Kiffende Rapper, tighte Parts und blanke Penisse: So war Freiburgs erste Untergrund-Hiphop-Jam

Nightlife-Guru

Hiphop-Klischees, die bei Freiburgs Untergrund-Rap-Party "Bring em on" im Harmonie-Keller am Wochenende erfüllt wurden: Kiffende Rapper: Check. Kiffende Fans: Check. Text vergessen: Check. Rapper zeigen ihren Penis: Check.



Die Jungs an der Tür

Der Guru kommt um kurz vor zwölf an, eigentlich sollte das Programm schon laufen.  Zwei tolerante ruhige Türsteher checken die Ausweise und direkt daneben sitzt der Freiburger Rapper Meth-U auf einem Barhocker und kassiert den Fünfer Eintritt ab. Sechs Acts für fünf Euro - wo andere von Low-Budget-Partys oder Risiko-Investition sprechen, bleiben die broken Rappers ‘real’. Daumen hoch.

Inneneinrichtung und Deko

Der Nightlife-Guru war noch nicht oft im Gewölbekeller unter dem Harmonie-Kino. Zwei Treppen führen in einen Freiburg-typischen Gewölbekeller mit hohen Decken, diffusem roten Licht, Backsteindecken und einer lockeren Atmosphäre – alles angerichtet für einen Underground-Hiphop-Abend

Wer war da?

Da stehen vor allem Kerle mit weiten Hosen, zum Teil Baggy zum Teil eher Chino-Style in Braun oder Grau. Die Caps und Beanies sind gleichmäßig auf den Köpfen der kettenrauchenden Hiphop-Fans verteilt. Wobei es schwer fällt zwischen Gast und Künstler zu unterscheiden, denn wie das auf Hiphop-Jams so ist, gibt es hier keine Unterschiede: Der Kerl der gerade noch auf der Bühne die ganze Welt “zerfickt” hat, trinkt schon eine halbe Stunde später Jäger mit einem Fan. Keine ‘Star’-Allüren wie bei so manchem DJ der zwar nur die Werke von anderen mixt, aber denkt seine Stunde Playtime von 23-0 Uhr auf Floor 5 macht ihn zum neuen Berghain-Resident.

Der Style-Dandy des Abends ist definitiv LarryLunatic aus dem Hause Rieseneinlauf. Er kombiniert die weite Jeans und Basketball-Sneakers mit einem schwarzen Cayler&Sons-Sweater auf dessen Vorderseite zwei weiß behandschuhte Hände eine fette Lunte bauen. Auf dem Kopf trägt er eine graue Filzmütze mit wild hin-und-her wippendem Franzen-Puschel und dem Logo der Yankees. So richtig „Hiphop“ wird sein Outfit aber erst durch seine schwarze Eastpack-Umhängetasche, die seitlich eng an der Brust hängt - wie dein Dealer vom Block eben auch.

Party-Athmo und Klangwaren-TÜV

Vorrangig ist “Freiburgs Finest” keine Party, sondern ein Abend an dem sich ein Großteil der Freiburger Rapper das Mikro in die Hand drücken und versuchen der Rapszene der Stadt einen Raum zu geben: um zusammen zu wachsen, sich zu präsentieren oder sich gegenseitig zu feiern. Keiner der hier auftretenden Künstler ist auf einem überregional agierenden Label, keiner verdient ernsthaft Geld mit seiner Musik. Dementsprechend gibt es hier keine Richtlinien, keinen Vertrag. Zu was für Situationen das führen kann, machen Rapzeptor (Die Geilen) und seine Crew deutlich:

Beim dritten Track von Rapzeptor springt ein Kerl auf die Bühne, ohne Hose, ohne Unterhose. Rapzeptor, Grotesk und DirtyDancer ziehen darauf hin ebenfalls blank und kippen noch ein bisschen Bier auf die kleine Bühne. Dann wird einfach weiter gerappt - während der „Schwanni“ an der verrauchten Luft aus der Jogginghose baumelt.

