Kitty Solaris: "Ich mach' das eher so aus dem Bauch heraus"

Lina Wiemer

"Eine Stimme zum Niederknien" – das liest man allerorten über Kirsten Hahn alias Kitty Solaris. Die Sängerin ist mit ihrem dritten Album "Golden Future Paris" auf Tour und spielt am Dienstag im Swamp. fudder-Autorin Lina bekam Kitty zwischen Hotel, Restaurant und Auftritt für ein Interview ans Telefon:



fudder: Dein bürgerlicher Name ist Kirsten Hahn. Wie bist du auf den Namen Kitty Solaris gekommen?

Kitty Solaris: Der ist mir spontan eingefallen. Vor zehn Jahren hat mich eine Freundin, die jetzt in Freiburg wohnt, gefragt, ob ich bei ihrer Ausstellung ein paar Lieder spielen will. Ich bin damals allein mit Gitarre aufgetreten. Das war mein erster Auftritt, und da wollte ich nicht mit meinem bürgerlichen Namen auftreten, sondern habe kurz überlegt, und dann ist mir der Name eingefallen, und ich finde, er passt.

Ich habe über den Film „Solaris“ was gelesen. Gesehen habe ich ihn noch nie. Und es gibt ja das Buch von Stanislaw Lem. Und das ist so psychedelisch und wie eine Reise ins Unterbewusstsein. Das passt zu meiner Musik, die ja eher langsam ist. Dazu kommt, dass ich die Lieder ja auch aus dem Unterbewusstsein heraus mache. Das ist wie ein unterbewusster Prozess.

Hast du eine musikalische Ausbildung?

Ich habe gar keine musikalische Ausbildung. Ich bin Autodidaktin und kann nicht mal Noten lesen. Die Lieder bestehen meistens aus drei oder vier Griffen, ganz einfach. Ich mach’ das jetzt schon seit zehn Jahren und da hab’ ich mir das so angeeignet.

Aber als Jugendliche hast du doch bestimmt Gitarre gespielt, oder?

Ja, ein bisschen. Weihnachtslieder mit zwei Griffen konnte ich spielen. Aber Noten kann ich nicht. Ich beneide das total wenn Leute Grundkenntnisse haben. Unser Keyboarder kann jedes Lied sofort mitspielen. Das ist natürlich super. Ich mach’ das eher so aus dem Bauch heraus und nach Gefühl. Aber mein Vater hat auf Hochzeiten gespielt in einer Band. Insofern hab’ ich natürlich schon einen kleinen musikalischen Hintergrund.

Mit was würdest du jetzt dein Geld verdienen, wenn du nicht Musik machen würdest?

Weiß ich gar nicht. Ich habe Erziehungswissenschaften, Soziologie und Literatur auf Magister studiert und da kann man ja alles und nichts mit machen. Und zufällig hat sich das ergeben, dass ich jetzt auch noch ein eigenes Label habe. Da promote ich auch viele andere Bands. Damit verdiene ich aber nicht wahnsinnig viel Geld. Ich glaube, es gibt viele Jobs, mit denen man mehr verdient.

Dein Label „Solaris Empire“ hast du 2006 selbst gegründet. Wie bist du da vorgegangen?

Ich hatte eine CD aufgenommen; das erste offizielle Album „Future Air Hostess“ zusammen mit Tobias Siebert. Ich wollte die Platte unbedingt veröffentlichen. Weggeschickt hatte ich sie, aber nie was gehört und dann dachte ich, dass mir das alles zu anstrengend ist. Und da hab’ ich es lieber selbst gemacht und einen Labelcode beantragt, ein Gewerbe angemeldet und mich bei der GEMA gemeldet. Einen Vertrieb hab’ ich dann auch gefunden, der meine Platte gut fand.

Der Vertrieb meinte dann aber, dass es gut wäre, wenn es nicht nur bei der einen Platte bleibt. Und dann ist mir auch der Name für mein Label „Solaris Empire“ eingefallen und jetzt gibt es mittlerweile schon die 15. oder 16. Veröffentlichung. Kat Frankie hat ihre erste Platte bei mir veröffentlicht. Und Toni Kater und Grimoon sind jetzt bei meinem Label.

Wen nimmst du denn unter Vertrag?

Es muss mir natürlich gefallen und ganz viel läuft über persönliche Kontakte. Grimoon zum Beispiel kenne ich schon ganz lang, weil ich mit denen mal zusammen gespielt habe. Die haben mich dann auch mal auf eine Italientour eingeladen. Und so hat sich das dann alles entwickelt.

Du hast die Seiten gewechselt und wurdest von der Musikerin „Kitty Solaris“ zur Chefin eines Labels. Was hat sich verändert seitdem du Chefin bist?

Es ist schon ein Balanceakt. Vor allem, wenn man sich selber rausbringt, hat man ja zwei Tätigkeiten in einer Person: einerseits Künstlerin und andererseits sich dann auch selbst promoten. Das ist nicht ganz einfach. Manchmal ist es schon eine Gratwanderung und manchmal denke ich auch, vielleicht hätte ich gern ein anderes Label, das mich persönlich promotet. Aber ich habe das Talent andere Künstler zu beraten und ich kann gut organisieren. Das mit dem Label liegt mir schon sehr.

