Klar und kreisch: Cro beim SWR3-hautnah-Konzert in Freiburg

Manuel Lorenz

Cro ganz nah zu kommen, womöglich hautnah: Das wollten beim superexklusiven SWR3-Mini-Konzert des Hipster-Rappers im Feuerwehrhaus in der Urachstraße viele. Geschafft hat das am Ende nur einer:



Die Teenie-Mädels vorne links kreischen. Nicht als Cro zum ersten Mal die Bühne betritt, sondern als die SWR3-Moderatorin dies tut, um ihn anzukündigen. Sie kreischen noch mal, als Cros Band die Bühne betritt, sie kreischen besonders laut, als Cro selbst endlich kommt. Will man ermessen, wieviel Pop in Cros Raop steckt, muss man auf einem seiner Konzerte gewesen sein.

Cro selbst klingt in echt ganz anders als auf CD oder im Fernsehen: schwäbischer, satter, besser. Selbst seine Pandaschnute sieht in echt schnutiger aus.

Sag, wer hat wieder Bock aufn Beat,
schreibt keinen Text, stept an das Mic,
rappt ein, klingt fresh, huh?

Man muss ihm recht geben. Er klingt wirklich fresh, während der Songs scheint er auch Bock zu haben - zwischendrinnen macht er auf gelangweilt, fordert mäßig motiviert dazu auf, die Hände in die Luft zu heben. Und so weiter. Wir dürfen ihn hierin nicht missverstehen: Langeweile hat sich seine Generation als Pose auferlegt, man wäre hier quasi enttäuscht, wenn er sich übermotiviert in die Moderation stürzen würde. So ist alles super. Kreisch.

Das Feuerwehrhaus ist natürlich eine Hammerlocation, fürs sogenannte "hautnah"-Format von SWR3 allerdings e weng groß. Um die Bühne herum bildet sich eine Traube von Zuschauern, wer spät kam und in den ersten drei Reihen keinen Platz mehr bekommen hat, steht maximal in Reihe sieben. Kuschelig - aber nach hinten hin ist leider so viel Platz frei, dass der Sound verhallt und man das Gefühl hat, man befände sich auf einem nur mäßig besuchten Konzert.

Cros Erfolgsgeheimnis ist - abgesehen von seinen wunderbar sorglosen Texten und seiner muskulösen Doubletime -, der Coole von der Schule zu sein. Der, der immer die besten Witze parat hat, die geilsten Sneakers trägt, die süßesten Mädels abkriegt. Er ist nahbar, und als zwei Teenies auf die Bühne dürfen, um das SWR3-hautnah-Foto von ihm, seiner Band und dem Publikum zu schießen - kreisch! -, umarmt er sie beide, normal aber cool.

Er spielt das Album runter, lässt die Crowd immer wieder auch mal singen, zieht straff durch, da ja auch im Radio und per live-Stream übertragen wird - "Hi Kids", "Kein Benz", "King of Raop", "Rockstar". Aber auch neue Songs wie "1 Million" bringt er, klar, und selbst hier singt das Publikum textsicher jede Silbe mit, klar - beziehungsweise kreisch. Und irgendwann, man hat die Hoffnung schon aufgegeben, bringt er, klar, kreisch, seinen Überhit "Easy".

"Freibuuurg!" Ja, Freiburg. Es ist kurz vor acht, das Konzert hat fast genau eine Stunde gedauert - eine familientaugliche Uhrzeit. "Wir sind schlechte Schauspieler!" Ja, das stimmt tatsächlich, aber - siehe oben - das macht nichts, das wollen die Kids, Carlo, sie wollen Authentizität, vor allem aber Videos und Fotos von dir, weswegen permanent zwei Dutzend Smartphones über den Köpfen schweben. Macht nichts, macht den Augenblick auch nicht kaputt, gehört dazu, ist Pop, Raop, klar und kreisch. Ist Cro - und sie fahren voll drauf ab.

P.S. beziehungsweise 'Was danach geschah': Cro und seine Band zog sich sofort und direkt in den Backstage-Bereich zurück. Da war nichts zu machen, kein Rankommen - egal wie lange man an der Absperrung auch wartete. Nur ein kleiner Hartplastikpinguin schaffte es irgendwie, hinter die Absperrung und in den Backstage-Bereich zu gelangen. Was dann passierte: ein schwarz-weißes Gipfeltreffen:

 

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Fotogalerie: SWR3 (Björn Pados)

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