Kein Platz zum Skaten

Maria-Xenia Hardt

Der Gemeinderat hat viel Geld verteilt, für die Skater war nichts dabei. Sie wünschen sich einen Skatepark, fühlen sich nun benachteiligt, verjagt, können ihre schlechten Ruf nicht verstehen.



Alberto „Ali“ Benitez
hat  20 seiner 33 Lebensjahre auf dem Skateboard verbracht. Für einzelne Monate war er auf den Halfpipes der Welt unterwegs, die meiste Zeit hat er aber in Freiburg gelebt, und da hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten nichts geändert: „Spots haben wir, aber keine wirklich gute Anlage –  da sieht es sehr mager aus.“ Hinter ihm auf dem Skaterhof am Haus der Jugend in der Uhlandstraße tummeln sich an die 30 Skater zwischen fünf und 25. Alberto gibt hier seine Erfahrung an die jüngeren weiter.


Die einzige andere Anlage wurde 2005 in Rieselfeld eröffnet. „Die ist etwas schief“, sagt Ali, „das ist für den Regenabfluss gut, zum Skaten aber  nicht. Ich will mich nicht beschweren, bin zufrieden mit dem, was wir haben, aber eine richtige Anlage wünsche ich mir trotzdem.“ Er schätzt, dass es in Freiburg zwischen 500 und 700 aktive Skater gibt, für die reichen 800 Quadratmeter  nicht aus.
Der 16 Jahre alte Justin Jenne wohnt im Stadtteil Rieselfeld, skatet oft dort und ist damit nicht der Einzige: „Am Wochenende ist es echt voll. Sonst gibt es ja nichts.“

Der 19-jährige Merlin Brauns pflichtet ihm bei: „Im Rieselfeld sind manchmal so viele, dass es gefährlich wird.“ Die Skater-Szene kämpft schon lange um eine neue Anlage. „Wir sammeln seit Jahren Unterschriften“, sagt Justin, „aber es passiert  nichts. Überall werden Bolzplätze gebaut, die keiner braucht, wir werden benachteiligt.“

Vor zwei Jahren wurden Oberbürgermeister Salomon 2300 Unterschriften  vorgelegt – aus allen Bevölkerungsschichten, wie Florian Bechert vom „Boardshop“ betont: „Die Eltern wollen doch auch, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Wild skaten ist immer gefährlicher als auf einer Anlage.“ Aus Mangel an einer solchen ist in Freiburg aber genau das zu beobachten: Viele skaten am Bahnhof zwischen Koffern, Reisenden und Bussen, es gibt immer wieder Unfälle. Erst vergangene Woche  wurde in Rieselfeld eine wilde Rampe entfernt, die Jugendliche errichtet hatten. „Rechtlich hat die Stadt korrekt gehandelt“, sagt Bechert. Auch Merlin kann die Räumung verstehen: „Natürlich war die Anlage illegal. Aber das zeigt, wie verzweifelt die Kids sind.“
Am Wochenende fahren sie mitunter in andere Städte. „In Stuttgart gibt es drei große Anlagen“, sagt Justin, „und die sind richtig gut, da kümmert sich die Stadt drum. Hier wird man nur überall verjagt.“

Dass Anwohner sich durch die Lärmbelastung gestört fühlen, können die Jugendlichen nachvollziehen, ihren schlechten Ruf aber nicht. „Die Leute betrachten Skaten als Ghettosportart“, sagt Merlin, „weil sie nichts darüber wissen.“

Die Skater sind der Überzeugung, dass nicht nur Jugendliche mit fahrbarem Untersatz – sei es nun ein Board, ein Bike oder Inliner – von einer Anlage profitieren würden, weil Skaten eine Möglichkeit ist, Kinder zu Sport zu animieren und Jugendarbeit zu betreiben.

Die Stadt lässt durch ihre Pressereferat mitteilen, dass der Bedarf  durchaus „bekannt“, die Umsetzung allerdings „kostenintensiv“ sei – die Anlage in Rieselfeld hat 2005 insgesamt 97000 Euro verschlungen. Nach der Finanzkrise habe der Bau einer weiteren Anlage „eine eher untergeordnete Priorität“ – trotz erhöhter Ausgaben im Haushaltsplan. „Dieses Jahr hat der Gemeinderat echt viel Geld verschleudert“, sagt Merlin, „nur für uns war nichts da.  Dauernd heißt es, alle werden immer dicker. Kids, die skaten, haben sich dazu entschlossen, nicht vorm PC zu sitzen, sondern rauszugehen und was zu machen. Niemand scheint dieses Potential zu sehen.“

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[Bild: Michael Bamberger]