Klarmachen zum Ändern an der Uni Freiburg: Piraten gründen Hochschulgruppe

Julia Mungenast

Die Piraten sind die jüngste Partei der Bundesrepublik, bei Wahlen erfolgreich, kontrovers diskutiert und für junge Wähler attraktiv. Aktive Piraten gibt's in Freiburg schon seit dem Sommer 2009; jetzt haben die Piraten auch eine Hochschulgruppe gegründet. Jan Vogt, politischer Geschäftsführer der Hochschulgruppe erklärt, wo die Reise hingehen soll:

 



Die piratige Hochschulgruppe ist erst einige Wochen alt, und ein Programm noch in der Enstehung. "Es gibt viele Bereiche in denen Studenten etwas verändern wollen," sagt Jan Vogt (26, Bild rechts), politischer Geschäftsführer der Hochschulgruppe. "Wir möchten zum Beispiel durch einen Fragebogen feststellen, welche Bereiche das genau sind und dann konkret etwas unternehmen. Wir glauben, dass die Hürde sich aktiv beteiligen zu können und mitzubestimmen, gesenkt werden muss."


Die Fragen, mit denen sich die Hochschulgruppe zunächst beschäftigen will, sind grundlegene: "Wie wollen wir studieren? Wie ist das mit dem Datenschutz an unserer Hochschule? Wer hat sich das Ganze ausgedacht und mit welchen Zielen?" Die Themen, für die sie sich engagieren will, sind nah an den Partei-Kernthemen: Mitbestimmung an der Hochschule, Datenschutz und Studienplanung; auch mit dem u-Asta möchte man eng zusammenarbeiten.

Jan wünscht sich in der Politik mehr Offenheit neuen Themen gegenüber und möchte dabei unterschiedliche Sichtweisen miteinbeziehen.

Die Piraten Hochschulgruppe (HSG) agiert unabhängig vom Bezirksverband Freiburg der Piratenpartei. Im Juni 2012 legte die bei der Gründung acht Piraten starke HSG ihre Satzung fest: "Diese Hochschulgruppe hat sich zum Ziel gesetzt, Themen und Diskussionen der Piraten-Bewegung in die Universität zu tragen und eigene Impulse an die Piratenpartei zurückzugeben."

Die Freiburger Hochschulgruppe ist die vierte Piraten-Hochschulgruppe in Baden-Württemberg; in Karlsruhe gibt es seit dem Frühjahr eine Gruppe, in Tübingen sind Piraten an der Uni seit 2009 aktiv und mit einem Piraten im Asta vertreten. Auch in Ulm sind Uni-Piraten seit 2009 gemeldet, die dortige Gruppe ist nach Piratenangaben aber wenig aktiv.

Auch in Freiburg gab es schon 2009 erste Überlegungen, eine Hochschulgruppe zu gründen. Anlass waren damals Bildungsstreik und Audimax-Besetzung. Doch erst bei einem der regelmäßigen Stammtische der Freiburger Piraten kam in diesem Jahr erneut die Frage nach der Hochschulgruppe auf, damit bei den Uniwahlen 2013 auch Piratenvertreter gewählt werden können. 

Die Gründung einer Hochschulgruppe ist übrigens gar nicht kompliziert: jede studentische Gruppe kann beim Rektorat einen Raumantrag stellen, um regelmäßige Treffen in Uniräumen abzuhalten. Auch ein Eintrag auf der Uni-Homepage lockt. "Was uns wichtiger ist, als die Anmeldung im Rektorat ist, dass wir die noch auftauchenden strukturellen Probleme schnell lösen und dann beginnen können konkrete Projekte anzugehen", sagt Jan. "Eine Eintragung auf der Website hilft uns höchstens beim Finden neuer Mitglieder, aber auch da sind wohl andere Wege erfolgsversprechender."

Die bestehenden Hochschulgruppen reagieren unterschiedlich auf die Neuen. Fabian Schäuble, Pressesprecher der Liberalen Hochschulgruppe: "Eine Gruppe auf dem Papier zu grüden ist einfach. Diese am Leben zu halten, hochschulpolitisch Position zu beziehen und an der Uni präsent zu sein, ist dagegen schwer. Gerade wir, als die kleinste im Asta vertretene Hochschulgruppe wissen, wie anstrengend und arbeitsintensiv dies ist. Hier wird sich zeigen, ob die Piraten es ernst meinen mit Hochschulpolitik oder die Gruppe nur aus der Euphorie der letzten Landtagswahlen entstanden ist. Das Nichterscheinen auf dem Markt der Möglichkeiten, trotz eines zugeteilten Standes, ist vielleicht schon das erste Indiz dafür wohin die Gruppe tendieren wird. Wir als LHG können daher jedem Studierenden, der sich für liberale Themen interessiert, nur empfehlen sich uns anzuschauen. Dies gilt insbesondere für die Piratenanhänger."

Die Jusos hingegen freuen sich: Die Studenten hätten bei den Uniwahlen nun noch mehr Auswahl an Parteien. Jan Brauburger, Vertreter der Juso Hochschulgruppe erhofft sich von den Piraten einiges: "Da eine geringe Wahlbeteiligung herrscht, hoffen wir, dass die Piraten, die erreichen, die bislang nicht wählen gehen. Auch wünschen wir uns, dass die Piraten Themen aufgreifen, die wir bislang noch nicht behandelt haben. Wir haben großes Interesse an einer engen Zusammenarbeit.

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