Ist dieses Selbermachen notwendiges Übel oder hast du dabei richtig Spaß?

Beides. Es war notwendiges Übel und jetzt macht es oft großen Spaß. Aber ich promote andere Künstler lieber als mich. Das läuft dann auch besser. Und manchmal ist es eben auch anstrengend und es gibt immer zwei Seiten einer Medaille.

Über deine Musik habe ich folgendes Zitat gelesen: „Ein gelungenes Verhältnis von Verträumtheit und Rebellion.“

Das hab’ ich auch gelesen. Und das trifft den Nagel ziemlich auf den Kopf. Meine Musik hat einen kantigen und rockigen Aspekt, vor allen bei den Konzerten. Die Platten hingegen sind eher poppig und ruhiger. Einerseits ist es verträumte, zerbrechliche Musik, aber sie geht eben auch nach vorne und hat Stärke.

Wo ist in deiner Musik die rebellische Seite?

Thematisch eher weniger, aber es gibt ein Lied das heißt „Fighter For Diversity“. Da vertrete ich schon meine Meinung. Generell aber ist meine Musik nicht explizit politisch oder rebellisch, eher zwischen den Zeilen und wenn man genau hinhört.

Wie siehst du generell die Situation von Frauen im Musikgeschäft? Speziell in deinem Fall: Wirst du manchmal unterschätzt?

Das kann schon sein. Für männliche Musiker und Bands ist es aber auch nicht einfach, gerade weil der Musikmarkt sehr schwierig ist. Die CD-Verkäufe gehen zurück, und es ist oft ein Kampf. Aber ich glaube schon, dass die Indie-Szene männlich dominiert ist. Also wenn man sich mal die Line-Ups von Festivals anguckt, ist das ganz klar. Und ich werde immer noch in diese softe und brave Folkecke gesteckt, obwohl es live schon ziemlich rockt und ich auch aus mir raus geh’. Und als Singer-Songwriterin wird man eben oft in diese Ecke gesteckt.

PJ Harvey, Cat Power und Mazzy Star - alle werden genannt, wenn es um deine Musik geht. Findest du diese Vergleiche albern oder sind genau das deine Vorbilder?

Also Cat Power liebe ich! Ich hab’ die mal in Berlin gesehen, als sie noch relativ unbekannt war. Da stand ich in der ersten Reihe, und sie war ganz schüchtern und hatte die Haare vorm Gesicht, und ich war hingerissen. Sie spielte damals noch als Vorband und nachher kam sie zu mir und bedankte sich bei mir für die Unterstützung, weil ich in der ersten Reihe zu aufmerksam war. Und seitdem habe ich ihre Karriere verfolgt und bin ganz großer Fan.

Und PJ Harvey mag ich auch. Als die ersten Cds von ihr rauskamen, war ich wie elektrisiert. Und Mazzy Star ist auch toll. Und verglichen wird man immer, und das sind schon auch Vorbilder von mir. Ich glaube, man muss immer in eine Schublade gepackt werden, aber ich selber würde mich damit nicht vergleichen. Ich möchte selber auch nicht wie jemand anderes klingen. Ich strebe das auch nicht an, genauso zu klingen wie Cat Power. Es kann überhaupt niemand so klingen. Und nach zehn Jahren, die ich Musik mache, habe ich auch einen eigenen Stil entwickelt.

Dein aktuelles Album „Golden Future Paris“ hat unglaublich gute Kritiken bekommen. Hast du den Durchbruch jetzt geschafft?

Na ja, das weiß ich nicht. Durchbruch? Wann hat man denn den Durchbruch geschafft? Kommt immer drauf an, wie man das definiert. Es ist noch nicht soweit, dass ich jetzt wahnsinnig viel Geld verdiene. Aber ich war mit meinem neuen Album sehr zufrieden und mit den Kritiken natürlich auch.

Wie wird deine Musik im Ausland aufgenommen?

Meine neue Platte „Golden Future Paris“ wurde auch in den Benelux-Ländern veröffentlicht. Und da gab es sehr positive Reaktionen, aber richtig bekannt sind wir da noch nicht. Durch Italien sind wir schon getourt. Aber so richtig bekannt sind wir im Ausland noch nicht. Das wäre ich aber gern, und das ist jetzt auch der Plan, da Fuß zu fassen. Aber da sind wir noch am Anfang, und es ist schwierig, das alles zu organisieren. Am Montag sind wir auf jeden Fall erstmal in Zürich in der Boschbar und am Dienstag dann in Freiburg.

Golden Future Paris - KITTY SOLARIS - tvnoir.de

Quelle: YouTube


Mehr dazu:

Was: Kitty Solaris
Wann: Dienstag, 6. März 2012, 21 Uhr
Wo: Swamp