Kings of Convenience im Volkshaus Basel: Die Entdeckung der Bequemlichkeit

Gina Kutkat

Die Kings Of Convenience, diese bezaubernde Indie-Popgruppe aus dem norwegischen Bergen mit hohem Chillfaktor, spielten gestern Abend einen Gig im Volkshaus in Basel. Ob Erlend Øye - die eine Hälfte der Band - seinem Ruf als begabter Entertainer gerecht wurde und wie die wärmende Musik bei noch wärmeren Temperaturen wirkt, hat Gina für fudder herausgefunden.

Snap, Snap, Snap. Fingerschnippend steht Erlend Øye am Bühnenrand, seine Augen, die hinter einer großen Nerdbrille hervorlugen, leuchten vor Begeisterung. Im nächsten Moment wirbelt er seinen langen, drahtigen Körper über die Bühne und packt diese komischen Tanzbewegungen aus, mit denen er in jeder Durchschnittsdisko als Außenseiter verdammt werden würde. Es ist der Gipfel eines Konzerts, das sich langsam aber sicher von einem eher ruhigen Set zu einem poppig-swingenden Tanzfest entwickelt hat. Inklusive Tanzcompetition.


Die Kings Of Convenience: Zwei, die wie Feuer und Wasser sind, aber dabei ein Herz und eine Seele bleiben. Auf der rechten Seite der Bühne im Basler Volkshaus sehen wir Eirik Glambek Bøe, die Seele: perfekt gebügeltes, hellblaues Hemd, schwarze enge Hosen, gut sitzende Frisur, den Blick immer freundlich lächelnd ins Publikum schauend. Der Brave, der Staubsaugervertreter, der Traum aller Schwiegermütter.

Neben ihm Erlend Øye, das Herz: karottenfarbige Karottenhose, Karohemd, die obligatorische Nerdbrille, verwuschelter Lockenkopf, der Blick leicht verklärt, aber zufrieden wirkend, mit seinem langsamen Kopfnicken einer Schildkröte ähnelnd. Der Kasper, der Nerd, der komisch-niedliche Junge, mit dem die Mädchen Pferde stehlen wollen.

Je unterschiedlicher in ihrem Auftreten, desto harmonischer sind die Kings in ihrer Musik. Der zweistimmige Gesang -  mehr gehaucht als gesungen -  ist die Essenz des akustischen Indie-Folks. Je zurückhaltender ihre Gesten, desto voller der Sound, der sich in dem großzügigen Raum des Volkshauses frei entfalten kann.



Das 90-minütige Set beginnen Erlend und Eirik ganz reduziert und Simon&Garfunkel- mäßig: Auf zwei Hockern sitzend bearbeiten sie ihre akustischen Gitarren, im Zuschauerraum ist es so ruhig, dass man die Seifenblasen, die ein Fan in die Luft bläst, platzen hören kann. 30 Minuten dauert diese erste, fast meditative Phase, dann gesellen sich Violinist und Kontrabassist zu den Zweien und das Konzert bauscht sich langsam aber sicher zu einem Abend auf, "an dem man jegliche Schüchternheit ablegen sollte" - so Erlend.

Beste Gelegenheit für das Publikum, voll und ganz aus sich herauszukommen, bietet die von Erlend ins Leben gerufene Tanzcompetition. "Macht einen großen Kreis und jetzt zeigt, wie ihr tanzen könnt." Die Belohnung: Der KOC-Sänger hüpft von der Bühne und schwingt sein Tanzbein inmitten seiner Fans.

Warm klingende Arrangements sind in harmonische Songs gegossen: „Mrs. Cold“, „I’d rather dance with you“, „Boat Behind“ oder „Gold in the air of summer“. Wäre es nicht schon so unglaublich heiß hier, die Kings Of Convenience hätten die Herzen ihrer Fans mit ihrer Musik im Sauseschritt erwärmt.

„Merkt euch eins: Zu den Songs von Kings of Convenience darf man niemals klatschen. Snappen ja, klatschen nein.“ Man möchte Eirik für diese Ansage danken – zu schrecklich wäre es, wenn die subtilen Songs hinter mitklatschenden Fans verschwinden würden. Also werden die fingerpickenden Musiker durch sanftes Fingerschnippen begleitet. „Wer ist eigentlich da?“ fragt Erlend ins Publikum und zählt auf: "Blonde Menschen, brünette Menschen, Frauen, Männer, junge Leute, alte Leute, Menschen mit Brille, Menschen ohne Brille. Eigentlich sind alle da!“ Zum Konzert der Kings sind sie alle gekommen, schließlich machen die beiden Norweger - laut MySpace -  "Musik, die nicht nur euch, sondern auch euren Eltern gefällt."



[Fotos: Jan Krattiger]

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