Kinky Vibes: Erotikpartys in Freiburg

David Weigend

Sie feiern sehr freizügig und inoffiziell: Vor ein paar Wochen organisierten zwei Freiburger nach Vorbild des Berliner Kitkatclubs eine Hedonismusparty mit Goa, SM-Möbeln und Option zum Beischlaf. Für eine Nacht im August haben die beiden ein Boot auf dem Rhein gemietet - dort soll die Fortsetzung stattfinden.



Mitte Juni stieg in Landwasser eine Party, die es so in Freiburg noch nicht gegeben hat. Sie fand statt in einer ehemaligen Tiefgarage. Etwa 50 Gäste kamen, informiert von einem Flyer in diversen Foren. "Kinky Vibes" lautete das Motto des Fests. Die Gäste sahen schon eine Spur schriller aus als sonst: Manche waren in Latex und Leder gekleidet, andere Besucher gehörten offensichtlich der SM-Szene an, wieder andere der Goaszene.


Im Hauptraum lief von 21 Uhr bis 5.30 Uhr früh Progressive, Goa und Tribal-House. Man tanzte und prostete sich an der Bar zu. In einem Nebenraum standen Möbel und Gerätschaften, wie man sie für Sadomaso-Praktiken verwendet. Außerdem bestand in einem weiteren Zimmer die Möglichkeit, Sex zu haben.

Genutzt hat sie allerdings niemand. Dennoch, ein kleines Paradies der Freizügigkeit, irgendwo zwischen Swingerclub, Goadisco und Züchtigungsspielchen. "Bei uns hat keiner nackt getanzt. Aber theoretisch wäre das natürlich möglich gewesen", sagt Jörn, 37, der die Party mit seinem Freund Otto organisiert.



Otto betreibt einen Fetischladen in Freiburg und hat als DJ Lex Luthor schon auf vergleichbaren Partys aufgelegt. Der KitKatClub in Berlin ist vielleicht der bekannteste deutsche Club dieser Art und der erste, in dem das hedonistische Feierkonzept kultiviert wurde, unter Berücksichtigung von Kostümen, Fetischen und erotischem Spielraum.

Jörn und Otto wollen nun den Charakter dieses Turboturtelns nach Freiburg bringen und bei der ersten Party hat das ganz gut geklappt.

Tabus gibt es bei Kinky Vibes keine. Erlaubt ist, was Spaß macht. Es geht aber weniger um Rammelei, sondern in erster Linie ums Tanzen und Feiern – in außergewöhnlichem Outfit und ohne dass man dafür blöd angeschaut wird. "Wir wollen keine Spanner", sagt Jörn. "Das wird zwar nie ganz ausbleiben, aber wir achten darauf, dass es sich in Grenzen hält." Dies ist auch der Grund, warum Jörn die Partys, die ab jetzt alle zwei Monate stattfinden sollen, nicht ganz öffentlich ankündigt.



Jörn sagt, dass der Kinkygedanke auch den Aspekt der Mischung beinhaltet. Bei diesen Partys treffen 25-jährige Goagirls auf gestandene SMler, Experimentierfreunde auf Fetischisten und so weiter. "Manche haben am Anfang schon etwas schräg geschaut, als sie die Outfits der anderen Gäste gesehen haben. Die Verwunderung wurde dann aber von Akzeptanz abgelöst", sagt Jörn.

Er selbst läuft auch ganz gern in fantasievollen Latexklamotten rum, ohne damit gleich einen SM-Automatismus verkörpern zu wollen. Der entscheidende Unterschied: Bei Kinky Vibes ist er einer von vielen; in einer Disco im Bermudadreieck, die früher einmal irreführenderweise ebenfalls mit einer "Kinky Party" warb, hätte man wahrscheinlich mit dem Finger auf Jörn gezeigt.



Im August haben Jörn und Otto ein Boot auf dem Rhein gemietet. Es soll Austragungsort werden für die große Sommerparty. Wir fudder-Fische holen schon mal die Bodypaintingfarben raus.

Mehr dazu: