Keine Genehmigung für QU-Club: Unmüßig nimmt Fehler auf sich

Uwe Mauch

Vor einem Monat schon sollte den Club QU eröffnen. Doch Verpächter Peter Unmüßig bekommt die Genehmigung dafür nicht. Die beiden Betreiber machen geltend, Unmüßig habe ihnen gesagt, sie könnten schon mal mit dem Umbau beginnen. Dem widerspricht der Projektentwickler. Uwe Mauch wollte von ihm wissen, wie es zu dem Lapsus kommen konnte.



Die beiden Betreiber machen geltend, Unmüßig habe ihnen gesagt, sie könnten schon mal mit dem Umbau beginnen (fudder berichtete). Dem widerspricht der Projektentwickler. Uwe Mauch wollte von ihm wissen, wie es zu dem Lapsus kommen konnte.  


fudder: Herr Unmüßig, wann macht der Club QU im Untergeschoss Ihres Turms am Fahnenbergplatz auf?

Peter Unmüßig: Sie wollen meine prognostischen Fähigkeiten prüfen?

Genau. Oder Ihren Optimismus.

Also das QU öffnet entweder gar nicht oder im Frühjahr.

Wollten Sie vollendete Tatsachen schaffen in der Hoffnung, die Bar schon irgendwie genehmigt zu bekommen?

Das ist wirklich ein Unsinn. Das wäre eine Strategie, die dumm und risikoreich ist und nur negative Gegenströmung mit sich brächte. Dadurch würde keinerlei positiver Effekt entstehen.

Wie kam es denn dazu, dass die Betreiber der Bar schon mit der Einrichtung begonnen haben und glaubten, die Genehmigung sei leicht zu bekommen?

Zunächst einmal haben die beiden Betreiber ihre Einrichtung bestellt, als noch nicht bekannt war, dass da ein Problem entsteht. In diesem Punkt war das deren Fehler. Es ist doch logisch, dass erst die Genehmigung zu erreichen ist und dann Bestellungen vorzunehmen sind.

Die zwei Betreiber waren aber der Ansicht, Sie hätten grünes Licht gegeben.

Nein, ich habe nicht grünes Licht gegeben, aber wir waren alle der Meinung, dass die Genehmigung erteilt wird, weil wir den Fehler gemacht haben, Tanzbars nicht mit Vergnügungsstätten zu assoziieren.

Den Bebauungsplan hat Ihre Firma federführend entwickelt. Darin heißt es, dass Vergnügungsstätten ausgeschlossen sind. Hatten Sie das vergessen?

Nein, das haben wir nicht vergessen. Aber wir haben eben nicht Tanzbars als Vergnügungsstätten gesehen. Im Bebauungsplan wollten wir mit dem Ausschluss von Vergnügungsstätten verhindern, dass sich Peepshows oder Spielhallen ansiedeln. Alles, was eine Immobilie negativ belastet, wollten wir aus eigenem Interesse für uns und unseren Kunden Sparkasse ausschließen.

Und Sie haben übersehen, dass eine Bar unter die Vergnügungsstätten fällt?

So ist es. Das haben wir einfach nicht realisiert. Und jetzt sagt natürlich jeder, das hättest du doch als Profi wissen müssen.

Kaum jemand in Freiburg dürfte auf dem Immobiliensektor mehr Erfahrung haben als Sie. Wie kann so ein Fehler unterlaufen?

Weil ich ja nicht so oft Diskos baue. Eigentlich schließe ich in den Immobilien, die wir für unsere Kunden machen, Vergnügungsstätten meistens aus, weil sie häufig negative Folgen haben. Ein Restaurant oder Tanzbars wie früher die Georgsklause oder der Römische Kaiser haben wir darunter schlichtweg nicht subsumiert. Das war klar unser Fehler. Und die Mieter haben ihren Anteil an dem Dilemma, indem sie ihre Einrichtung  bestellt haben, bevor die Stadt den Nutzungsantrag entschieden hat. Obwohl wir klar ausgemacht hatten, dass sie das nicht tun sollen. Mit diesen Fehlern müssen wir leben, und dazu stehen wir.

