Khatamis Vortrag in der Freiburger Uni

Ruben Sakowsky

Der frühere iranische Staatspräsident Mohammed Khatami war gestern in Freiburg zu Gast. Im Audimax hielt er auf Persisch einen Vortrag mit dem Titel "Der Islam im Gespräch mit dem Westen - Probleme und Perspektiven." Nicht jedem gefiel der Auftritt Khatamis.



„Du bist ein Mörder und ein Faschist!“ Der Mann, an den sich diese Beschimpfungen richten, verzieht keine Miene. Ruhig wartet er am Podium, bis Sicherheitskräfte den Störer aus dem Saal bringen. Auch als die hitzige Auseinandersetzung der Saalordner mit dem erregten Mann durch eine technische Panne über die Lautsprecher übertragen wird, bleibt er gelassen. Dann wendet er sich wieder mit melodischer und eindringlicher Stimme an seine überwiegend studentischen Zuhörer, die sich an diesem Abend im vollbesetzten Auditorium der Universität versammelt haben.


Der Redner, der da gestern im größten Hörsaal der Universität einen Vortrag in persischer Sprache hielt, heißt Mohammad Khatami und ist wahrlich kein Hitzkopf. Im Westen galt der ehemalige iranische Staatspräsident lange Zeit als Hoffnungsträger. Während seiner Amtszeit setzte er auf einen verstärkten Dialog Irans mit dem Westen, um das Land aus der internationalen Isolation zu befreien. Zudem unternahm er etliche Bemühungen, den theokratischen Staat zu reformieren und setzte sich für Frauenrechte und Meinungsfreiheit ein. Allerdings scheiterten die meisten seiner Vorhaben am Widerstand der fundamentalistisch-konservativen Kräfte.



Nachdem Khatami Mitte des Jahres 2005 aus dem Amt schied, wandte sich das Land vom Reformkurs ab. Unter Khatamis Nachfolger, dem religiösen Hardliner Mahmud Ahmadinedschad, ging die Republik auf Konfrontation mit dem Westen und verschwand abermals in der Isolation. Bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2009 könnte Khatami erneut antreten. Im Gespräch mit einem Mitarbeiter der Badischen Zeitung wollte er sich allerdings zu keiner konkreten Aussage drängen lassen.

Auch in dem Vortrag, den Khatami gestern in der Universität hielt, vermied er es, die aktuelle iranische Politik anzusprechen. Seine Erläuterungen zu einer Möglichkeit des Dialogs zwischen Orient und Okzident blieben auf einer abstrakten theoretischen Ebene: Khatami philosophierte ganz allgemein über die Schwierigkeiten eines interkulturellen Austausches. Unfreiwillige Schützenhilfe leistete ihm dabei sein Dolmetscher, der die bildreiche Sprache Khatamis zur Erheiterung des Publikums oft völlig sinnfrei übersetzte.



Während beinahe jede Aussage des ehemaligen Präsidenten vom persischsprachigen Teil des Publikums mit frenetischem Jubel quittiert wurde, wurden in der anschließenden Diskussionsrunde auch kritische Fragen laut. Obwohl sich der Moderator im Vorfeld Fragen mit Bezug auf die aktuelle iranische Politik verbeten hatte, drehte sich die Diskussion bald um das Existenzrecht Israels und den um sich greifenden religiösen Fanatismus in der islamischen Republik.

Khatami verzichtete darauf, direkt auf diese Fragen einzugehen und wich auf Allgemeinplätze aus: Er sei dafür, dass „Christen, Juden und Muslime in Frieden miteinander leben können”. Allerdings müssten auch palästinensischen Interessen Gehör verschafft werden.

Begleitet wurde die Veranstaltung von pro-israelischen Protesten. Vor dem Auditorium versammelten sich Studenten, die israelische Flaggen entrollten und ein Ende der Gespräche mit Angehörigen des „religiös-faschistischen Regimes“ in Iran forderten.

Der Rektor der Universität, Hans-Jochen Schiewer, bezeichnete die Veranstaltung als „beherztes Plädoyer für den Dialog“. Zur Rolle der Universität gehöre es, „auch unter politisch schwierigen Rahmenbedingungen wissenschaftlich-zwischengesellschaftliche Kontakte zu ermöglichen.“ Die Universität Freiburg ist laut Schiewer die einzige deutsche Hochschule, die eine aktive Partnerschaft mit einer iranischen Universität unterhält.

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