Katzenjammer im Zirkuszelt: Im Gedenken an die Bass-Balalaika

Miriam Helbig

Vier junge Frauen, mehr als zwei Duzend Instrumente, 3000 begeisterte Zuschauer im Zirkuszelt: Katzenjammer haben am Sonntagabend gezeigt, dass Polka-Rock’n’Roll eine echte Wucht ist. fudder-Autorin Miriam Helbig war dabei:



Drei Mal gastierten die Damen von Katzenjammer bereits in Freiburg. 2009 beim legendären Konzert im Waldsee, als Schlagzeugerin und Trompeterin Solveig während der Zugabe einfach umkippte. 2011 im Spiegelzeit, als gerade das zweite Album „A Kiss Before You Go“ erschienen war und die Band sich zunehmender Bekanntschaft erfreute. Und am Sonntagabend erneut beim ZMF – dieses Mal jedoch im großen, im Zirkuszelt.

Ein neues Album gab es zwar nicht vorzustellen, weshalb dem überaus gemischten Publikum vor allem Lieder der ersten beiden Platten präsentiert wurden.  Trotzdem knallten Songs wie „A bar in Amsterdam“, „I will dance (When I walk away)“ oder der großartige „Demon Kitty Rag“ mindestens genau so wie vor zwei, drei oder vier Jahren. Ein kleiner Einblick in die nächste Platte wurde auch geboten: Die Stücke waren – wie der gesamte Auftritt – erwachsener und bei weitem nicht mehr so wild wie noch zu „Le Pop“-Zeiten.

Was sich nicht geändert hat: Die vier Musikerinnen harmonieren im wahrsten Sinne des Wortes hervorragend. Besonders beeindruckend ist daher auch immer wieder die unglaubliche Vielzahl an Instrumenten, die auf der Bühne erscheinen. Mandoline, Banjo, Akkordeon oder Ukulele werden unterstützt von Schlagzeug, Keyboard und Gitarren. Nur einen Gedenkplatz nahm leider die fast schon legendäre Bass-Balalaika ein. Am Rande der Bühne – immerhin ständig von einem eigenen Strahler beleuchtet – fristete sie ihr ungespieltes Dasein, nachdem sie am Samstagabend das Zeitliche (oder vielmehr das Elektrische) gesegnet hatte.

Natürlich waren die Damen auch gesangsmäßig eine Klasse für sich. Besonders Marianne entlockte dem Publikum mit ihrer einzigartigen Stimmgewalt immer wieder Begeisterungsstürme. Ein Konzert ohne Gänsehaut mit Katzenjammer? Spätestens bei „God’s great dust storm“ als zweiter Zugabe hätte Feuerzeug-Zeit sein sollen. Das geht aber heute wohl aufgrund der zum Filmen hochgereckten Smartphones nicht mehr.

Alles in allem waren Katzenjammer deutlich weniger wild und unbeherrschbar als noch vor drei oder gar fünf Jahren. Vielleicht liegt das an der mangelnden Tour-Erfahrung oder einer zunehmenden Professionalität – der alte Witz kam erst zum Ende des Konzertes durch. Unterstützt von einem großartigen Publikum, das immer wieder Geburtstagsständchen für Turid anstimmte, sang man gemeinsam gegen den Starkregen an, der auf dem Heimweg für Abkühlung von einem alles in allem wieder einmal fantastischen Konzert bot.

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[Foto: Danke, @matsacoo/Matthias Baader!]