Ermittlungen

Kinderpornografisches Video an Freiburger Schulen verunsichert Schulleiter und Eltern

Anika Maldacker

Seit Anfang November kursiert an Freiburger Schulen ein kinderpornografisches Video. Wie reagieren Schulleiter und Lehrer darauf? Und wie gehen Kinder, die solches Material ansehen, damit um?

An Freiburger Schulen kursiert seit Anfang des Monats über Whatsapp ein Video, auf dem kinder- und jugendpornografische Inhalte zu sehen sind. Die Polizei ermittelt und sucht Zeugen. Die Datei wurde innerhalb Schulklassen, aber auch klassenübergreifend an Gruppen und Personen der Klassen sechs bis zehn verschickt. Solche Fälle gebe es immer wieder, sagt Polizeisprecherin Laura Riske. Die Fälle hätten aber nicht zugenommen. "Den aktuellen Fall wollten wir auch zum Anlass nehmen, deutlich klarzustellen, dass selbst das Weiterverschicken solcher Inhalte strafrechtlich relevant ist", sagt Riske. Die Personen, die in dem Video zu sehen sind, seien laut Polizei noch im Kindesalter. Erwachsene seien nicht zu sehen.




In der Pressemitteilung, in der die Polizei auf den Fall und die Konsequenzen der Weiterverbreitung hinweist, ist von zwei Freiburger Schulen die Rede, an denen das Video bemerkt worden sei. Edith Straub ist Schulleiterin der Hansjakob-Realschule im Stühlinger, einer der zwei Schulen. Sie ist der Meinung, dass das Video an sehr vielen Freiburger Schulen verbreitet sein könnte, nicht nur an den beiden genannten. "Ich habe die Befürchtung, dass über Whatsapp relativ oft gewaltverherrlichendes und pornografisches Material versendet wird", sagt sie.

Auch Marianne Jöllenbeck, stellvertretende Schulleiterin des Wentzinger-Gymnasiums, an dem das Video ebenfalls auftauchte, hat den Eindruck, dass das Material zufällig gerade an ihrer Schule entdeckt wurde. "Ich glaube, das Thema ist an vielen Schulen ein Problem", sagt sie. Der derzeitige Fall sei der erste dieser Art, mit dem das Gymnasium zu tun habe.

Kinderpornografische Inhalte sind wohl in der Freizeit verschickt worden

An beiden Schulen ist eine Handynutzung während der Unterrichtszeit nicht gestattet. Die kinderpornografischen Inhalte, sagt Edith Straub, seien in der Freizeit verschickt worden. "Ich war entsetzt zu sehen, welche Dinge an uns Erwachsenen komplett vorbeigehen", sagt die Realschulleiterin. "Die Schule", sagt sie, "hat die Aufgabe, aufzuklären und die Kinder zu überzeugen, solche Inhalte nicht weiterzuverbreiten." Einerseits solle ein Bewusstsein geschaffen werden dafür, dass es sich bei Kinderpornografie um eine Straftat handele. Andererseits, sagt Straub, sollen die Kinder lernen, dass es bei solchen Inhalten gilt, nicht zu glotzen, sondern sie bei der Polizei mit Unterstützung der Eltern zur Anzeige zu bringen.



Ingrid Bounin, die am Landesmedienzentrum das Referat Medienbildung leitet, sieht den Umgang der Polizei mit dem Fall kritisch. In einer Mitteilung wies die Polizei daraufhin, dass das Weiterleiten des Videos nicht nur strafrechtliche Sanktionen, sondern auch das Entziehen des Smartphones nach sich ziehen kann. "Das schreckt die Kinder ab", sagt Bounin, "sie wollen nicht mit dem Fall in Verbindung gebracht werden und sagen dann lieber nichts." Kindern und auch Jugendlichen fehle in vielen Punkten ein Problembewusstsein, sagt Bounin. Da müsse man ansetzen und erklären. Und: Kinder sollten eine Vertrauensperson haben, an die sie sich in solchen Fällen wenden könnten und bei der die erste Reaktion nicht die Strafe sei, sondern die Frage: Was macht das mit dir?

Verunsicherung, Ekel, Hilflosigkeit

Denn kinderpornografisches Material hat Auswirkungen auf Kinder, die es sehen. Ob sie solches einordnen können, oder nicht, hängt vom Alter ab. "Spätpubertierende ab 15 Jahren können es", sagt Bounin. Die Reaktion falle bei jedem Schüler anders aus. Die Reaktionen reichten von Verunsicherung und Ekel bis zu Hilflosigkeit. "Sexualität hängt tief mit unserer Persönlichkeitsentwicklung zusammen", sagt Bounin. Sie plädiert dafür, früh mit Kindern darüber zu sprechen, wie wir miteinander in sozialen Medien umgehen. Keine Beschimpfungen und Beleidigungen, keine strafbaren Inhalte weiterverbreiten. "Wir brauchen Regeln im Sinne des Grundgesetzes, die für soziale Netzwerke wieder reaktiviert werden", sagt Bounin. Die Ermittlungen der Polizei in dem Fall dauern an.



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