"Kein Abklatsch von Facebook": Zwei Badener gründen Internetplattform Pubki

Hannah Fedricks Zelaya

Steffen Waidele (26) und Lukas Fisel (27) haben in Freiburg studiert und gemeinsam die soziale Internetplattform Pubki entwickelt. Im Interview erzählen sie, warum Pubki kein schlechter Abklatsch von Facebook ist.

Die Frage, die euch wahrscheinlich jeder als erstes stellt ist: Warum noch eine soziale Plattform? Was unterscheidet Pubki von Facebook?

Lukas Fisel: Facebook ist nicht dafür gemacht, Leute im realen Leben zu treffen. Der Anstoß für unsere Idee lag aber genau darin. Ein Freund von uns hat immer Leute gesucht, um gemeinsam Downhill zu machen, also Bergabfahrt mit dem Mountainbike. Er hat das auch immer wieder auf Facebook gepostet und Leute direkt angesprochen, aber es war mühsam für ihn. Unsere Plattform ist für so jemanden gemacht. Es funktioniert ähnlich wie bei Ebay, man legt einen Termin an, der dann für alle sichtbar ist. Die Möglichkeit gibt es bei Facebook nicht.

Steffen Waidele: Das kann alles sein, Verabredungen für Hobbys, für Fahrgemeinschaften, zum gemeinsamen Kochen, für‘s Work and Travel. Gerade für Erstsemester, oder wenn man neu in eine Stadt zieht, ist Pubki interessant. Es regt aber auch dazu an, mit alten Freunden mal etwas ganz Neues auszuprobieren.

Wie kamt ihr auf den Namen Pubki?

Lukas: Es ist eine Abkürzung von "Public key", also dem Schlüssel der Öffentlichkeit. Es soll daher auch Englisch ausgesprochen werden.

Steffen: Oh ja, auf gar keinen Fall Deutsch aussprechen!

Das heißt, das Ziel bei Pubki ist das reale Treffen und nicht, online soziale Kontakte zu pflegen?

Lukas: Doch, das gehört schon auch dazu. Es gibt die Chatfunktion und man kann ein Profil anlegen. Das soll die Möglichkeit geben, sich besser kennenzulernen, bevor man sich trifft. Pubki ist in der Hinsicht vielleicht am besten mit einer Dating-Seite zu vergleichen, nur dass es bei uns um die Vermittlung von Hobbys und Unternehmungen geht. Es gibt also beide Seiten.

Steffen: Das reale Treffen steht im Fokus, aber es geht eigentlich beides ineinander über.

Nutzt ihr selbst eure Webseite?

Lukas: Ich dachte eigentlich immer, dass ich sie nicht nutzen würde, da ich mit meinem Kraftsport und dem Fahrradfahren schon Hobbys habe. Jetzt nutze ich es aber doch, einfach, weil man so Dinge macht, auf die man von alleine nie gekommen wäre.

Steffen: Am Wochenende gehen wir zum Beispiel gemeinsam zum 3D-Schwarzlicht-Minigolfen. Ich wusste vorher nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Eine Nutzerin hat es reingestellt, und wir fanden das sofort spannend. Wir haben uns über Pubki auch schon auf dem Weihnachtsmarkt verabredet oder zum Crépes backen.

Wie viele Nutzer habt ihr inzwischen?

Lukas: Wir sind jetzt seit ungefähr sechs bis acht Wochen online und haben zwischen 600 und 700 Nutzern.

In ganz Deutschland?

Steffen: Nein, bisher hauptsächlich im Raum Karlsruhe und von dort aus Richtung Süden, also Offenburg, Freiburg. Wir wollten uns am Anfang auf wenige Städte konzentrieren, damit dort viel los ist, und die User auch wirklich einen Nutzen davon haben.

Lukas: Wir haben uns dafür vorher überlegt: Zu welchen Orten haben wir einen Bezug? Dort wollten wir starten. Ich bin aus Pforzheim, Steffen aus dem Kinzigtal, wir haben zusammen in Offenburg studiert und in Freiburg unsere Bachelorarbeit geschrieben. Also war klar, dass wir hier anfangen.

Aber ihr denkt auf lange Sicht größer?

Lukas: Natürlich. Unsere Ambition ist es, von jedem überall nutzbar zu sein.

Das heißt, ihr beschäftigt euch momentan ausschließlich mit eurer Webseite?

Lukas: Nein, wir haben uns jetzt in Karlsruhe für den Studiengang Informatik eingeschrieben. Eigentlich haben wir Maschinenbau studiert, das heißt, die Seite hat ein Bekannter für uns programmiert. Das wollen wir mit der Zeit selber mehr machen können.

Steffen: Aber wir merken auch, dass es langsam geht.

Lukas: Trotzdem haben wir sehr viele Ideen, die wir gar nicht alle umsetzen können. Für uns geht es gerade erst los, die Seite muss permanent verbessert und noch attraktiver werden. Unser Ziel ist es, sie mit den Nutzern gemeinsam weiterzuentwickeln.

Seid ihr auch offen für Kritik?

Lukas: Natürlich. Konstruktive Kritik ist für uns sehr wünschenswert. Nur das bringt uns weiter.

Steffen: Einem selbst fallen viele Dinge gar nicht mehr auf, wenn man sich zu lange mit ihnen beschäftigt.