Klassik zum Klassenerhalt: SWR-Sinfonieorchester läuft beim SC-Freiburg-Spiel auf

Fabienne Hurst

Beim letzten Saisonspiel am Samstag spielt das SWR-Sinfonieorchester Freiburg/Baden-Baden auf dem Stadionrasen des SC Freiburg. Trainer Christian Streich und der erste Vorsitzende Fritz Keller haben am Mittwochmittag die Proben im Freiburger Konzerthaus besucht – und blieben länger als erwartet. [Mit Video].

Der Schweinemarsch – das Geschenk zum Klassenerhalt. Den Geschmack von Christian Streich und Fritz Keller haben die Musiker vom SWR-Sinfonieorchester schon mal getroffen. Beide stehen strahlend neben dem Dirigentenpult im Konzerthaus. Keller reißt verzückt die Arme hoch und dirigiert ein bisschen mit, Streich lächelt sein überlegenes Klassenerhaltslächeln.


Bei der Aktion am Samstag geht es natürlich nicht nur darum, sich gratulieren zu lassen, sondern um die Verbrüderung zweier Freiburger Institutionen in einer Notsituation. Diskussionen um eine Fusion der beiden SWR Sinfonieorchester Baden-Baden/Freiburg und Stuttgart aus Kostengründen beunruhigen die Musiker seit den vergangenen Monaten.

Christian Streich: "Denn der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein, sondern auch von Kunst und Musik"

Der Besuch bei den Proben ist für Christian Streich Ehrensache. "Es ist ganz klar, dass wir alles dafür tun müssen um unsere Musik und Kultur zu bewahren, auch durch Investitionen," sagt der SC-Trainer. "Denn der Mensch lebt ja nicht vom Brot allein, sondern auch von Kunst und Musik." Soll der Mann, der den Sportclub vom Abstieg bewahrt hat, jetzt auch das Ende des Freiburger SWR Sinfonieorchesters verhindern? Das steht natürlich nicht in seiner Macht, aber ein Zeichen setzen will der Sportclub-Mann auf jeden Fall.

Für den SC-Vorsitzenden Fritz Keller haben Fußball und Musik vieles gemeinsam, vor allem was Jugendarbeit und Disziplin angehe. "Ich würde mich freuen, wenn wir bald einen gemeinsamen Klassenerhalt feiern könnten", sagt Keller und meint damit die Verhinderung einer Fusion. Vom SC lernen könne das SWR-Orchester, dass man nie aufhören darf zu kämpfen und immer zusammenhalten muss.

Trainer Streich würde am Samstag am liebsten "Freude schöner Götterfunken" im Stadion hören, doch die Stücke stehen bereits fest: Neben der Fußballhymne "You’ll never walk alone" werden die 60 Musikerinnen und Musiker in der Halbzeit des Spiels gegen den 1.FC Köln die Ouverture von Georges Bizets "Carmen" spielen. Am Mikrofon steht dann die Freiburger Jazzgröße Cécile Verny – Mitgrölen ist den Fans im Stadion aber erlaubt. "Ich hoffe sogar, dass alle mitsingen und daraus ein Riesen-Fanchor wird", sagt Chefdirigent François-Xavier Roth. "Ich liebe Fußball." Ein bisschen hofft er auch darauf, im SC-Stadion ein neues Orchesterpublikum zu rekrutieren.

Auf jeden Fall gibt es für den Dirigenten einen Sportclub-Wimpel, Applaus und die ungeteilte Aufmerksamkeit der SC-Führungsriege. Entgegen ihrer Ankündigung "nur kurz zu bleiben" sitzen Keller und Streich bis zum Probenende in den Konzertsaalsitzen und lauschen begeistert. Eine Daueraktion soll das Orchester auf dem Stadionrasen allerdings nicht werden, das wäre ja "geradezu anmaßend für ein Orchester diesen Niveaus," findet Fritz Keller, der im gleichen Atemzug versichert: "Die Türen bei uns stehen aber immer offen".

Klassik zum Klassenerhalt



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