Kinderzimmer Productions überzeugen im Atlantik

Philipp Aubreville

Am Anfang der Woche das Ende einer großartigen Band: Auf ihrer Abschiedstournee haben Kinderzimmer Productions gestern im Café Atlantik gespielt. Eindrücke vom wohl letzten Konzert der Ulmer HipHopper in Freiburg.



Bevor Kinderzimmer Productions selbst mit ihrem „Hip Hop für Hip Hop-Muffel“ begeisterten, erfreute ein gewisser Nils Koppruch, ehemals Mitglied der Hamburger Band Fink, das Publikum mit Gitarrenpop und mal tief-, mal vordergründigen Texten. Applaus bekam dieser erste Teil einer Konstellation, die für Bravo-Leser vielleicht mit „Silbermond spielen als Vorgruppe von Fler“ veranschaulicht werden könnte, aber auch für das Vortragen einiger Gedichte Richard Brautigams.


Nachdem ihr Merchandiser an den Turntables unter Beweis gestellt hatte, dass auch 2007 noch Menschen mit Plattenspielern und nicht nur mit Computerprogrammen umgehen können und etwas produzierte, was man bei Ferrero wohl „das längste Intro der Welt“ nennen würde, betraten schließlich Kinderzimmer Productions die Bühne.



Das Publikum, welches wahrscheinlichkeitstheoretisch kurz vorher beim Kauf des aktuellen Albums eine größere Verweigerungshaltung an den Tag gelegt hatte als ein durchschnittlicher Zivildienstleistender, zeigte sich in äußerster Feierlaune.



Kein Wunder: Discjockey Quasimodo sampelte fast studiokonform, Schlagzeuger Jürgen „Das Tier“ Schlachter beeindruckte mit Bewegungsabläufen a la Rocky und Frontmann Textor mit dem Lungenvolumen einer bayrischen Blaskapelle. Seine Textzeilen konnten in einem noch so quadrierten Hexameter verfasst worden sein – dem Rapper gelangen sie auch in der nikotin- und sonst von allerhand geschwängerten Luft ohne zweiten Anlauf oder Studiotricks.



Auch die Textzeilen selber waren fulminant – bei einem „schön ist das nicht, schreib ich dir trotzdem ins Gesicht, in Spiegelschrift, du kannst es glauben oder nicht“ muss man einfach auch beim siebenundzwanzigsten Hören noch Schmunzeln.



Des weiteren überzeugten KiZi auch durch ihre Performance: So adaptierte Textor bei „Der Doktor“ kurzfristig das Brecht-Theater und zog sich auf der Bühne einen Mundschutz an. Und so drängte sich so etwas wie Wehmut zwischen die Gedanken - ob die Forderungen nach „Zugabe“ und dem Song „deck [das Dach] ab“ nicht These und Antithese darstellen und das diese Forderungen rufende Publikum somit die fleischgewordene Dialektik.

Das letzte Konzert. Für immer. Schade.



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