Killerpilze: Professionell und "richtig scheiße"

Alexander Ochs

Das Publikum der Teenieband Killerpilze war zu 90 Prozent weiblich und größtenteils um die 12, 13 Jahre alt. Das hieß: hemmungsloses Handy-Knipsing, Stringtanga-Weitwurf und Kreischen bis zum Stimmbruch. Die punkige Variante von Tokio Hotel? Alex berichtet von seiner Dosis Killerpilze.



Die Killerpilze liefern tatsächlich mitreißenden Punkpop. Die laut Bandinfo waschechten Teens (14 bis 19 Jahre jung) wirken erstaunlich routiniert und gehen, mit Top-Equipment ausgestattet, hochprofessionell zu Werke. Von Bassist Benni und Gitarrenmann Mäx begleitet, gibt Sänger und Gitarrist Jo den Frontmann. Als kleines Schlagzeugwunder entpuppt sich sein Bruder Fabi, gerade mal 14. Für einen Drummer fast schon frühreif, diese Präzision!




Mit ihren fetzigen, rockenden und gut geschriebenen Drei-Minuten-Songs stellen sie ein zweistündiges Programm auf die Beine, das all ihre Singles beinhaltet und überhaupt fast all ihre Songs. Von „Scheißegal“ über den „Scheißtyp!“ aus ihrem Anti-Rassismus-Song bis hin zu „Richtig scheiße“ – einfache, eingängige Texte zum Mitgrölen. Sie spielen auch ihren ersten Song überhaupt: „Schönes Mädchen“, „eine Hymne an die Pubertät", so Jo.



In einem seiner vielen Laberflashs meint Jo: „Wer ist denn da hinten so? Die Älteren. Eure Eltern!“ Auch die fühlen sich gut aufgehoben – nicht nur mit knipsendem Knirps auf den Schultern.

Denn die punkige Antwort auf Tokio Hotel oder mit Punk punktende Ergänzung der deutschen Teenieband-Landschaft covert einfach zu gut: Den „Skandal im Sperrbezirk“ von 1981 rocken sie mit harter Gitarre rotzig runter. Und auch „Männer sind Schweine“ verarzten sie im Zeitraffer – in einem Zug mit dem Blur-Klassiker „Song 2“ („Wah-huh!“), dem „Blitzkrieg Bop“ der Ramones und dem „American Idiot“ von Green Day.



Alles überzeugend zum Medley gequirlt mit ihrem Song „Richtig scheiße (auf ne schöne Art und Weise)“.

Die Band, deren Debütalbum „Die Invasion der Killerpilze“ (2006) Goldstatus erreicht hat, plant Großes. Nicht nur, dass ein „richtig großer“ 20-Sekunden-Applaus“ eingefordert wird, nein, „wir wollen die beste Band der Welt nach den Ärzten werden“, meint Mädchenschwarm Jo, der die Zuschauerzahl auf 45.000 schätzt. Auch wenn es ein paar weniger waren: Man glaubt nicht, was für einen Lärm hundert brüllende Mädchen machen können.