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Kiesel, Drysam, Sehnsucht: Das sind Freiburgs Gin-Produzenten

Anika Maldacker

Der Gin-Trend nimmt kein Ende. Seit Jahren sprießen neue Sorten hervor. Die drei Gin-Marken Drysam, Kiesel und Sehnsucht kommen aus Freiburg, einer von ihnen wird sogar innerhalb der Stadtgrenzen produziert. fudder stellt sie vor.

Kiesel Gin

Hinter dem Gin mit dem ästhetischen Flaschendesign mit Gecko und Orange steckt quasi ein Vater-Sohn-Projekt des Freiburger Cornel Kiesel und seinem Sohn Marco. Der 56-Jährige lebt im Stadtteil Mooswald, arbeitet im Vertrieb bei einer Umkircher Firma und produziert nebenbei gemeinsam mit dem 24-jährigen Sohn Gin. Seit 2017 ist er offiziell mit dem Kiesel-Gin auf dem Markt. Seine Liebe zu dem Getränk entstand bereits vor dem Hype um den Gin, vor rund zehn Jahren bei einem seiner Spanien-Aufenthalte. In einer Bar im spanischen Cambrils bot ihm der Barkeeper etwas Besonderes an. Prompt kam er mit einer Ginflasche an und bereitete aufwändig einen Gin Tonic vor. Das beeindruckte ihn so sehr, dass die Idee, eines Tages einen eigenen Gin zu produzieren, in seinem Kopf blieb.



2012 nahm Kiesel sein Projekt dann in Angriff. "Ich habe zu einem Freund mit einer Brennerei im Freiburger Umland gesagt, dass ich meinen eigenen Gin brennen will", sagt Kiesel. Kiesel hatte klare Vorstellungen von seinem Gin. Für die Brennvorgänge mietete er fortan die Brennerei des Bekannten und probierte sich am Brennen aus. "Der erste Geist war gar nicht fein", erinnert sich Kiesel lachend. Nach rund vier Jahren steht das endgültige Produkt, mit dem sich Kiesel zufrieden gab.

"Ich mache das einfach just for fun." Cornel Kiesel
"Der Gin sollte ganz klar eine mediterrane Note haben", sagt Cornel Kiesel. Denn den Freiburger begeistert die iberische Halbinsel und vor allem Spanien sehr. Was Kiesel vermeiden wollte: "Ich wollte nicht in die Schwarzwald-Richtung gehen", sagt er. Neben dem für den Gin essentiellen und vorgeschriebenen Wacholder-Geschmack hat sich Cornel Kiesel für insgesamt 23 Botanicals entschieden, die die mediterrane Note transportieren sollen. Darunter Zitrone, Orange, Olive und Rosmarin. Seinen Gin mazeriert er, das heißt, dass die Botanicals im Alkohol mehrere Stunden ziehen, um dann gebrannt zu werden. Das Gin-Herstellen sollte zunächst ein Hobby sein. Seit 2017 hat Kiesel fünf Brände mit je rund 330 Flaschen in der Destillerie des Bekannten im Freiburger Umland gemacht. Die Flaschen füllt er per Hand ab, und beschriftet diese auch von Hand.



Zu kaufen gibt es den Kiesel-Gin in Freiburger Spirituosen-Läden wie Daiber, im Schafferer oder auf der eigenen Website. Im McNamara’s Irish Pub, im Erste Liebe oder in der Elisabeth-Bar kann man den Gin von der Karte bestellen. Cornel Kiesel will seinen Gin nun natürlich bekannter machen. Doch für ihn bleibt das Gin-Herstellen ein Hobby. "Ich mache das einfach just for fun."

Botanicals

Jedes Aroma, das zum Gin hinzugefügt wird, wird als Botanical bezeichnet. Ein Botancial soll das dem Gin eigene Aroma herstellen. Der Wahl der Botanicals sind kaum Grenzen gesetzt: Von Wurzeln über Beeren, Kaffeebohnen oder Schalen bis Gewürze kann man fast jedes Erzeugnis als Botancial verwenden.

Drysam Gin

Für Freiburger sticht dieser Gin vor allem durch seinen lautmalerischen Namen hervor: Drysam Freiburg Gin. Der Name soll einem der Gründer, Simon Köhl, eines nachts gekommen sein. Wenn man drüber nachdenkt, ist es nur logisch, dass Freiburgs wildestes Bächle Namensgeber eines Gins ist. Hinter dem Drysam Gin stecken Martin Isaak und Simon Köhl. Das Duo, das zu Gründungszeiten noch ein Trio war, hat seinen Dry Gin Mitte 2016 auf den Markt gebracht.



Die Freiburger Simon Köhl, 36, und Martin Isaak, 48, schätzen Gin schon seit einigen Jahren als Longdrink mit Tonic Water, doch erst, als der Hype um den Gin begann, beschlossen sie, selbst in die Gin-Produktion einzusteigen. "Wir haben zuvor einmal angefangen zu experimentieren und wieder aufgehört", erinnert sich Köhl. Der Drysam-Gin ist zwar ein Produkt mit Freiburger Firmenadresse, doch gebrannt wird der Gin nicht direkt innerhalb der Stadtgrenzen, sondern wenige Meter davon entfernt in Merzhausen. Dort besitzt Drysam-Mitgründer Isaak eine eigene Destille.

