob eine Melodie schon ab drei Tönen, oder erst nach acht Takten als abgekupfert gelten kann.


Aber auch, wenn weder ein Anwalt noch eine Musikrechteverwertungsgesellschaft den möglichen geistigen Diebstahl bemerken, so gibt es doch immer noch den geneigten Hörer, dem eine Melodie plötzlich sehr bekannt vorkommt. Eines der bekanntesten Beispiele der letzten Jahre ist der Eurovision-Song-Contest-Beitrag "Let's get happy" von Lou, der eine verblüffende melodische Ähnlichkeit zu Wolle Petrys "Weiß der Geier" aufwies.

Dass sich viele moderne Musikschaffende an alten Kompositionen bedienen (auch wenn es immer und immer wieder die selbe ist), ist aus urheberrechtlicher Sicht nicht zu beanstanden – die meisten der Komponisten sind schließlich schon mehr als 80 Jahre tot. Aber es gibt bei vielen Songs auch Ähnlichkeiten oder gar Zitate, die gewollt sind.

So wie Madonna in "Hung up" sich bei ABBA den Liedanfang borgen durfte und Mika in "Relax, Take It Easy" den Piano-Part aus dem 80er-Jahre-Lied "I Just Died In Your Arms" von der Cutting Crew entlehnt, ist es für jeden hörbar, dass dies als offizielles Zitat, vielleicht sogar als Hommage gemeint ist.

Aber ob Die Ärzte in ihrem Song "Manchmal haben Frauen" wirklich einem gewissen Rolf Zuckowski ihren Respekt mit einem Gitarrensolo zollen wollten? Die Melodie dieses Solos, etwa nach zwei Minuten des Liedes, beginnt mit exakt der gleichen Tonfolge wie ein Titellied einer berühmten ZDF-Kinderserie: Neues vom Süderhof. Komponist: Rolf Zuckowski.

Solche und ähnliche Beispiele für vermeintlichen Diebstahl bietet eine schöne Liste eines Karlsruher Studenten. Dort sind hunderte Künstler und ihre Songs aufgeführt, bei denen ein Verdacht besteht, dass etwa kurze Stücke des Textes, Basslinien, Melodien oder auch nur bestimmte Beats "ausgeliehen" wurden. Leider fehlt es in vielen dieser Fälle an Quellenangaben. Aber wer sich das eine oder andere Lied in den Kopf (oder Musicplayer) holt, wird feststellen, dass so manche Ähnlichkeit nicht vom Ohr zu weisen ist.

Hier erfährt man unter anderem, dass "Where is the love" von den Black Eyed Peas melodisch sehr nah an "Torn" von Nathalie Imbuglia ist, dass die Basslinie des Rapsongs "Ice, Ice, Baby" von Vanilla Ice bei Queen's "Under Pressure" entlehnt wurde, dass Howie Carpendale wohl sein "Hello Again" von der "Memory"-Melodie von Lloyd-Webber hat, und David Hasselhoff vor "Crazy For You" sicher schon mal "Y.M.C.A." von den Village People gehört hat.

Aber auch echte Größen des Musikgeschäfts wie Michael Jackson, Wir sind Helden, Britney Spears und Celine Dion sind da mit einigen ihrer größten Hits vertreten. Und sogar die ergreifende Titelmelodie der StarWars-Filme (offiziell von John Williams) gab es schon einmal 35 Jahre früher – bei einem anderen Film.

Wer den/die eigene(n) Lieblingskünstler finden will: Diese Liste ist nach Vornamen bzw. Artikeln geordnet – Rainhard Fendrich findet man also unter "R", The Beatles unter "T". Und wer die Liste durchschaut, dem wird auffallen, dass trotz der vorab angekündigten möglichst-Vermeidung ein Name sehr oft auftaucht: Dieter Bohlen.

Und ein kleiner Insider-Gag ist auch in der Liste, zu finden bei einem gewissen Mike.