Kirchstraße: Besuch im besetzten Haus

Anne-Kathrin Weber

Die Besetzer des Antoniushauses in der Kirchstraße sind mit Reparaturen, Workshops und Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt; Journalisten, Anwohner und Symphatisanten der Besetzer lassen sich durch die Räumlichkeiten führen und werden mit Kaffee und Kuchen versorgt. Ein Rundgang in dem riesigen, dreistöckigen Haus.



Die Besetzung des Hauses an der Kirchstraße 16 ist recht still von statten gegangen: Ohne bemerkt zu werden, sind einige Linksalternative am vergangenen Freitag in das leerstehende Gebäude (früher war es ein Seniorenwohnheim) hineingegangen. Die Räumlichkeiten im Obergeschoss wurden zu Schlafstätten und zu einer Küche umfunktioniert, im Erdgeschoss gibt es jetzt ein Café, einen Infoladen und einen sogenannten Umsonst-Markt: "Jeder kann dort vorbeikommen, Sachen spenden und sich auch welche mitnehmen", sagt ein Student, der uns durch das Haus führt.

Die Finanzierung der Besetzung, die von den Besetzern "Wohn- und Kulturprojekt" genannt wird, laufe antikapitalistisch korrekt ab – über Sach- und Geldspenden. Geld brauchen die Besetzer etwa für Strom und Protestwerkzeug (Edding, Klebeband, Leintücher etcetera).



Die Besetzer freuen sich über die positiven Reaktionen aus der Nachbarschaft und laden alle Interessierten ein, sich das Projekt genauer anzuschauen.

Sie wollen das Haus in Stand halten, Wohnraum schaffen und natürlich Aufmerksamkeit erregen. Dabei hat jeder der Besetzer so seine eigenen Beweggründe: Einer kritisiert im Gespräch die schwierige Wohnungsfinanzierung für Geringverdiener in Freiburg, ein anderer möchte den Altbau um jeden Preis vor dem Verfall schützen. Die Besetzer, mit denen wir sprechen, sind alle zwischen 20 und 30, teils Studenten, teils Auszubildende, teils Arbeitslose.



Zwischen den Besetzern herrscht ein basisdemokratischer Umgang, Hierarchien sind keine erkennbar. Jeder darf seine Vorschläge und Anregungen in die tägliche Plenarsitzung im Dachgeschoss einbringen. Anfallende Aufgaben werden an Freiwillige verteilt. Jeder, der helfen will, ist willkommen.

Dass Hausfriedensbruch eine Straftat ist, für die sie zur Rechenschaft gezogen werden können, nehmen die Besetzer in Kauf. Solange der Eigentümer nicht bekannt ist und keine Zwangsräumung droht, wollen sie ihre Ideen umsetzen. So planen sie, in den Räumen eine Bibliothek, eine Bar, einen Proberaum und eine "Autonome Uni" einzurichten.

Wie lange das Projekt bestehen wird, hängt ausschließlich vom Eigentümer des Hauses ab. "Wir sind in einem solchen Fall nur ausführendes Organ", sagte Ulrich Brecht, Pressesprecher der Polizeidirektion Freiburg heute Mittag. "Wir haben mittlerweile Kontakt mit dem Eigentümer. Wenn der möchte, dass die Leute sein Eigentum verlassen, werden wir aktiv. Wenn er dies nicht will, handeln wir natürlich nicht."

Die Besetzer planen im Fall einer drohenden Räumung einen passiven Widerstand.



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Foto-Galerie: Anne-Kathrin Weber

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