Kein WM-Baby-Boom in Freiburg

Sophia Spillmann

Fast neun Monate nach Beginn der Weltmeisterschaft soll es laut BILD und RTL einen "Babyboom" in Deutschland geben. Die Euphorie (oder der Alkoholpegel) scheint in einigen deutschen Städten auch nach den Spielen angehalten zu haben. In Kassel zum Beispiel rechnet man mit einem Plus von 10 bis 15 Prozent. In Freiburg dagegen tickt die Uhr mal wieder anders: Von Babyboom keine Spur!

Die Menschen in Freiburg scheint das Ballerlebnis nicht wirklich animiert zu haben, sich fortzupflanzen. Wir haben im Josefs- und Diakoniekrankenhaus nachgefragt - dort bewegen sich die Geburtenzahlen im normalen Rahmen. Es sei weder mehr, noch weniger los als in anderen Jahren um diese Jahreszeit.  Allein die Hebammenpraxis in der Wiehre meldet einen "minimalen" Anstieg der Schwangerschaftsrate - ein Babyboom sieht anders aus. Eine andere Freiburger Hebamme reagierte sogar recht gereizt auf unsere Anfrage. Die Kurse seien eher leerer als sonst. Außerdem sei es geschmacklos, wie sich die Medien nach jedem Stromausfall und jetzt nach der WM auf dieses Thema stürzen.


Während Paare auf N24 von der bestgenutzen Halbzeitpause ihres Lebens schwärmen und BILD mit routiniert-schlüpfrigen Texten wie „Millionen Menschen feierten feucht-fröhlich im Stadion, in der Kneipe, auf der Straße - und nicht nur da“, oder „wir waren wirklich schwarz-rot-geil“ titelt, bleibt die Frage, warum sich die Freiburger - entgegen des landesweiten Trends  - als WM-Fortpflanzungsverweigerer geben. An zu wenig Euphorie - man denke an die Jubelorgien im Eschholzpark - kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Vielleicht hat die Bildzeitung ja aber auch einfach nur wieder mal aus einer Mücke einen Elefanten gemacht...