Kein Luxus auf Kuba

Lorenz Bockisch

Schon gewusst, dass der Militärstützpunkt Guantanamo Bay die USA keinen Cent kostet? Das seit 1903 gepachtete 117 km² große Küstengebiet wird seit längerem nicht mehr nur als Militärbasis benutzt, wie im Pachtvertrag zwischen Kuba und den USA vereinbart, sondern auch für inzwischen bekannte Menschenrechtsverletzungen und für andere kommerzielle Zwecke.

Zu Beginn der Pacht gab es für Kuba noch einen $2000-Scheck jedes Jahr. Durch Nachverhandlungen und nach diversen kubanischen "Regierungswecheln" stieg die Pachtgebühr Ende der 30er jahre auf über 4000 Dollar. Davor war der Pachtvertrag von der anfangs nur 99 Jahre dauernden Gültigkeit auf unbestimmte Zeit verlängert worden.


Als sich Fidel Castro 1959 an die Macht revolutionierte, forderte er natürlich sofort den Abzug der bösen imperialistischen Armee und die Rückgabe des Landes. Dummerweise war der Pachtscheck in jenem Jahr schon eingelöst worden, was die Amerikaner als eine Fortsetzung des Vertragsverhältnisses interpretierten. Seit dem geht zwar jedes Jahr ein Scheck nach Havanna, das stolze Kuba verzichtet aber darauf, die 4000 Dollar einzulösen. Und damit keine weiteren Kosten entstehen, wurde die Militärbasis Anfang der Sechziger vom Strom- und Wassernetz abgekoppelt. Die US-Armisten werden seit dem mit Schiffen und einer Meerwasserentsalzungsanlage versorgt.

Trotzdem Kuba auf den Pachtvertrag keinen Wert zu legen scheint, hat sich das kommunistische Regime immer wieder auf diesen berufen, wenn gegen Guantanamo Bay gewettert werden sollte: Da eine rein militärische Nutzung kommerzielle Betätigungen ausschließt, beschwerten sich die Kubaner über die Bowlingbahn und das McDonald's Restaurant hinter den Zäunen. Über Folter und andere Menschenrechtsverletzungen scheint hingegen im Pachtvertrag nichts zu stehen, vielleicht gehört das sogar auch nach kubanischer Interpretation zur "militärischen Nutzung".