"Die Kaffeebohne hat mehrere Hunderte Aromen." Martin Isaak
Das Besondere am Drysam-Gin: die Röstaromen des Kaffees, die dem Gin einen leichten, herben Geschmack geben. "Die Kaffeebohne hat mehrere Hundert Aromen", sagt Isaak. Ob pur, mit Eis oder Tonic Water - der Gin entfalte stets einen neuen Geschmack, erklärt Isaak. Unter den neun Botanicals befindet sich neben Wachholder auch indischer Ceylon-Zimt, Koriander und Zitrusschalen. Eine "moderne Interpretation des klassischen Dry Gins" nennen die Macher das. Bis sie mit ihrem Gin zufrieden waren, haben sie mehr als hundert Versuche unternommen.

Für Köhl und Isaak ist das Gin-Produzieren ein Handwerk, das ihnen viel Spaß macht. "Für das Brennen brauchen wir schon einen vollen Arbeitstag", sagt Isaak. Jeder Brand unterscheide sich vom anderen, auch Umstände wie das Wetter spielten eine Rolle beim Geschmack. Das fertige Produkt bleibt sechs Wochen stehen. "Die Rückmeldungen zu unserem Gin waren positiv", sagt Köhl, "der Gin schmecke anders, aber hebe sich von den vielen anderen ab". Das Design des Etiketts hat Köhl selbst übernommen. Darauf taucht auch das Krokodil aus der Gerberau auf. "Ein Freiburger Klassiker", versichert Köhl.

Der Drysam-Gin ist bei Freiburger Spirituosen-Händlern wie Stefan-Meier-Tabak, Holderied und Daiber erhältlich, gibt es aber auch im Schafferer und anderen Freiburger Geschäften, sowie über die Homepage zu kaufen. 32,90 Euro kostet dort eine Flasche.

Sehnsucht Gin

Der Gin mit dem gefühligen Namen, ist bisher der einzige Gin, der direkt in Freiburg gebrannt wird. Holger Frey brennt seinen Sehnsucht-Gin seit einem Jahr direkt in der Nägeleseestraße in der Freiburger Wiehre. Bis vor rund einem Jahr war dort an der Nummer 26 die Schlosserei Fuchs. Dann ging die letzte Generation Schlosser in Rente und Holger Frey und seine Frau Ludmilla übernahmen die Räume um dort die Destillerie Onsen zu eröffnen.

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Heute und morgen gibts Sehnsucht Gin Tonic auf dem Agrikultur Festival in Freiburg. Ab jetzt am Stand der @absinthapotheke bis 22.00 Uhr!

Ein von @ sehnsuchtgin geteilter Beitrag am Jul 19, 2019 um 10:09 PDT



Neben rund 40 verschiedenen Bränden aus Kern- und Steinobst und Beeren, oder Geiste aus Espressobohnen brennt Frey, der vor zwei Jahren eine Ausbildung als Brenner absolvierte, auch seinen Sehnsucht-Gin in der Wiehre. Zuvor produzierte er noch auf dem Familienhof in Lottstetten am Hochrhein. Dort wird seit vier Generationen gebrannt. "Das Obst für die Brände ernte ich selbst", sagt Frey. Der erste Sehnsucht-Gin stammt noch aus Lottstetten, seit einem Jahr ist der Gin ein Freiburger Produkt.

"Wir verraten alle unsere Botanicals." Holger Frey

Vor rund vier Jahren reifte bei Holger Frey und Ludmilla Bartscht die Idee heran, einen eigenen Gin zu produzieren. Bevor sich Frey und Bartscht an die Konzeption ihres Gins gemacht haben, haben sie Gedanken gemacht: Wie schmeckt die Sehnsucht? Sie haben probedestilliert und unterschiedliche Rezepturen getestet. "Am Ende hatten wir verschiedene Geschmacks-Ideen", sagt Frey. Eine davon wird die endgültige. "Den Gedanken, damit an den Markt zu gehen, hatten wir am Anfang noch nicht", resümiert Frey.



Die zehn Botanicals des Gins seien alle biologisch und unbehandelt, sagt der 37-Jährige. Neben Wachholder werde auch Kardamom, Rosmarin, Quitte, Zimt, Fenchel, Thymian, Koriander, Zitrone und Orange destilliert. "Wir verraten alle unsere Botanicals", sagt Frey. Dazu komme am Ende noch Schwarzwald-Quellwasser. Der Gin wird dann einige Zeit im Steingutfass gelagert. "Wir brennen in kleinen Mengen von zwischen 200 bis 250 Flaschen pro Geist", sagt Frey. Inzwischen sei er bei dem 10. Geist.

Den Sehnsucht-Gin kann man in der Destillerie Onsen in der Nägeleseestraße, aber auch in der Alten Apotheke oder beim Delikatessenladen Garibaldi kaufen. Eine Flasche kostet 38 Euro.

Wir haben uns bei diesem Artikel auf die Gin-Sorten, die in Freiburg gebrannt werden, oder deren Geschäftsadresse in Freiburg liegt, beschränkt. Der Freiburger Michael Kern, der mit "Deutscher Gin" einen Leitfaden für deutschen Gin verfasst hat, schätzt die Anzahl der Gin-Marken aus dem Freiburger Umland auf sicherlich 50.

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