Kinderwagen, Handtaschen mit Bargeld, Ohrringe: Was Parkbesucher im Europa-Park verlieren

Oliver Huber

Kettenkarussell, Achterbahn, Autoskooter: Im Europa-Park geht’s rund. Kein Wunder, dass den Besuchern so manches aus den Taschen fällt. Viele der Teile landen dann im Fundbüro des Parks. Doch was stapelt sich da eigentlich in den Regalen? Ein Einblick.



Der Super-Gau

Der schlimmste Fall ist gleichzeitig auch ein Klassiker: der Autoschlüssel. Die Familie hat einen schönen Tag verlebt, alle sind groggy und wollen nur noch heim. Vier Stunden Autofahrt trennen sie noch vom Bett und plötzlich ist klar: Der Schlüssel ist weg. Panik. Doch von 270 verloren gegangenen Schlüsseln werden fast alle wieder an ihre Besitzer ausgegeben. Hier ist die Erfolgsquote am höchsten.  

Die nervigsten Teile:

Lebende Handys. Smartphones, die einen freien Fall aus 70 Metern Höhe hinter sich haben (Silver Star!), verhalten sich ruhig. Sie geben keinen Pieps mehr von sich. Die anderen hingegen klingeln und brummen vor sich hin, weil die Besitzer verzweifelt ihr Gerät anrufen. Und: Die Mitarbeiter im Fundbüro gehen dann auch ran. Gerade bei Teenagern stellt sich sofort eine Erleichterung wie nach einer schweren Zwillingsgeburt ein. Puh. Damit nichts unversucht bleibt, steht für die Reanimation schwacher Akkus eine Phalanx an Ladegeräten verschiedener Hersteller bereit.

Die teuersten Fundstücke:

Damenhandtaschen arabischer Herkunft, gefüllt mit viel Bargeld. Gibt es dazu weitere Details? Leider nicht, hier greift das Thema Verschwiegenheit.  

Die kleinsten Kleinigkeiten:

Spielzeuge und Kindersachen aller Art so wie winzige Gummitierchen, Schnuller oder Matchboxautos. Nichts wird achtlos weggeworfen. Der ideelle Wert ist gerade bei Kindern nicht zu unterschätzen. Es könnte sich ja um das geliebte Kuscheltuch handeln, das fürs Einschlafen zwingend erforderlich ist. Also wandern alle Stücke in eine große Sammelkiste.

Das am häufigsten gefundene Teil:

Einsame  Spitzenreiter sind Mützen, genauer gesagt Kappen. Aerodynamisch ungünstig geformt fliegen sie in Massen von den Köpfen der Besucher. Sie hängen also nicht an den Besitzern und die Besitzer wohl auch nicht an ihnen. So  gingen im vergangenen Jahr 2479 Caps verloren und nur 190 wurden wieder abgeholt.   

Die größten abgegebenen Teile:

Sind Eigengewächse des Parks, die  beliebten Plüschtiere im XXL-Format. Kinder können sie fast nicht tragen und in den Bahnen würden sie alleine schon einen Platz einnehmen –  so werden sie wohl irgendwo kurz geparkt und dann prompt vergessen. Sooo traurig.  

Die kleinsten Teile:

Sie hängen normalerweise bombenfest an ihren Besitzerinnen – die Ohrringe. Sind es die Fliehkräfte in den Karussells? Die  Loopings der Bahnen? Oder doch das Haareraufen beim Gruseln? Wie es zu den Verlusten kommt, bleibt ein ewiges Mysterium.

Der glücklichste Besitzer:

Ist ganz klar ein Franzose. Der Tänzer kommt völlig aufgelöst zum Fundbüro und fragt nach seinem verloren gegangenen Reisepass. In dem Pass steckt ein Visum für die USA. Dort hat er einen Job über 5000 Dollar angenommen. Abflug ist morgen. Ohne Pass kein Flug, ohne Flug kein Job, ohne Job kein Geld. Doch der Pass ist gefunden und abgegeben worden. Freudentränen.

Das ungewöhnlichste Teil:

Prothesen, Perücken, Partnerspielzeuge? Alles Fehlanzeige. Wirklich ungewöhnliche Stücke finden ihren Weg nicht in den Park und gehen somit auch nicht verloren. Was trotzdem stutzig macht, sind die etwa 18 Kinderwagen, die jährlich abgegeben werden. Nur ein Viertel davon wird wieder abgeholt.

Die sommerlichsten Teile:

Sind ohne Frage Bikinis. Mit lustigen Tier- oder Comicmotiven bedruckt  werden sie vor allem von Kindern getragen und gehen gerne auf dem Wasserspielplatz verloren. Statistisch tauchen sie in der Position „Kleidung“ auf. Von denen sind es mehr als 2000 Fundstücke im Jahr, nur zehn Prozent werden wieder abgeholt.

Die gefährlichsten Teile:

Machen wohl die Wasserpistolen aus. Echte Waffen oder andere schlimme Dinge werden nicht gefunden. Einzig Taschenmesser und Multiwerkzeuge füllen eine kleine Kiste im Regal des Fundbüros. Sie gehen gerne auf Toiletten verloren, wenn sie dort beim großen Geschäft aus der Hosentasche rutschen.

Die wertlosesten Teile:

Neben allerlei Nippes sind es tatsächlich 1-Cent-Münzen. Besonders gewissenhafte Mitarbeiter geben auch kleinste Beträge ab. Wobei loses Bargeld mit drei Funden pro Jahr das Schlusslicht in der Liste der verlorenen Gegenstände ist. Bei den Portemonnaies sind es immerhin rund 500 pro Jahr, von denen die meisten wieder ihren Weg zum Besitzer  finden.

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[Fotos: Collage/Carlotta Huber]

Foto-Galerie: Carlotta Huber

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