Kissenschlacht-Flash-Mob: 24-jähriger Freiburger soll zahlen

Katharina Wenzelis

Am 3. Mai 2008 wurde auf dem Augustinerplatz die wohl größte Kissenschlacht der Freiburger Geschichte ausgetragen: mehr als 300 Teilnehmer lieferten sich eine 15-minütige Federschlacht. Neben viel Spaß und Frohsinn brachte die Aktion auch einen federbedeckten Augustinerplatz mit sich, der wieder aufgeräumt werden musste. Die Beseitigung der Federn und die Reinigung der Straßen verursachten Kosten in Höhe von 1700 Euro, die die Stadt nun vom 24-jährigen Initiator der Aktion erstattet haben will.



"Die Höhe der Kosten ist entstanden, weil Federn sehr schwer zu beseitigen sind", sagt Michael Borglin, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft und Stadtreinigung Freiburg (ASF). "Die Federn hatten sich rund um die Stadtmitte verteilt und es waren über mehrere Tage Reinigungskräfte und Kehrmaschinen im Einsatz." Um die Federn besser beseitigen zu können, mussten diese befeuchtet werden, dazu wurde zusätzlich die Hilfe der Feuerwehr benötigt.


Die 500 Euro für die Feuerwehr muss Eddy Fischer, der über das Studentennetzwerk StudiVZ zur Kissenschlacht aufgerufen hatte, nun aus eigener Tasche bezahlen. Die ASF hat ihm das Angebot unterbreitet, als Kompromiss die Reinigungskosten von 1200 Euro über ein Spendenmodell zu begleichen.

"Der junge Mann hat sich wirklich anständig benommen, er ist hier vorbeigekommen und hat uns seine Situation geschildert. Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass ihm die Sache wohl selber über den Kopf gewachsen ist und uns eine Lösung überlegt, wo jeder gut bei wegkommt und dabei auch noch für eine guten Zweck", sagt Broglin.



Allerding ist bei dieser Geschichte, die sicherlich auch eine Menge Spaß und Abwechslung gebracht hat, nicht jeder gut weggekommen. Das Bettenhaus Stiegeler hat an besagtem Samstag um 17.30 Uhr die Türen geschlossen, obwohl es Mega-Samstag war und das Geschäft eigentlich bis 24 Uhr geöffnet sein sollte.

"Wir mussten schließen, denn überall waren Federn, man konnte nicht mehr richtig Atmen, außerdem ist so etwas auch sehr unhygienisch und Kunden kommen unter solchen Umständen sowieso nicht mehr" sagt Henrike Beck, Geschäftsleitung des Bettenhauses. Laut Frau Beck soll der Schaden für das Bettengeschäft bei rund 2.500 Euro liegen. "Darauf bleiben wir sitzen, ich habe mich darum bemüht, dass die Stadt der Sache nachgeht, so etwas sollte nicht unkommentiert bleiben", sagt Beck.

Eddy Fischer ist unterdessen bemüht zumindest die 1700 Euro zu begleichen. Er hat einen Flyer mit einem Spendenaufruf erstellt. Die Hausdruckerei der Uni Freiburg hat sich bereit erklärt den Flyer zu drucken und der Pizza-Lieferdienst Pizza-Box wird die Flyer verteilen. Außerdem wird Eddy die Flyer in Geschäften auslegen und auf der Straße verteilen.

"Natürlich ist es gerechtfertigt, dass ich für den entstandenen Schaden aufkommen muss. Ich bin allerdings enttäuscht darüber, dass ich keine Unterstützung bekomme von den Leuten die mitgemacht haben und Mitglied in der StudiVZ-Gruppe waren", sagt Fischer. "Am Ende zählte die Gruppe immerhin 1500 Mitglieder und nur sechs haben mir geantwortet, als ich berichtet habe, dass ich 1700 Euro bezahlen muss."



Als Eddy die Gruppe ins Leben gerufen hat, hatte er sich keine Vorstellung davon gemacht, welche Dimensionen sein Streich annehmen würde. Nach einer gewissen Anlaufzeit traten täglich um die 50 neue Mitglieder der Gruppe bei.

"Irgendwann habe ich dann doch Muffensausen bekommen und habe einen Anwalt eingeschaltet, denn ich habe mir Gedanken darum gemacht, was da alles passieren kann, wenn so viele Menschen sich eine Kissenschlacht liefern", sagt Fischer. Auf Anraten des Anwalts ging Eddy dann zur Stadtverwaltung, um nach einer Genehmigung und Hilfe zu fragen. Von Seiten der Stadt wurde Eddy geraten die Aktion abzusagen. Daraufhin fragte er bei der Messe an, die anfänglich auch Interesse gezeigt hatte, die Organisation für das Event zu übernehmen, aber letztendlich aus Zeitknappheit abgesagt hatte.

Zwei Tage vor der Aktion rief Fischer nun die Studi-VZ-Gruppe dazu auf, die Kissenschlacht abzublasen, aber die Aktion hatte bereits ein Eigenleben entwickelt und war nicht mehr zu stoppen. Der 3. Mai kam und die Kissen flogen. "Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn auch nur die Hälfte der 1500 Gruppenmitgliedern gekommen wäre" sagt Fischer. "Da bin ich am Ende doch noch ganz gut bei weggekommen und ich bin der ASF für ihr Angebot und ihre Hilfe wirklich dankbar."

Nun erhofft sich Eddy die Hilfe und Solidarität aller Teilnehmer, Schaulustigen und Verfechter von Flashmobs und spaßigen Aktionen. "Die erste Spende, die ich erhalten habe, war ironischerweise von einem Mitarbeiter der ASF", sagt der 24-Jährige.

Mehr dazu:

Wer Eddy unterstützen möchte, kann an folgende Organisationen spenden:
  • Club 55 – Freiburger Hilfsgemeinschaft e.V.
Wichtig: im Verwendungszweck "Kissenschlacht" angeben, denn sonst kann das Geld nicht zugeordnet werden.

Bei Fragen könnt ihr Eddy eine E-Mail schicken: kissenschlacht-spenden@web.de