So kann der Abend losgehen. Von ihrem Rap versteht man relativ wenig, mag an den Mikros, Boxen oder Raucherlungen liegen, irgendwie auch egal, schließlich heißt ihr bekanntester Track “Spast”.

Jetzt haben es die weiteren Künstler eiliger auf die Bühne zu kommen, denn es ist voll und spät. Mic-O und LarryLunatic (Rieseneinlauf) schleifen sich auf die Bühne. Mic-O, der seit 12 Jahren auf den Bühnen Freiburgs steht, ist der abgeklärtere der beiden. In der rechten Hand das Mikro und in der linken den Joint rappen sie über den Slacker-Lifestyle, Coolness und viel Kiffen.

Der thematische Kontrast kommt direkt von RahzKronePrinz, der dem Laden  mit Backup-Rapper Saufpole (Rieseneinlauf) eine “Nassrahzur” verpasst. Emotional und schnell rappt der 35 Jahre alte Rapper, dazu trägt er eine Sonnenbrille à la Haftbefehl. Zwischendurch schnappt sich eine der Verantwortlichen des Ladens das Mic und will “Rahze” anmoderieren. Leider wurde der von ihr angekündigte Track schon gespielt und eigentlich hat auch keiner Bock auf die Anmoderation – bisschen peinlich.

RahzKronePrinz und Saufpole verlassen die Bühne, eine weitere komische Ansprache der Frau in Baggy-Pants folgt und dann steht der Ersatz von MaximumOne auf der Bühne, der kostenlos Longpapes verschenkt.

Der Freiburger Escape macht allein mit seinen Bullen-Schultern und den zwei aggressiv-böse dreinblickenden Backup-Rappern klar, wer hier Boss ist - bei ihm ist die Fläche vor der Bühne nach dem Longpape werfenden Zwischenpart wieder voll.

Gangster-Beats, Gangster-Parts, das Genre-Register des Abends ist schon fast komplett.
Der Letzte und wohl auch bekannteste des Abends tritt unscheinbar mit Salafisten-Bart, Basecap und Baggy-Pants auf die Bühne: Waldo The Funk. Supportet von Cypher-Sucht-Crewmitglied Frede packt Waldo seine ToykisEP-Texte auf neue Beats und rappt die Konzert-Nacht zum perfekten Ende. Chillig, tight und fresh performt er in bester Kombi mit Frede und die Menge hebt die Arme hoch - wer noch kann.

An der Bar

Es gibt zwei Bars, die unterschiedliches Bier verkaufen, so wird Weizen nur an einer Bar verkauft. Das ist etwas verwirrend. Der Jäger kostet zwei Euro, das Lasser-Radler gibt’s für drei.

Auf dem Klo um halb 2

Außer Siff nix los hier. Komisch.

Aufheiterle

Hiphop-Klischees, die an diesem Abend erfüllt wurden:

1.    Rapper kiffen. Check.
2.    Das Rap-Publikum kifft. Check.
3.    Rapper trinken Becks, weil es nach Gras schmeckt. Check.
4.    Bei so einem Hiphop-Abend kommt es schon mal vor, dass ein Rapper seine Parts schlicht und einfach nicht kann. Check.
5.    Es gibt auch Frauen auf solchen Konzerten, aber die bleiben im Hintergrund. Check.
6.    Rapper haben es mit ihrem Penis. Check.

Aufregerle

Asylbewerbern den Eintritt schwer machen, weil sie einen Ersatzausweis besitzen geht gar nicht. Thumbs down.

Fazit

Der Veranstalter DaGreeco aus der Rieseneinlauf-Crew hat hier einen Abend geschaffen, den Freiburgs Hiphop-Szene dringend benötigt hat. Alle Genres des Raps, jede Crew, viele Künstler - Freiburgs Finest konnte all das zusammenbringen. Die Shows waren top, der Abend war zudem verdammt lustig. Da kann der Guru nur sagen: Bring ‘em on.

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