Freie Beete

Kein "Urban Gardening" mehr vor dem Theater Freiburg

Claudia Förster

Vergissmeinnicht und Kohlköpfe, zeitweise auch Cannabis und Opium: Vor dem Stadttheater Freiburg konnte bei "Urban Gardening" jeder seinen grünen Daumen ausleben. Jetzt endet das Projekt.

"Das ist Islas Himbeerreich", erklärt Graham Smith und zeigt auf ein Holzschild, auf dem Kinderschrift die Besucher vor Vermüllung warnt. "Und die Sitzecke da drüben", sagt der Choreograf und künstlerische Leiter des Jungen Theaters Freiburg, "die ist wahnsinnig meditativ." Für ihn hat jeder Winkel der Beete vor dem Theater eine Geschichte. 2012 hatte er den Trend des "Urban Gardenings", des Gärtnerns in der Stadt, aus New York nach Freiburg gebracht. Freiwillige bauten Bänke und pflanzten Vergissmeinnicht und Kohlköpfe an. Und zwischenzeitlich unentdeckt sogar Cannabis und Opium, natürlich entgegen den Gartenregeln, die Giftiges verbieten.


Im Zuge der Umgestaltung des Platzes der Alten Synagoge hatte Smith die Erlaubnis erhalten, die Fläche vor dem Theater als Gemeinschaftsgarten vorübergehend zu nutzen. Der Choreograf zeigt sich überrascht, dass der Garten für viele zum Stadtbild gehört, überhaupt, dass sich das auf ein Jahr ausgelegte Projekt so lange halten konnte.

Jetzt geht es zurück zu den Ursprüngen, zurück zu den Grünstreifen vor dem Haus. Die Gestaltung liegt wieder in Händen der Architekten, die den Platz umgestalten.

Eine Petition, die den Erhalt des Gartens gefordert hatte, fand nicht genügend Unterstützer. Für den Initiator nicht das Ende der Welt: "Urban Gardening ist eine zwinkernde Hinterfragung von Brachflächen und Besitz. Ich wollte aber keine Institution gründen." Deshalb gibt er sein Projekt mit gemischten Gefühlen auf. "Irgendwann sind alle ursprünglichen Helfer weggezogen." Dass die Last der Organisation und des Zusammenhalts der Gartengemeinschaft auf seinen Schultern lag, wurde dem Choreografen zu viel. Der Zeitpunkt für das Ende passt deshalb irgendwie. "Aber der urbane Garten hat gewirkt", meint Smith.

"Tabula Rase(n)" am 1. Mai

Sein Projekt habe Debatten zwischen Verfechtern und Kritikern ausgelöst. "Das sind alles Meinungen. Meine Bilanz ist positiv, und ich würde mich über einen schönen Abschluss freuen", sagt er. "Ich will keinen Protest. Wer traurig über das Ende des Gartens ist, soll die Pflanzen mitnehmen."

Seit einigen Tagen ist Smith dabei, Pflanzen in die Beete gegenüber der Unibibliothek umzusiedeln. Die bleiben erstmal bestehen. Die restlichen Stauden und Büsche gibt er zur Adoption frei: Gartenliebhaber können am 1. Mai beim "Tabula Rase(n)" Pflanzen mit nach Hause nehmen – unter der Bedingung, dass sie deren Lebenslauf fotografisch begleiten. Möglicherweise macht der Choreograf später ein Kunstprojekt daraus.
Hilfe beim Umsiedeln wird am Wochenende, 29./30. April, gebraucht, am Montag, 1. Mai, können Reste mitgenommen werden.

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