Ihre Pächter haben eine Viertelmillion Euro ausgegeben. Wer trägt den wirtschaftlichen Schaden, falls die Genehmigung nicht erteilt wird?

Natürlich der, der die Schuld dafür trägt, und das sind wir und zum Teil die Pächter selbst.

Wie sieht Ihre Strategie nun aus?

Was heißt Strategie? Ich will versuchen, den Flurschaden zu minimieren. Den Begriff Strategie will ich gar nicht gebrauchen, weil sonst der Eindruck entsteht, das alles sei eingebunden gewesen in eine Strategie.

Na gut, wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?

Wir werden die Stadtverwaltung fragen und bitten, ob sie uns und den Pächtern bei der Lösung behilflich ist, und zwar dergestalt, ob man eine Befreiung vom Bebauungsplan oder eine Änderung herbeiführen kann. Wenn sie das tut, wäre das schön, wenn sie es nicht tut, ist das unser Pech. Wir meinen lediglich, dass dieser Standort für ein Tanzlokal ideal ist – auch unter dem zurzeit diskutierten Thema Lärmbelästigung und der Frage, wo man solche Nutzungen ansiedelt. Jetzt muss der Gemeinderat als Souverän darüber entscheiden. So oder so.

Wie würden Sie Ihre Chancen einschätzen?

In der Politik ist das  wie auf hoher See, da befindet man sich in Gottes Hand. Wenn man emotionslos die Sache anschaut und überlegt, sehe ich sehr große Chancen. Wenn man das allerdings unter der gegebenen Konstellation und dem gegebenen Kontext betrachtet, dann kann das schon zu gewissen emotionalen Entscheidungen führen, und die ist dann eben wahrscheinlich negativ. Ein Kompromiss könnte auch ein „bedingtes Baurecht“ für ein Jahr sein, um zu erkennen, ob die für möglich gehaltene Beeinträchtigung eintritt.

Quartier Unterlinden

Wo einst die Badische Kommunale Landesbank am Rotteckring stand, ließ die Sparkasse einen Neubau errichten. Projektentwickler Peter Unmüßig hat ihn schlüsselfertig erstellt und vermietet (Rewe, Alnatura). Zum Projekt gehört auch der Turm am Fahnenbergplatz, für den Unmüßig als Investor und Vermieter (Vapiano, Büros) auftritt. Einweihung war Mitte April 2011.

Unterm Turm wollen Filipos Klein und Thomas Rauhut die Bar QU eröffnen. Den Pachtvertrag mit Unmüßig haben sie am 10. März unterschrieben. Eine Viertelmillion investierten sie in die Einrichtung. Dann signalisierte das Baurechtsamt, dass es keine Genehmigung geben werde, da der Bebauungsplan Vergnügungsstätten ausschließe. Rechtlich fallen auch Bars und Diskotheken darunter. Den Bebauungsplan hat die Firma Unmüssig entwickelt.

Peter Unmüßig

1946 gründete der Freiburger Ingenieur und Architekt Adolf Unmüßig das gleichnamige Bauunternehmen. Zu den bekanntesten Projekten gehören der Wiederaufbau der Uniklinik und die Eissporthalle in Mooswald. 1976 stieg sein Sohn Peter Unmüßig, Jahrgang 1951, ein.

Zu den größten Bauprojekten in Freiburg zählen Colombi-Hotel und Predigertor am Rotteckring, das Atrium am Augustinerplatz, die Sanierung des Großen Meyerhofs, das Quartier Unterlinden und die Westarkaden auf dem ehemaligen Brielmanngelände.

Heute tritt das Unternehmen als Projektentwicklungsgesellschaft auf. Es beschäftigt rund 80 Mitarbeiter. Diplom-Kaufmann Peter Unmüßig  ist verheiratet, hat drei Kinder. Seine Hobbys sind Skifahren und Reisen. Kurios: Die Firma wird mit zwei „s“, der Familienname mit „ß“ geschrieben.