Katzenjammer im Spiegelzelt: Die fabelhafte Welt der Vielfalt

Konstantin Görlich

Es ist, als wären die gefühlvolle Zauberhaftigkeit von Salut Salon und die eigenwillige Vielfältigkeit der Leningrad Cowboys im Scheinwerferlicht verschmolzen: Katzenjammer brachten das Publikum im wassergekühlten Spiegelzelt in ekstatische Verzückung.

„Was ist denn das? Das gefällt mir!“ ist eine gängige Reaktion, wenn man Katzenjammer zum ersten mal hört, gerne als vermeintlicher Geheimtipp auf einer WG-Party. So ähnlich war es gestern Abend: „Sie haben viel vom neuen Album gespielt, damit habe ich nicht in dem Maße gerechnet“, sagt Miriam aus Freiburg, deren Erwartungen ansonsten voll erfüllt wurden, so daß „es keinen Moment gab, in dem ich nicht grinsen musste ob der großartigen Stimmung.“

Die hatte es auch Jonathan angetan: „Die Laune, die sie verbreitet haben, und die Show, waren einfach geil. Je schneller desto besser!“. So dürfte es einem Großteil des altersmäßig tief gestaffelten Publikums gegangen sein, wenn vom neuen, im September erscheinenden Album „A kiss before you go“ auch eher die fragile Leichtigkeit von „Lady Marlene“ und besonders die hoffnungsvolle Melancholie von „Rock - Paper“ im Ohr bleiben. Schluchz.

In Arm und Bein bleibt da eher das, was auch bei iTunes bislang am beliebtesten ist: Speedfolk aus der Kategorie „Demon Kitty Rag“, ganz zu schweigen von „A Bar in Amsterdam“. Mitgröhltechnisch kann aber auch das neue Album mithalten, wenn es aufklärt, daß „Land of Confusion“, die Genesis-Pophymne aus den Achtzigern, in Wirklichkeit als preorgasmischer Folk-Punk gemeint war.

Die Stärke der vier ist, das wurde deutlich, denn auch die Vielfalt: von der katzenäugigen Bass-Balalaika und allerlei anderem Gezupften bis zum kurzerhand ins Schlagzeug integrierten Mülleimer können und spielen alle alles, gern auch abwechselnd oder gleichzeitig, über- oder hintereinander.

Ihre Klasse definiert sich jedoch vokal. Während Solveig dafür zuständig ist, mit ihrem faszinierenden Gesang irgendwo zwischen verrauchten Whiskeybars in Tennessee und gut gemeintem Eurovisions-Chanson zu verzaubern spielt Marianne, eine Mischung aus der jungen Janis Joplin und dem als Helga Hahnemann wiedergeborenen Iggy Pop, vergnügt mit ihrem Publikum, das mal zu schnell, mal zu langsam schaltet und so sein Ausrastpotential zwar stimmgewaltig, aber nicht voll ausschöpft.

Es bleibt zu vermerken, daß Katzenjammer keinen Millimeter erwachsener geworden sind, ihre Musik jedoch reift und gedeiht. Folk‘n‘Roll meets Chanson-Punk? Noch am ehesten. Jeder Versuch, Katzenjammer einer Stilrichtung zuzuordnen, ist sowieso von vornherein zum Scheitern verurteilt, und das ist auch gut so.

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Foto-Galerie: Brian Barnhart

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